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Wirtschaft im Norden „Fünf ist Trümpf“: Vor 20 Jahren gab‘s die neuen Postleitzahlen
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden „Fünf ist Trümpf“: Vor 20 Jahren gab‘s die neuen Postleitzahlen
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20:10 29.06.2013
Bonn

Alte PLZ adé! Es war eine gewagte Reform, die die Bundespost vor 20 Jahren durchsetzte. Im wiedervereinigten Deutschland sollten zum 1. Juli 1993 fünfstellige Postleitzahlen eingeführt werden. Und es kam, was kommen musste: Der erzwungene Verzicht auf liebgewonnene Gewohnheiten entfachte einen Sturm der Entrüstung. Rolf, die überdimensionale Werbefigur aus fünf Fingern, war schwer beschäftigt: „Hipp, hipp, das ist modern“, rappte er in den Medien: „Fünf ist Trümpf“!

Doch die Skepsis blieb groß, eine Nation stand Kopf. „Wie nur soll ich mir meine neue Postleitzahl merken?“, fragten sich viele Leute in den Wochen und Monaten vor der Einführung. Von Amtswillkür war die Rede und von „Postleidzahlen“. Für die Städte Lübeck und Kiel führte das neue System zu einer kompletten Umstellung: Lübeck, das bis dahin die Postleitzahl 24 hatte, bekam die 23 als erste Ziffern, Kiel, vorher 23, bekam die 24.

„Das Wort Chaos hat fünf Stellen“, schrieb damals die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, und der Boulevard titelte: „Keiner blickt da durch“. Das Postleitzahlenbuch mit 26 500 Ziffern sollte helfen, sich im Zahlendschungel zurecht zu finden. Der gelbe Schinken wurde 40 Millionen Haushalten kostenlos zur Verfügung gestellt.

Ziel der Reform war die Erleichterung der Postzustellung in West und Ost. Denn die war im Zuge der Wiedervereinigung völlig ineffizient geworden. In Nachbarländern gab es längst fünf- oder gar sechsstellige Postleitzahlen, warum nicht auch hier? Die Wiedervereinigung bot der Post den willkommenen Anlass: Gut 800 Orte in West und Ost hatten die gleichen Ziffern — etwa Bonn und Weimar, aber auch Kiel und Stralsund, Hannover und Magdeburg oder Mainz und Gera. Zur Unterscheidung musste damals ein W beziehungsweise ein O vorangestellt werden.

Das fünfstellige System, so hofften seine Erfinder, schuf nun Klarheit: Die ersten beiden Ziffern der neuen PLZ stehen für die genaue geografische Zuordnung. Die drei folgenden Zahlen zeigen an, wo der Empfänger wohnt, ob es sich um einen Großkunden oder ein Postfach handelt. Zu den neun Postleitzonen — das ist die erste Ziffer der Postleitzahl — kam mit der 0 eine zehnte hinzu. Diese und die 1 wurden zum Großteil für den Osten reserviert. Klaus Zumwinkel, der damalige Vorstandsvorsitzende der Post, hielt Kritikern entgegen: „Das neue System wird für die Kunden einfacher, übersichtlicher und verwechselungssicher, der Postbetrieb wird zuverlässiger, rationeller und schneller“. Tatsächlich werden die Postleitzahlen heute wie selbstverständlich hingenommen.

Kurze Bearbeitungszeit
28 684 Postleitzahlen sind heute in Deutschland nach Angaben der Post vergeben, gut 8000 für Orte, 16 500 für Postfächer und 3100 für Großkunden. Die neue Systematik und die hohe Automation habe dazu geführt, dass Briefe, Postkarten und Werbesendungen in kürzester Zeit bearbeitet werden, erklärt das Unternehmen die Neuerung.

LN

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