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Führerloser Zug: Würden Sie einsteigen?

Lübeck Führerloser Zug: Würden Sie einsteigen?

Autonom fahrende Loks könnten laut Bahn schon in fünf Jahren unterwegs sein – Kunden haben Bedenken.

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Judith Plauen und Christopher Nimra (beide 22) hätten mit einer Lok ohne Lokführer kein Problem.

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Lübeck. Die Türen des ICE nach München öffnen sich, und die Reisenden auf dem Bahnsteig steigen ein. Wie immer. Was aber, wenn es ein Zug ohne Lokführer wäre? Nicht wenigen jagt die Vorstellung kalte Schauer über den Rücken. Die LN sprachen gestern mit Fahrgästen auf dem Lübecker Hauptbahnhof darüber.

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Autonom fahrende Loks könnten laut Bahn schon in fünf Jahren unterwegs sein – Kunden haben Bedenken.

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„Ich vertraue diesen technischen Dingen nicht so weit“, sagt Jörg Bathke (52), der von einem Lehrgang in Scharbeutz zurück in seinen Wohnort Köln möchte und dort täglich 80 Kilometer zu seinem Arbeitsplatz pendelt. „Das braucht eine lange Erprobungsphase, mindestens noch zehn Jahre.“

„Vor 2030 gehe ich nicht davon aus, dass das Realität wird“, glaubt auch Maria M. (56), Büroangestellte aus Hamburg. Selbst wenn führerlose Züge schon an Flughäfen oder als U-Bahnen eingesetzt würden: „Was ist, wenn einer was auf die Gleise schmeißt? Das kann eine führerlose Lok nicht sehen.“

„Ich hätte Angst, dass ein Fehler in der Technik auftritt und niemand eingreifen kann“, meint Claudia Scherge (43) aus Clausthal-Zellerfeld. „Wenn es sich vermeiden lässt, fahre ich in so einem Zug nicht mit.“

Ulrike Harder (54), Angestellte aus Pansdorf, zuckt die Achseln. „Ich müsste ja so oder so einsteigen“, sagt sie. „Ich bin darauf angewiesen, ich pendle regelmäßig zur Arbeit.“ Die meisten Fehler, die zu Bahnunglücken führten, seien zwar von Menschen gemacht worden, überlegt sie. „Trotzdem ist für mich die Frage: Inwieweit vertraut man der Elektronik?“ In jedem Fall sei eine Lok ohne Lokführer Zukunftsmusik. „Als ich das heute Morgen zum ersten Mal gehört habe, musste ich lachen.“

„Es geht ja auch um die Arbeitsplätze“, wirft René Wandrey (20) ein. „Da müsste man eine sozialverträgliche Lösung finden.“ Der Elektriker aus Eutin hat dagegen Vertrauen in die Technik. „Solange die Lok in Deutschland hergestellt ist von deutschen Handwerkern.“

Judith Plauen (22), Studentin aus Stuttgart, hat ebenfalls keine Bedenken, was die technische Umsetzbarkeit angeht. „Wenn es in der U-Bahn geht, warum dann nicht auch bei der Deutschen Bahn?“ Sie hätte keine Angst, sich in einen computergesteuerten Zug zu setzen, sagt sie. „Bei Autos ist das ja noch viel komplexer, und da arbeiten sie schließlich auch schon dran.“

Ihr Freund Christopher Nimra (22) aus München ist der gleichen Ansicht. „Technisch sind wir eigentlich schon heute so weit“, stellt er fest. Die beiden wissen, wovon sie sprechen: Mit Judith Plauen gemeinsam studiert er Luft- und Raumfahrttechnik.

Sobald nach einer angemessen langen Erprobungsphase die Sicherheit des neuen Systems erwiesen sei, würde Nina Andraschko (53), Klassenlehrerin an der Gesamtschule Bad Bevensen, sich auch mit ihren Schülern in einen Zug ohne Lokführer setzen. „In ein fahrerloses Auto aber nicht.“ Derzeit ist sie mit einer achten Klasse auf Klassenreise. „Ich glaube, die Computer können das heute steuern“, bemerkt ihr Schüler Duncan (14).

„Ich würde nicht einsteigen und mit Kind schon gar nicht“, wehrt Anna Möhnke (28) ab und wirft einen Blick auf ihren Sohn Jason (2), der im Kinderwagen sitzt. „Sein Großvater ist Lokführer und daher weiß ich, dass es schon mit Fahrer gefährlich genug ist. “

Marlen Buttkewitz (26), Steuerfachangestellte aus Grevesmühlen, stört der Verlust von Arbeitsplätzen und es sei auch kein gutes Gefühl, da Maschinen ebenso wie Menschen versagen könnten. Am meisten aber befremdet sie noch etwas anderes: „Ich muss jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit fahren. Es wird ja immer unpersönlicher, wenn man gar nicht mehr auf Menschen trifft und man immer abhängiger von Maschinen wird. Das ist doch traurig.“

Lille hat das längste Automatik-Netz Europas

Weltweit gibt es immer mehr automatisierten Schienenverkehr, vor allem bei U-Bahnen. Fast ein Viertel von ihnen haben zumindest eine automatisch betriebene Linie – die meisten davon in Europa und Asien.

Frankreich liegt beim autonomen Schienenverkehr weltweit an der Spitze. Es folgen Südkorea und die Vereinigten Arabischen Emirate. Mit 80 Kilometern hat Dubai das längste automatische Schienennetz der Welt. In Europa liegt die französische Stadt Lille mit 44 Kilometern vorn.

Im Osten von London sind seit 1987 die Züge der Docklands Light Railway unterwegs. Sie befördern 117 Millionen Fahrgäste jährlich. Am Frankfurter Flughafen ging 1994 die fahrerlose SkyLine-Bahn in Betrieb. Im Juni 2008 startete in Nürnberg Deutschlands erste fahrerlose U-Bahn.

Marcus Stöcklin

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