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Wirtschaft im Norden Freispruch für Fitschen und Ex-Manager der Deutschen Bank
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21:16 25.04.2016
Entspannte Gesichter: Jürgen Fitschen, Co-Chef des Vorstands der Deutschen Bank, und die Anwältin Barbara Livonius. Quelle: Widmann/Imago
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München

Wie ein strahlender Sieger sieht Jürgen Fitschen trotz seines Freispruchs nicht aus. Erleichtert sei er, sagte der Co-Chef der Deutschen Bank beim Verlassen des Gerichtssaals. Und dass er nun direkt nach Frankfurt zurückfliegen werde, um in seinem Büro in der Konzernzentrale zu arbeiten. Überschwängliche Freude ist bei ihm nicht zu hören. Nach einem Jahr Verhandlungsdauer kam das Münchner Landgericht zu dem Ergebnis, dass Fitschen und vier Ex-Manager des Geldhauses nicht vor Gericht gelogen haben. Für den Anklagevorwurf des versuchten Prozessbetrugs habe es keinen einzigen Beweis gegeben, sagte der Vorsitzende Richter Peter Noll. „Das ist ein Freispruch, wie er sich gehört.“ Die Kosten des Verfahrens muss die Staatskasse tragen.

„Das war ein rechtsstaatliches Verfahren, für das sich niemand schämen muss.“Vorsitzender Richter Peter Noll

Für Fitschen ist der Freispruch wenige Wochen vor seinem Abschied von der Spitze der Deutschen Bank ein letzter Erfolg. Das Urteil sei so ausgefallen, wie er es von Anfang an erwartet habe, sagte der Manager nach dem Urteil. Die Münchner Staatsanwaltschaft will prüfen, ob sie Revision einlegt.

Sie hatte Fitschen sowie seinen Vorgängern Rolf Breuer, Josef Ackermann und zwei weiteren ehemaligen Top-Managern der Deutschen Bank vorgeworfen, vor dem Oberlandesgericht München die Unwahrheit gesagt zu haben, um die Bank vor Schadenersatzzahlungen für die Pleite des Medienkonzerns Kirch zu bewahren. Für Ackermann und Breuer hatte die Staatsanwaltschaft mehrjährige Haftstrafen gefordert, für Fitschen eine Bewährungsstrafe und eine Geldbuße. Der Richter hatte aber schon vor dem Urteil durchblicken lassen, dass ihn die Anklage nicht überzeugt.

Der 2011 gestorbene Medienunternehmer Leo Kirch hatte Breuer und die Deutsche Bank zeitlebens für den Zusammenbruch seines Konzerns verantwortlich gemacht, weil dieser sich 2002 in einem Fernsehinterview kritisch über die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe geäußert hatte. Noll zeigte sich allerdings überzeugt, dass Breuer Kirch nicht absichtlich habe schädigen wollen mit dem Interview. Die Frage sei nicht abgesprochen gewesen, Breuer habe vielmehr spontan reagiert. „Das war eher ein Herumeiern als eine gezielte Vernichtung des Kreditkunden Kirch“, sagte der Vorsitzende. Breuer hatte sich wegen der Folgen des Interviews erst vor kurzem mit der Deutschen Bank auf einen millionenschweren Vergleich geeinigt. Wenige Wochen nach dem Interview hatte Kirch Insolvenz angemeldet. Es folgte eine Welle von Prozessen. Anfang 2014 einigte sich die Bank dann mit den Kirch- Erben auf einen Vergleich und zahlte 925 Millionen Euro. Die deutlichen Worte von Richter Noll dürften die Diskussion aber neu entfachen, welche Rolle die Interview-Äußerungen tatsächlich in der Causa Kirch gespielt haben.

Die Münchner Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass die fünf Banker in dem damaligen Verfahren nicht wahrheitsgemäß vor Gericht ausgesagt haben und klagte sie an. Um die Vorwürfe gegen sie zu überprüfen, seien Unmengen E-Mails und andere Dokumente ausgewertet worden, sagte Noll. Dabei sei kein Hinweis gefunden worden, dass irgendeine Absprache getroffen wurde. Dennoch war der Prozess aus Sicht Nolls richtig und notwendig. „Das war ein rechtsstaatliches Verfahren, für das sich niemand schämen muss.“

LN

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