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Wirtschaft im Norden Flexible Arbeitszeiten: Minister auf der Linie der IG Metall
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Flexible Arbeitszeiten: Minister auf der Linie der IG Metall
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07:49 11.01.2018
„Auch die Landesregierung unterstützt eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten.Bernd Buchholz (FDP) Wirtschaftsminister in Kiel
Kiel

„Auch die Landesregierung unterstützt eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten“, erklärte Buchholz gegenüber den „Kieler Nachrichten“. Je nach individueller Lebenssituation müssten Beschäftigte die Möglichkeit erhalten, ihre Arbeitszeit zu verringern. Beide Tarifparteien, IG Metall und Arbeitgeber, müssten sich zusammenraufen, „um einvernehmlich eine größere Flexibilisierung der Arbeitszeiten hinzubekommen“. Um Fachkräfte an ihre Firma zu binden, sollten Arbeitgeber allen, die Teilzeitangebote nutzen, so früh wie möglich eine Rückkehr zu einer längeren Arbeitszeit zusichern.

Die IG Metall will unter anderem einen Anspruch für Vollzeitbeschäftigte durchsetzen, die wöchentliche Arbeitszeit für bis zu zwei Jahre von 35 auf 28 Stunden verkürzen zu dürfen. Wer Angehörige pflegt, seine Eltern oder Kinder, solle auch einen Teil-Lohnausgleich erhalten – einen Festbetrag, der vor allem unteren Lohngruppen zugute komme.

„Wir haben nicht nur Arbeitnehmer mit 4000 Euro brutto im Monat, sondern auch viele mit 2000. Die müssen es sich auch leisten können, Angehörige zu pflegen“, sagt Daniel Friedrich, Geschäftsführer der IG Metall Lübeck-Wismar. Über die Unterstützung des FDP- Ministers freue man sich bei der Gewerkschaft. „Er spricht das Richtige aus.“ Jeder aufmerksame Beobachter könne doch erkennen, dass die Kultur des Immer-länger- und-schneller-Arbeitens vorbei sei. „Wir brauchen in unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Arbeitszeitmodelle“, sagt Friedrich. Es müsse Schluss sein damit, dass in Firmen derjenige Karriere mache, der abends am längsten dort rumsitze, auch wenn er gar nicht produktiv sei, während es andererseits als Gnadenakt gelte, jemandem Teilzeitarbeit zu erlauben, obwohl er danach noch wichtige Arbeit in der Familie leiste.

Während auch zahlreiche Arbeitgeber einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten offen gegenüberstehen, lehnen ihre Vertreter einen Teillohn-Ausgleich allerdings vehement ab. „Nur geleistete Arbeit kann auch vergütet werden“, sagt Sebastian Schulze vom Unternehmensverband UV Nord. Ein Lohnausgleich erhöhe die Arbeitskosten und schade dem Wettbewerb. Das alte Arbeitszeitgesetz mit seinem 1918 vereinbarten Acht-Stunden-Tag passe aber tatsächlich nicht mehr in die Zeit. Damals habe die Schwerindustrie die Wirtschaft geprägt. „In Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung erwarten wir vom Gesetzgeber ein klares Bekenntnis zur Flexibilität. Wir brauchen eine Arbeitszeitordnung 4.0.“

Daniel Friedrich traut solchen Bekenntnissen nicht. Flexibilisierung von Arbeitszeit heiße für Arbeitgeber bislang nur, dass Arbeitnehmer immer parat stehen müssten, wenn der Kunde ruft. Deshalb wolle man den Teilzeitanspruch samt Teil-Lohnausgleich in den Tarifverträgen verankern. Und auch deshalb rolle die Warnstreik-Welle im Norden weiter an. Waren gestern sechs Betriebe der Metall- und Elektroindustrie betroffen, sollen es heute 30 sein, darunter auch Dräger in Lübeck und Danfoss in Neumünster. Darüber hinaus fordert die IG Metall für die 140 000 Beschäftigten der Branche im Norden sechs Prozent mehr Gehalt. Die Arbeitgeber bieten bislang nur zwei Prozent an und einmalig 200 Euro.

 Von Wolfram Hammer

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