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Wirtschaft im Norden Geschliffene Gesellenstücke
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00:00 28.10.2012
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Lübeck

Schmuck kann einfach alles sein. So zumindest sieht es Jana Nitsch. In dem kleinen Laden der Goldschmiedin liegt ein schlanker Ring aus Silber, den ein Zahnbürstenkopf anstelle eines Edelsteins schmückt. Die Auslage teilen sich unter anderem ein breiter Armreif mit eingefasstem Duplo-Stein und eine Halskette aus Kronkorken. Verbunden sind die ehemaligen Verschlüsse der Bierflaschen mit einer fein gearbeiteten Kette aus Edelmetall. „Gold und Brillies reizen mich einfach nicht so“, sagt Nitsch. „Wenn jemand in meinen Laden kommt und etwas ganz Traditionelles haben will, dann schicke ich ihn zu meinen Eltern.“ Deren Angebot kennt die 27-Jährige gut, schließlich hat sie ihre Ausbildung zur Goldschmiedin im elterlichen Betrieb absolviert. „Dort habe ich viel gelernt“, erzählt Jana Nitsch. „Aber es gab schon des öfteren Diskussionen über die ausgeflippten Schmuckstücke, die ich gerne mache.“ Mit genau so einem Stück wurde Nitsch Landessiegerin im diesjährigen Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks.

Heute wird sie zusammen mit den anderen Preisträgern vom Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums, Ralph Müller-Beck, und den Präsidenten der Handwerkskammern (HWK) Lübeck und Flensburg, Horst Kruse und Eberhard Jürgensen, geehrt. „Das ist eine große Leistung, wenn man bedenkt, dass praktisch alle Auszubildenden, die dieses Jahr ihre Gesellenprüfung ablegten, daran teilnehmen“, sagt Ulf Grünke, Pressesprecher der HWK Lübeck. Alle Auszubildenden, die besser als gut benotet wurden, kamen in die engere Auswahl. „Dann nimmt die Jury die Gesellenstücke unter die Lupe“, sagt Grünke. Dabei werde auf die Verarbeitung, die Schwierigkeit und die Kreativität geschaut.

Jana Nitsch ließ sich dafür von etwas ganz Banalem inspirieren: einer Zahl. „Ich hatte die Prüfungsnummer 007“, sagt sie und grinst. „Da musste ich einfach was mit machen.“ Heraus kam ein Armreif aus Silber mit einer verschließbaren Klappe, unter der sich ein kleines Fach befindet. Darunter wiederum liegt – ganz im Stile James Bonds – ein doppelter Boden, unter dem ein Taschenmesser versteckt ist.

Ohnehin schienen ausgefallene Gesellenstücke in diesem Jahr bei der Jury gut anzukommen. Die Autolackiererin Jasmin Zietz griff dafür auf ein Hilfsmittel zurück, das ihren männlichen Kollegen eher nicht eingefallen wäre: Für das Lackieren einer Radkappe zog sie kurzerhand eine Netzstrumpfhose über das zu lackierende Teil. „Ich wollte ein Gittermuster auf die Radkappe bekommen“, sagt die 22-Jährige, die sich bei Lühr und Knees in Lübeck ausbilden ließ. Der Betrieb konnte sie danach jedoch nicht übernehmen. Die junge Frau aus Groß Barnitz (Kreis Stormarn) fand aber schnell eine neue Stelle. Jetzt arbeitet sie bei Lack Technik in Rendsburg.

Matthis Bruß hatte mehr Glück. Der Parkettleger konnte in seinem Ausbildungsbetrieb bleiben. „Mir gefällt vor allem, dass wir dort mit den unterschiedlichsten Materialien arbeiten“, sagt der 20-Jährige aus Neutestorf (Kreis Ostholstein). Neben Parkettarbeiten verlegt das Familienunternehmen Seelaff in Oldenburg alles von PVC und Linoleum über Teppich bis hin zu Korkböden. „Holz ist mir dann aber doch am liebsten“, gibt Bruß zu. Damit überzeugte er auch die Jury. Sein Gesellenstück, eine 1,40 Meter auf 1,40 Meter große Musterplatte, fertigte er aus Eiche und Meerbau. „Das war ein Flechtverband, begrenzt von einem dreifachen Fries“, so der junge Mann. Die Juroren belohnten in diesem Jahr eben vor allem ausgefallene Gesellenstücke.

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