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Frauenquote: Kritik an Ultimatum

Berlin Frauenquote: Kritik an Ultimatum

Familienministerin Katarina Barley (SPD) will Geschlechterverhältnis in Vorständen ändern.

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„Gerade mal sechs Prozent der Vorstände sind weiblich. Das geht so nicht weiter.Katarina Barley SPD-Familienministerin

Berlin. Vertreter der deutschen Wirtschaft haben empört auf die Drohung von Familienministerin Katarina Barley (SPD) reagiert, eine Frauenquote für Unternehmensvorstände einzuführen. Barley fordert, dass sich das Geschlechterverhältnis in den Führungsetagen binnen Jahresfrist ändern müsse.

„Eine Quote für Vorstände wäre verfassungswidrig und würde einen massiven Eingriff in die unternehmerische Freiheit darstellen“, sagte Iris Plöger, Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Über 80 Prozent der Vorstände börsennotierter Unternehmen bestehen aus ein bis drei Personen. Die Regulierung solcher Kleinstgremien ist unverhältnismäßig“, sagte Plöger.

Auch der Arbeitgeberverband BDA wies die Androhung der Familienministerin zurück. „Statt die Privatwirtschaft mit pauschalen Regulierungen zu überziehen, sollte die Politik in den Unternehmen mit öffentlicher Beteiligung die Zahl der Frauen in Führungspositionen beherzt erhöhen“, sagte ein BDA-Sprecher dem RND. „In zahlreichen Unternehmen mit öffentlicher Beteiligung ist der Anteil von Frauen in Top-Führungspositionen deutlich unter dem Durchschnitt der Privatwirtschaft“, so der Vertreter der Arbeitgeber.

Familienministerin Barley hatte im Interview mit dem RND beklagt, dass Frauen in Vorständen von Unternehmen im Gegensatz zu den Aufsichtsräten immer noch deutlich unterrepräsentiert seien. „Gerade mal sechs Prozent der Vorstände sind weiblich. Das geht so nicht weiter“, hatte Barley gesagt und eine verpflichtende Frauenquote auch für Vorstände angedroht. „Ich gebe der Wirtschaft noch ein Jahr Zeit, die Sache selbst zu regeln. Wenn sich bis dahin nichts tut, werden wir gesetzlich eingreifen“, so Katarina Barley wörtlich.

Laut einem Bericht, den die Ministerin gestern mit ihrem Kabinettskollegen Heiko Maas (SPD) präsentierte, hat die vor zwei Jahren eingeführte Quote für Aufsichtsräte inzwischen Wirkung gezeigt.

Demnach stieg der Anteil der Frauen in den Kontrollgremien betroffener Unternehmen von 25 Prozent im Jahr 2015 auf 27,3 Prozent im vergangenen Jahr. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor.

Das im Mai 2015 in Kraft getretene Gesetz verpflichtet börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Großunternehmen seit dem 1. Januar 2016 zu einer Frauenquote von 30 Prozent in den Aufsichtsräten. Wird bei einer Neubesetzung die Quote nicht erreicht und keine geeignete Frau gefunden, sollen Stühle unbesetzt bleiben. Für die operativ wichtigen Vorstandsposten hingegen gibt es bislang keine verpflichtende Quote. Unternehmen müssen lediglich Zielwerte benennen, die sie erreichen wollen. Viele Unternehmen nennen bislang den Zielwert Null.

Es sei „klar“, dass Unternehmen auch qualifizierte Frauen in Führungsfunktionen brauchten, betonte BDI-Frau Plöger. Die Wirtschaft brauche dafür aber mehr Zeit. „Zielvorgaben sind für Unternehmen eine Chance, Veränderungsprozesse stärker anzustoßen. Die Politik muss den Unternehmen diese Chance lassen und das Gesetz zur Frauenquote wirken lassen“, forderte Plöger. „Das Gesetz gibt den Unternehmen richtigerweise eine Frist von fünf Jahren, um den Anteil der Frauen in Führungspositionen zu steigern. Erst in einem solchen Zeitraum sind nennenswerte Veränderungen zu erwarten“, sagte die Vertreterin des BDI.

Andreas Niesmann

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