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German-Pellets-Gläubiger ernüchtert: Leere Stühle und wenig Hoffnung

Schwerin/Wismar German-Pellets-Gläubiger ernüchtert: Leere Stühle und wenig Hoffnung

Von knapp 1000 Stühlen sind bei der ersten Gläubigerversammlung der insolventen German Pellets kaum 50 besetzt. Die Anleger haben ihr Geld offenbar abgeschrieben. Sie wollen nicht noch mehr investieren - und sei es nur das Fahrgeld nach Schwerin.

Nur wenige Anleger sitzen am 05.07.2016 zum Auftakt einer Reihe von vier Gläubigerversammlungen des insolventen Brennstoffherstellers German Pellets (Wismar) in der Sport- und Kongresshalle in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern).

Quelle: Jens Büttner/dpa

Schwerin/Wismar.  Während zu Konzerten mit Roland Kaiser oder Andrea Berg Tausende in die Schweriner Kongresshalle strömen, hat die Gläubigerversammlung des insolventen Brennstoffherstellers German Pellets die Anleger kalt gelassen. Keine 50 Gläubiger oder Anwälte sind der Einladung des Insolvenzgerichts Schwerin am Dienstag zur Gläubigerversammlung gefolgt. Knapp 1000 Stühle waren aufgestellt worden. Weitere Versammlungen für drei weitere Anlagekategorien folgen bis Freitag.

Wie Amtsgerichtsdirektorin Monika Köster-Flachsmeyer sagt, war völlig unklar, wie viele Betroffene kommen würden. Auf jeden Fall hatte man mehr erwartet, als in einen Gerichtssaal passen. Von etwa 17 000 Anlegern in dem komplizierten Unternehmenskonstrukt German Pellets ist die Rede, genaue Zahlen sind nicht bekannt. Rund 280 Millionen Euro sollen sie angelegt haben, hohe Renditen waren versprochen. 

Die Gläubiger oder deren Anwälte kommen aus Berlin, Bonn oder Baden-Württemberg. „Wir haben ziemlich viel Geld angelegt“, sagt Andrew Murphy von der Nachhaltigen Vermögensverwaltung Murphy und Spitz in Bonn. Er hofft, wenigstens einen Teil davon wiederzusehen. „Fünf bis zehn Prozent vielleicht“, meint er. Auch andere äußern keine wirkliche Hoffnung darauf, viel Geld zurückzubekommen.

Der Sprecher der Insolvenzverwalterin, Wolfgang Weber-Thedy, vermutet, die Kleinanleger hätten nach dem Insolvenzantrag im Februar ihr Geld abgeschrieben. Sie wollten nicht noch hunderte Euro für Reise und Übernachtung ausgeben. Verwalterin Bettina Schmudde ergänzt: „Die Gläubiger sind gefasst. Sie haben selbst schon die Idee entwickelt, dass es nicht gut aussieht.“

„Ich gehe davon aus, dass die 5000 Euro weg sind“, sagt ein Mann aus Bad Kleinen bei Schwerin, der seinen Namen nicht nennen will. Er gibt sich selbst eine Mitschuld an dem Verlust, schließlich sei er als ehemaliger Angestellter eines Steuerbüros fast ein Halbprofi, wie er sagt. Er habe sich verleiten lassen. „Ich hatte Dollarzeichen in den Augen“, gibt der 77-Jährige zu. „Dabei hätten bei einer Anleihe mit fast acht Prozent Zinsen eigentlich alle Glocken klingeln müssen.“

Allerdings habe er auch Zinsen bekommen, so dass der Verlust letztlich geringer ausfalle. Ihn werde das nicht umwerfen, sagt der studierte Landwirt. Aber es gebe Leute, die einen Großteil ihres Vermögens in dem Unternehmen angelegt hätten.  

Gegen Mitarbeiter der Geschäftsleitung ermittelt die Staatsanwaltschaft Rostock. Insolvenzverwalterin Schmudde zufolge haftet Geschäftsführer Peter H. Leibold mit seinem Vermögen, wenn ihm Insolvenzverschleppung nachgewiesen werden würde. Außerdem werde dazu ermittelt, warum er Darlehen ungesichert an Drittunternehmen herausgegeben hat - die zu seinem Unternehmensverbund gehörten.  

Schmudde ist froh darüber, dass die Situation für die Arbeitnehmer in den deutschen Werken von German Pellet besser aussieht als die der Gläubiger. Knapp fünf Monate nach dem Insolvenzantrag und zwei Monate nach dem Verkauf von drei deutschen Werken am Stammsitz Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) sowie in Ettenheim und Herbrechtingen (Baden- Württemberg) werde wieder produziert. Das Interesse an den Betrieben sei groß gewesen. Die Idee von Holzpellets sei gut, sie entspreche dem ökologischen Gedanken und dem Zeitgeist, meint Schmudde.

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