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Wirtschaft im Norden Für Fluggäste wird es teurer
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20:51 14.11.2017
Durch die Pleite von Air Berlin heben weniger Maschinen ab. Die Flüge sind teurer und schneller ausgebucht. Quelle: Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Frankfurt am Main

Der von Airline-Großkunden getragene VDR stützt damit Berechnungen des Internet-Portals „Mydealz“, über die das „Handelsblatt“ berichtet hatte. Demnach sind nach der Aufgabe des Linienverkehrs der Air Berlin auf Kurzstrecken die Preise zwischen 26 Prozent an Werktagen und knapp 39 Prozent an Wochenenden gestiegen – was natürlich auch Privatkunden trifft.

Experten hatten den Anstieg erwartet, weil nun auf vielen Strecken insbesondere aus Berlin und Düsseldorf ein wichtiger Wettbewerber fehlt. Vor allem auf den innerdeutschen Verbindungen ist die Lufthansa derzeit weitgehend allein unterwegs und kann die Nachfrage trotz des vereinzelten Einsatzes von Großraumflugzeugen wie der Boeing 747 kaum abdecken. Auf der Mittelstrecke sieht es etwas besser aus, weil hier auch Billigflieger und die jeweiligen nationalen Fluggesellschaften der Zielländer im Rennen sind.

Die höheren Preise im Lufthansa-Konzern seien allein durch die gestiegene Nachfrage entstanden, die ihrerseits auf das verkleinerte Angebot zurückzuführen sei, erklärt das Unternehmen. „Wir haben unsere Preisstruktur nicht verändert“, betont eine Sprecherin.

Aber: Die Jets sind derzeit viel schneller ausgebucht, das nahezu vollautomatische Buchungssystem reizt die insgesamt 26 Preisklassen zügig aus und bittet die Kunden entsprechend zur Kasse. Schon im Oktober, als viele Passagiere bereits die dann am 27. Oktober abgewickelte Air Berlin gemieden haben, kletterte die Auslastung im Lufthansa-Konzern auf Rekordwerte. Die Preisbildung funktioniert wie bei nahezu allen Airlines: Ist der Flugtermin weit entfernt und sind erst wenige Plätze verkauft, werden die Tickets günstig angeboten. Die letzten Plätze kurz vor Abflug werden hingegen nur noch zu Höchstpreisen abgegeben.

Immer häufiger zeigen die Systeme der Lufthansa und ihrer Tochter Eurowings speziell für Inlandsflüge zu günstigen Tageszeiten nur noch den Status „ausverkauft“ an. „Es leiden insbesondere die Unternehmen, die auf Flugverbindungen von dezentralen Airports abseits der großen Hubs angewiesen sind. Deren Situation hat sich in Bezug auf Ticket-Verfügbarkeit, Frequenz und Preis dramatisch verschlechtert“, klagt VDR-Präsidiumsmitglied Christoph Carnier.

Seit gut zwei Wochen sind deutlich weniger Flieger am Himmel als vor der Air-Berlin-Pleite. Rund 80 der 140 rot-weißen Flugzeuge stehen am Boden, laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr fehlen jeden Tag rund 60 000 Sitzplätze. Weitere Abhilfe sei erst nach einer positiven Kartell-Entscheidung der EU-Kommission zu erwarten.

1000 zusätzliche Flüge pro Monat soll dann allein die Tochter Eurowings anbieten, sofern sie denn bis dahin ausreichend Crews angeworben hat. Mit einer Entscheidung aus Brüssel noch in diesem Jahr wird es allerdings nur etwas, wenn die Kommission auf eine vertiefte Prüfung des Air-Berlin-Deals verzichtet.

Eurowings und Easyjet als Lufthansa-Konkurrenten

Eurowings will nach der Air-Berlin-Pleite ihrer Mutter Lufthansa auf einigen Strecken direkte Konkurrenz machen. 2018 sollen unter anderem die Strecken BerlinFrankfurt, BerlinMünchen und DüsseldorfMünchen neu angeboten werden, kündigte gestern ein Sprecher an.

Auf diesen Verbindungen ist nach dem Ende der Air Berlin derzeit die Lufthansa allein unterwegs. Ob es dabei zu einem Preiskampf kommt, ist Kartellrechtlern zufolge fraglich, weil beide Gesellschaften demselben Konzern angehören.

Zusätzlich wird erwartet, dass die britische Easyjet mit ihren von Air Berlin übernommenen Flugzeugen ab dem kommenden Jahr ebenfalls innerdeutsche Verbindungen fliegen wird.

Eurowings will zudem ab Düsseldorf neu auch Stuttgart, Bologna, Florenz, Kopenhagen und Sylt anbieten. In Zürich begibt man sich zudem in direkte Konkurrenz zur Konzern-Schwester Swiss mit einem Flugangebot nach Mallorca. Auf dieser Verbindung sind auch die spanischen Gesellschaften Vueling und Iberia unterwegs.

Christian Ebner

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