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Wirtschaft im Norden Geschäftsideen aus der „Garage“
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20:43 05.01.2018
Loai Fandi und Katja Wulf arbeiten in der ehemaligen Lagerhalle, die 2016 zur „Garage“ umgebaut wurde. Quelle: Fotos: Ulf–kersten Neelsen
Lübeck

Doch die ungewöhnlichen Firmenräume dienen dem Lübecker Medizintechnik-Unternehmen seit April 2016 als Ideenschmiede. „Wir wollten einen Raum schaffen, in dem jeder einfach mal ausprobieren, lernen, umsetzen und verwerfen kann“, sagt Thomas Glöckner, Leiter des Innovationsmanagements und Chef der „Garage“. Ziel sei es, die Innovationskultur bei Dräger zu befeuern. „Es entstehen zurzeit viele kleine Start-ups, die uns gefährlich werden könnten“, sagt Glöckner. Deshalb versuche Dräger nun, eine eigene Start-up-Kultur im Unternehmen aufzubauen, um flexibler und schneller auf neue Trends und Entwicklungen reagieren zu können. „Wir haben genug Mitarbeiter, die Ideen haben.“

An der Wand hängt eine Totenkopf-Fahne, auf einem Regal liegt ein aufblasbarer Hai und am Eingang fliegen Luftballons in Sternenform herum, direkt neben einem Sofa aus Holzpaletten. Wer die sogenannte „Garage“ betritt, hat nicht das Gefühl, auf dem Werksgelände von Dräger zu sein.

Das habe eine erste Sammlung im Jahr 2016 untermauert. Damals wurden sogenannte Kickboxen an die Mitarbeiter verteilt. In den roten Schachteln fanden sie „Werkzeuge“ und Anleitungen, um aus einer Idee ein umsetzungsreifes Projekt zu machen. Die Resonanz war groß: 220 Mitarbeiter reichten Vorschläge ein, die besten 20 durften vor einer Jury präsentiert werden.

Sechs Ideen wurden zu „Start-ups“. Sie bekamen eine finanzielle Unterstützung von Dräger, um die nächsten Hürden nehmen zu können. „Drei sind schon wieder gestorben, weil ihnen das Geld ausgegangen ist“, berichtet Glöckner. Das sei aber nicht schlimm. „Unser Ziel ist es, eine Perle zu finden, die unser Geschäftsmodell voranbringen kann.“

Das könnte zum Beispiel das Projekt von zwei Chemikern werden, die ein Instrument zur Messung von Gaskonzentrationen entwickeln. Im Mai oder Juni kommenden Jahres soll ihr Produkt zur Verfügung stehen. Die Mitarbeiter, die es entwickelt haben, dürfen jeweils 70 Prozent ihrer Arbeitszeit in das „Start-up“ stecken. Auch eine Studentengruppe der Fachhochschule überzeugte schon die Chefetage von Dräger. Die Idee der jungen Leute: ausrangierte Medizingeräte, die technisch noch in Ordnung sind, in Krisengebiete verkaufen. Als Lohn erhielten sie zwei Praktikumsplätze bei Dräger. Die meisten Mitarbeiter hätten anfangs sehr kritisch auf die „Garage“ reagiert. „Aber inzwischen ist sie stark nachgefragt“, berichtet Glöckner. In den USA und China seien schon weitere „Garagen“ eröffnet worden. In Lübeck sind vier Mitarbeiter in der ehemaligen Produktions- und späteren Lagerhalle für die Kollegen da, die testen wollen, ob ihre Idee als Geschäftsmodell taugt. In der „Canvas Area“

können sie ihr Konzept weiterentwickeln. 20 Prozent der Arbeitszeit dürften dafür verwendet werden, sagt Glöckner. „Innerhalb kürzester Zeit entwickeln wir einen Businessplan.“ Zudem lernten die Mitarbeiter in der „Garage“, ihre Ideen „richtig zu verkaufen“.

Zur Präsentation vor Kunden wird zum Beispiel gerne die sogenannte Augmented Reality (erweiterte Realität) genutzt. Kunden könnten so mithilfe einer VirtualReality-Brille in einen virtuellen OP eintauchen, um „schnell einen Eindruck zu bekommen, wie ein Produkt dort zum Einsatz kommen könnte“, erklärt Glöckner. Auch gebe es in der „Garage“ regelmäßig Impulsvorträge zu Themen wie Digitalisierung, vernetztes Arbeiten oder Mut. „Es rufen inzwischen schon Firmen von außerhalb an, die bei uns einen Workshop machen wollen“, sagt er.

In der zweiten internen Runde in diesem Jahr sei nicht nur nach neuen Produktideen, sondern auch nach Vorschlägen zur Arbeitsverbesserung gefragt worden. 2018 soll die dritte Ideensammlung starten, einige Mitarbeiter fragten bereits danach. Glöckner: „Wir wollen das jedes Jahr etablieren.“

Von Janina Dietrich

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