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20:21 13.02.2016
Martin Blessing verkneift sich jedes Triumphgeschrei — doch die Genugtuung über die Erholung der Commerzbank ist dem scheidenden Konzernchef anzumerken.

„Das Gefühl ist schlechter als die Lage.“

Martin Blessing (52), Konzernchef Commerzbank

Milliardengewinn und Dividende — das ist eigentlich das, was man von der stolzen Deutschen Bank erwarten würde. Doch während der Branchenprimus tief in den roten Zahlen steckt und mit allen Mitteln um das Vertrauen von Investoren kämpfen muss, überzeugt die einst mit Steuermilliarden gerettete Commerzbank mit der besten Bilanz seit Jahren.

Jahrelang war Blessing der Prügelknabe der Branche und musste sich als „Staatsbanker“ verspotten lassen — während der damalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erklärte, er würde sich „schämen“, wenn sein Institut Staatshilfe annehmen müsste. Blessing blieb kurz nach seinem Amtsantritt keine andere Wahl, als den Gang nach Canossa anzutreten und den Staat auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 um Rettungsmilliarden zu bitten.

Zuvor hatte die Commerzbank die kriselnde Dresdner Bank gekauft. Bis heute hält Blessing das nicht für einen Fehler: „Strategisch die richtige Entscheidung, das Timing war halt schlecht.“ Die folgenden Jahre hätten dann einer „Achterbahnfahrt“ geglichen.

Im Frühjahr 2011 schien das Schlimmste vorbei, die Commerzbank zahlte den Löwenteil der Staatshilfe zurück. Doch Euro- Schuldenkrise und Griechenland-Drama warfen den Dax-Konzern zurück. Die Bank war gezwungen, Milliarden auf griechische Staatsanleihen abzuschreiben. Immer strengere Vorgaben der Aufseher setzten dem Institut zudem zu. Mit Investitionen ins Privatkundengeschäft und einem radikalen Abbau von Altlasten gelang es Blessing, das Ruder herumzureißen.

„Der Weg stimmt“, bilanziert der Konzernchef bei seiner letzten Zahlenvorlage. Die Bank sei heute deutlich stabiler als vor der Finanzkrise. Auch von den jüngsten Turbulenzen an den Kapitalmärkten lässt sich Blessing nicht beirren: „Das Gefühl ist schlechter als die Lage. Befürchtungen, es sei wieder wie 2008, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, das halte ich für falsch.“

Die Kurse an den Aktienmärkten rauschten in den vergangenen Wochen nahezu ungebremst in die Tiefe. Einige Beobachter fühlen sich bereits an die Weltfinanzkrise 2008 erinnert. Bankaktien gehörten zu den größten Verlierern. Die Deutsche Bank sah sich sogar genötigt, öffentlich ihre Zahlungsfähigkeit zu betonen.

Blessing, dessen Vertrag Ende Oktober ausläuft, ist überzeugt, dass er sein Haus in gutem Zustand übergibt. „So wie ich mich heute fühle, so fühlt sich wahrscheinlich ein Trainer, der sich nach vielen Jahren von seiner Mannschaft verabschiedet“, sagt der 52-Jährige. Dennoch bleibt noch viel zu tun: Die Kosten gelten weiterhin als zu hoch und bei der Rendite wird die Bank ihren Ansprüchen noch nicht gerecht. Blessing selbst räumt ein: „Es ist nicht so, dass hier jetzt das Ende der Arbeit ausgebrochen ist.“

Zumindest am Freitag hat Blessing alles richtig gemacht: Der Aktienkurs legte an der Dax-Spitze zweistellig zu. Im Schlepptau erholt sich auch der Kurs der Deutschen Bank.

Jörn Bender und Erik Nebel

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