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Wirtschaft im Norden Gästerekord an der Küste, Rückgang im Binnenland
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15:55 04.09.2017
Strandkörbe und Badegäste genießen am 14.07.2017 in Heiligenhafen (Schleswig-Holstein) am Strand die Sonne. Quelle: Christophe Gateau/dpa
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Kiel/Lübeck

Das nördlichste Bundesland war beliebt wie nie zuvor und steuert auf eine neue Rekordmarke von fast 30 Millionen Gäste-Übernachtungen zu. Es bleiben zwei Wermutstropfen: Die Zahl der Tagesgäste an der Küste war angesichts des Zick-Zack-Sommers überschaubar, an Zielen im Binnenland ging der Boom weitgehend vorbei.

Schleswig-Holstein präsentiere sich selbstbewusst als lohnendes Urlaubsziel, seine Fan-Gemeinde wachse, heißt es bei der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash). An der Küste lag die Bettenauslastung im Juli und August bei traumhaften 90 Prozent – und darüber. „Gemessen an diesen Meldungen können wir davon ausgehen, dass wir dank der Hauptsaison wieder ein enorm hohes Niveau erreichen“, bilanziert Tash-Geschäftsführer Frank Behrens.

Den Vogel schießt dabei Heiligenhafen ab. Aufgrund zusätzlicher Bettenkapazitäten bewegt sich das Plus an Übernachtungen auf 25 Prozent zu. Am Jahresende dürften nach Einschätzung von Tourismuschef Manfred Wohnrade 150 000 Übernachtungen mehr zu Buche stehen als der Ort 2016 verzeichnete. Besonders die Zahl junger Gäste sei stark gestiegen.

Timmendorfer Strand und Grömitz melden kein exorbitantes Plus, nachdem schon das Vorjahr boomte. „Wir sind mit dem Ergebnis aber sehr zufrieden“, betont Timmendorfs Tourismusdirektor Joachim Nitz. Besonders die Hotellerie sei Nutznießer der Saison. Für Lübeck und Travemünde sagt Tourismuschef Christian Martin Lukas: „Trotz des durchwachsenen Sommers erwarten wir ein leichtes Plus, wobei insbesondere unser Seebad gepunktet hat.“

Spürbar weniger Gäste als im Vorjahreszeitraum kamen in die Holsteinische Schweiz. Experten machen dafür eine veraltete Vermieterstruktur und mangelndes Engagement in Renovierungen verantwortlich. Das Binnenland bleibt ein Sorgenkind. „Darum setzen wir auch verstärkt auf den Ausbau des Binnenland-Tourismus“, sagt Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP), der da Luft nach oben sieht. Vor allem beim Naturtourismus bestünden große Potenziale, die es zu heben gilt. Es gibt aber auch positive Ausnahmen im Hinterland der Küste. So freuen sich beispielsweise Bad Schwartau, Bad Oldesloe und Ratzeburg über ein schönes Gäste-Plus.

Wenig Freude am Sommer hatten alle Betriebe, die auf anhaltend gutes Wetter angewiesen sind: Eisdielen- und Imbissbesitzer, Gastwirte mit Außengastronomie, allen voran die Strandkorbvermieter. Deren Landesvorsitzender Norbert Babies sagt, viele seiner Kollegen seien enttäuscht. Das Tagesgeschäft sei mies gewesen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes war Schleswig-Holstein in diesem Sommer mit einer Durchschnittstemperatur von 16,5 Grad das kühlste aller 16 Bundesländer.

Von Curd Tönnemann

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