Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Norden Gegenwind für Nord Stream 2
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Gegenwind für Nord Stream 2
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:30 29.12.2017
Auf der Insel Rügen lagern die Rohre für die geplante Pipeline Nord Stream 2. Quelle: Fotos: Reinhardt, Büttner/dpa
Berlin

Bereits die erste Pipeline „Nord Stream“ durch die Ostsee war hochpolitisch und hochumstritten. Mit tatkräftiger Vermittlung durch Altkanzler Gerhard Schröder, mittlerweile Präsident des Verwaltungsrates der Nord Stream 2 AG, wurde 2011 eine Gasleitung vom russischen Wyborg über 1224 Kilometer bis ins vorpommersche Lubmin in der Nähe von Greifswald auf den Grund der Ostsee verlegt. Über die rund 7,4 Milliarden Euro teure Pipeline können pro Jahr 55 Milliarden Kubikmeter Gas geliefert werden.

Nun soll für rund 9,5 Milliarden Euro eine weitere Pipeline gebaut werden – Nord Stream 2. Doch was von der Bundesregierung befördert wird, steht bei den ost- und nordeuropäischen Nachbarn unter heftiger Kritik. Polen, die Ukraine oder die baltischen Staaten sowie die Slowakei machen sicherheitspolitische und ökonomische Bedenken gegen das Milliarden-Projekt geltend. Der russische Staatskonzern Gazprom könnte noch mehr die Preise diktieren und Gas als politisches Druckmittel einsetzen. Sollte Gazprom kein Gas mehr über die Pipeline durch die Ukraine nach Westeuropa liefern, entgingen dem russischen Nachbarland Durchleitungsgebühren von rund 1,5 Milliarden Euro im Jahr, hieß es in Kiew.

Auch die EU-Kommission betrachtet die neuen Pipeline-Pläne skeptisch. Massive Vorbehalte gibt es zudem von Ostsee-Anrainern im Norden wie Finnland, Schweden und Dänemark, die den Pipeline-Plänen zustimmen müssen, weil die Leitung in deren sogenannter Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ – 200 Seemeilen entlang der Küste) verlaufen wird. Auch in Deutschland gibt es Gegenwind für die Gasleitung. Die Grünen-Bundestagabgeordnete Claudia Müller sagte den LN: „Das Vorhaben Nord Stream 2 ist nicht nur aus umweltpolitischer Sicht abzulehnen. Das Projekt erhöht auch die Anhängigkeit von russischen Gastransporten.“

Müller hält Nord Stream 2 für „ein politisches Projekt“. Dass Berlin einerseits wegen der Ukraine-Krise die Sanktionen der EU gegen Moskau mittrage, aber andererseits immer mehr auf russisches Erdgas setze, sei nicht nachvollziehbar.

Dabei ist Nord Stream 2, zu dem als Partner auch die deutschen Firmen Wintershall sowie Uniper (früher Eon) sowie die Unternehmen OMV, Shell und Engie gehören, in Berlin bestens vernetzt. Auf Anfrage der Linksfraktion räumte das Kanzleramt ein, dass sich Angela Merkel dreimal zum Abendessen mit Gas-Managern getroffen habe. Auch der frühere Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte sich für die Pipeline eingesetzt. Lorenz Beutin (Linke) kritisiert: „Der direkte Zugang der Nord-Stream-Führung zur deutschen Staatsspitze ist ein Lehrstück für die Verfilzung von Privatwirtschaft und Politik.“ Dagegen erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert auf Anfrage der LN, bei dem Pipeline-Projekt handele es sich „um eine unternehmerische Entscheidung“.

Der Umweltexperte Kim Detloff vom Naturschutzbund Deutschland moniert, dass die geplante Trasse gleich fünf Meeresschutzgebiete schneide. Der Nabu und andere Verbände wollen gegen das Projekt klagen.

Reinhard Zweigler

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Trotz Insolvenz soll der Betrieb in den 40 Einrichtungen weitergehen.

29.12.2017

Mit einem düsteren Ausblick startet die Windenergiebranche in Schleswig-Holstein ins neue Jahr. Die Politik treibe die Branche in den Ruin, und hochqualifizierte Arbeitnehmer würden gezwungen, sich woanders in Deutschland Arbeitsplätze zu suchen, sagte Reinhard Christiansen, Landesvorsitzender des Bundesverbandes Windenergie.

30.12.2017

Der Hype um das virtuelle Zahlungsmittel ist gewaltig – Experten warnen vor den Gefahren.

28.12.2017