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Gericht arbeitet Beluga-Pleite auf

Bremen Gericht arbeitet Beluga-Pleite auf

Schwere Vorwürfe gegen Ex-Reeder Niels Stolberg — Angeklagter will kommende Woche aussagen.

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Ex-Reeder Niels Stolberg (Mitte) steht mit seinen Anwälten Oliver Sahan (l.) und Bernd Groß in Bremen im Gerichtssaal.

Quelle: Ingo Wagner/dpa

Bremen. Mit schweren Vorwürfen gegen Ex-Reeder Niels Stolberg hat in Bremen einer der größten Wirtschaftsprozesse in der Schifffahrtsbranche begonnen. Der 55-jährige Gründer der Schwergutreederei Beluga soll laut Staatsanwaltschaft „bewusst und gewollt“ mit anderen Managern Bilanzen geschönt, Rechnungen gefälscht und Investoren hintergangen haben. Am ersten Prozesstag hatte die Staatsanwaltschaft das Wort. Die Angeklagten wollen nächste Woche aussagen.

Kommt es am Ende des Prozesses — vermutlich im kommenden Herbst — zu Schuldsprüchen, könnten möglicherweise mehrjährige Haftstrafen verhängt werden. Am ersten Prozesstag gestern verlasen zunächst die Staatsanwälte über zwei Stunden lang die insgesamt drei Anklagen aus den Jahren 2012, 2013 und 2014.

Stolbergs Anwalt, Bernd Groß, kündigte für nächsten Mittwoch eine ein- bis eineinhalbstündige Aussage seines Mandaten an. „Dabei wird sich vieles relativieren, einiges wird sich als falsch herausstellen und zu den Sachen, wo Herr Stolberg die Verantwortung zu übernehmen hat, und es sozusagen auch Vorwürfe gibt, die berechtigt sind, wird Herr Stolberg sich auch dazu bekennen“, sagte Groß.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft haben Stolberg und ein anderer Ex-Manager in 16 Fällen Banken über die Kosten von 20 neuen Schiffen getäuscht, damit die Geldinstitute höhere Kredite gewährten. Die beiden Angeklagten hätten einen gemeinsamen Tatplan gefasst, sagte Staatsanwalt Frank Passade. Dabei hätten sie eine deutlich höhere Fremdfinanzierung von der Bremer Landesbank, der Norddeutschen Landesbank, der einstigen Dresdner Bank, der Commerzbank und der HSH Nordbank erhalten.

Außerdem sollen Stolberg und zwei seiner Mitangeklagten die Umsatzerlöse und die Auftragslage des Beluga-Konzerns beim Einstieg des US-Investors Oaktree frisiert haben. Dazu dienten unter anderem fingierte Rechnungen von Scheinfirmen in Panama. Für die Finanzierung von Schiffsneubauten habe Beluga dringend Geld gebraucht, um die nötige Eigenkapitalquote erbringen zu können, sagte der zweite Staatsanwalt Ingo Rathke.

Um die wirtschaftliche Lage von Beluga besser aussehen zu lassen, hätten die Angeklagten unter anderem gefälschte Rechnungen und Aufträge vorgelegt sowie Zahlungen als Scheinumsätze verbucht.

Stolberg habe in allen Fällen in der Absicht gehandelt, seiner Reederei Einnahmen zu verschaffen, sagte Rathke. Der Oaktree-Tochter OMC Finance sei dadurch ein Vermögensverlust von 5,4 Millionen Euro entstanden.

Chronologie eines Untergangs
Beluga gehörte einst zu den Weltmarktführern im Schwerguttransport mit mehr als 2000 Mitarbeitern, über 70 Schiffen und vollen Auftragsbüchern. Doch mit der Finanzkrise begann der Absturz der Reederei, der 2011 in der Insolvenz endete.
Dezember 1995: Niels Stolberg und ein Partner gründen die Reederei Beluga Shipping GmbH 1998: In-Dienst-Stellung des erstes eigenen Schiffes „Beluga Performa“
Sommer 2010: Der US-Hedgefonds Oaktree Capital Management übernimmt ein Drittel der Anteile, später 49,5 Prozent, im Gegenzug stellt Oaktree laut Stolberg ein Darlehen von 130 Millionen Euro zur Verfügung 2010/2011: Die Beluga-Flotte zählt insgesamt 72 Schiffe und über 2000 Mitarbeiter auf See und an Land, der Umsatz beträgt 500 Millionen Euro 1. März 2011: Oaktree erhebt Betrugsvorwürfe gegen Stolberg, dieser muss als Geschäftsführer zurücktreten 2. März 2011: Stolberg legt mit sofortiger Wirkung seinen Aufsichtsratssitz bei Werder Bremen nieder 16. März 2011: Als erste Beluga-Sparte meldet die Tochter „Chartering“ Insolvenz an, es folgen weitere Insolvenzen von Unternehmen der weit verzweigten Gruppe 4. April 2011: Stolberg meldet Privatinsolvenz an 23. Mai 2011: Insolvenzverwalter Edgar Grönda verkündet das endgültige Aus für Beluga 27. Dezember 2012: Erste Anklageschrift: Vorwurf des gemeinschaftlichen Kreditbetruges in 16 Fällen 20. Januar 2016: Prozessauftakt vor dem Landgericht Bremen

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