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Generation „Kopf unten“ lebt gefährlich

Stuttgart Generation „Kopf unten“ lebt gefährlich

Dekra-Unfallforscher: „Smombies“ werden zum Verkehrsrisiko — Sie schauen nicht auf die Straßen, sondern nur auf den Bildschirm.

Stuttgart. . Ein junges Mädchen bleibt mitten auf der Straße stehen, holt sein Handy raus, beginnt zu tippen. Erst als ein Busfahrer hupt, wird ihm klar, wo es steht. Beobachtungen wie diese sind in Europas Großstädten keine Seltenheit, wie es in einer Studie der Dekra-Unfallforschung heißt. Jeder sechste Fußgänger ist demnach irgendwie mit seinem Handy beschäftigt. Schnell noch Mails checken, Facebook füttern, Nachrichten bei WhatsApp schreiben — die Smartphone-Generation „Kopf unten“ ist nicht nur am Steuer, sondern auch zu Fuß eine Gefahr im Straßenverkehr.

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Dekra-Unfallforscher: „Smombies“ werden zum Verkehrsrisiko — Sie schauen nicht auf die Straßen, sondern nur auf den Bildschirm.

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„Viele Fußgänger unterschätzen offenbar

die Gefahren, denen

sie sich aussetzen.“ Clemens Klinke, Dekra

Das Problem: Als „Smombie“ wird der Fußgänger für Autofahrer, Radfahrer und andere unberechenbar. Das Jugendwort „Smombie“ — eine Kombination aus Smartphone und Zombie — beschreibt Menschen, die von der Umwelt nichts mitbekommen, weil sie ständig auf ihr Telefon starren.

Ein Blick aufs Handy und rasch noch rüber über die Straße: Fast 14000 Fußgänger wurden für die gestern veröffentlichte Studie beobachtet. Von denen, die mit den Gedanken wohl nicht auf der Straße, sondern am Handy waren, tippten die meisten einen Text ein, telefonierten oder taten sogar beides gleichzeitig. Andere trugen Ohrstöpsel oder Kopfhörer, was darauf schließen lässt, dass sie vor allem Musik hörten — und nicht den Straßenverkehr. „Telefonieren, Musikhören, die Nutzung von Apps oder auch das Tippen von Textnachrichten sorgen im Straßenverkehr für riskante Ablenkung“, sagt Clemens Klinke vom Dekra-Vorstand.

Verboten ist das Ganze nicht. Während „Smombies“ als Autofahrer mit einem Bußgeld von 60 Euro und einem Punkt in der Flensburger Verkehrssünderdatei rechnen müssen, werden sie als Fußgänger nicht bestraft. Im Landesverkehrsministerium in Stuttgart hält man von einer Bestrafung von Fußgängern auch nichts: Die Vollstreckung sei schwierig. „Wir setzen auf Aufklärung, Vernunft und Freiwilligkeit.“

Der Blick nach unten ist ein globales Problem: Mit einem Augenzwinkern soll eine Universität in den USA eine „Text Lane“ (Textspur) eingerichtet haben, auf der Studenten mit Smartphone laufen sollen.

Auch in China wurden schon Gehwege für Smartphone- Jünger gesehen und in Antwerpen gibt es ebenfalls eine eigene Spur für Handy-Nutzer.

Jüngere Fußgänger nutzen die Smartphones der Studie zufolge häufiger als ältere. Mit mehr als 22 Prozent war die intensivste Nutzung in der Altersgruppe zwischen 25 und 35 Jahren zu beobachten. Laut Dekra sind 22 Prozent aller Verkehrstoten in der EU Fußgänger. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wird jeder zehnte Todesfall auf deutschen Straßen durch falsches Verhalten von Fußgängern verursacht.

Nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom besitzen sechs von zehn Bundesbürgern ein Smartphone — das sind 44 Millionen Deutsche. Falls diese sich als Fußgänger von der Technik ablenken lassen und einen Unfall verursachen, ist zumindest die Haftungsfrage eindeutig geklärt: „Bei Fußgängern tritt die Privathaftpflicht ein“, sagt Allianz-Sprecher Christian Weishuber in München.

Der Autoclub ACE verweist auf eine Studie, nach der Jugendliche alle siebeneinhalb Minuten auf ihr Smartphone schauen. Dieses Verhalten sei im Alltag antrainiert und lasse sich nicht einfach abstellen.

Eine Statistik über Smartphone-Unfälle von Fußgängern gibt es nicht. Auch am Steuer geht die Landespolizei Schleswig-Holstein inzwischen von einer „relevanten Anzahl von Unfällen“ aus, die auf Ablenkung durch Smartphones zurückgehen. In der Statistik tauchen die aber häufig nur mit „ungeklärter Ursache“ auf. Im Nachhinein eine Ablenkung durch Handys zu beweisen, sei oft kaum möglich.

LN

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