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Wirtschaft im Norden German Pellets: Teure Flüge mit dem Privatjet
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden German Pellets: Teure Flüge mit dem Privatjet
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10:56 01.03.2016
Der Firmensitz von German Pellets in Wismar (Mecklenburg-Vorpommern), aufgenommen am 09.02.2016. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa

Selbst die kurze Strecke von Lübeck nach Leipzig soll er in der Luft zurückgelegt haben. Geschätzte Kosten: 3000 Euro pro Flugstunde. Allein in der vergangenen Woche seien so 25000 Euro Kosten entstanden, berichtet das „Handelsblatt“. Und das, während seine Mitarbeiter im März das letzte sichere Gehalt als Insolvenzgeld erhalten.

Laut dem Bericht flog Leibold unter anderem ins belgische Maastricht. Im nahen Langerlo hatte German Pellets erst im Januar ein Kohlekraftwerk gekauft, um es auf die Verbrennung von Holzpellets umzurüsten. Bei seinem Besuch soll Leibold jetzt Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe angekündigt haben — und das, obwohl German Pellets und die mit dem Unternehmen verbundenen Betriebe Verbindlichkeiten von fast 500 Millionen Euro angehäuft haben.

Leibolds Vielfliegerei wollte der Sprecher der vorläufigen Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde nicht kommentieren. Die Firma, die das Flugzeug vom Typ „Beech B 200 Super King Air“(Neupreis:

knapp fünf Millionen Euro) betreibt, gehöre nicht zur verwalteten insolventen German Pellets GmbH. Die German Pellets Wings GmbH — so der Name des Unternehmens — gehört allerdings auch Peter Leibold.

Bei den rund 150 Beschäftigten in Wismar dürfte das für weiteres Kopfschütteln sorgen. Im März erhalten sie zum dritten und letzten Mal Insolvenzgeld. Sie sitzen jetzt in einer Zwickmühle: Wenn sie dem Unternehmen treu bleiben, gibt es im April möglicherweise gar kein Geld. Wenn sie dagegen ihren Vertrag lösen, bekommen sie zwar Arbeitslosengeld, sind aber erstmal raus, falls sich für German Pellets doch noch ein Investor findet und die Produktion wieder anläuft.

Während die Mitarbeiter um ihre Existenz fürchten, soll sich ihr Chef nach Informationen des „Handelsblatts“ ein Jahresgehalt von 650000 Euro gegönnt haben. Zudem nahm er laut Halbjahresbericht von German Pellets noch 2015 einen Privatkredit über 4,5 Millionen Euro aus der Firmenkasse auf. „Entweder ging das Geld in seine private Lebensführung“, sagt Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. „Dann wäre der Tatbestand der Untreue erfüllt, sofern er keine Sicherheiten vorweisen kann.“ Oder Leibold habe das Geld in Eigenkapital für andere Beteiligungen innerhalb seiner Unternehmensgruppe umgewandelt. „Das wäre zwar nicht illegal, aber höchst ungewöhnlich“, meint Bauer.

Axel Büssem

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