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Getreideernte: Pokern um die Preise

Klein Parin Getreideernte: Pokern um die Preise

Immer mehr Bauern gehen dazu über, Teile der Ernte schon durch Vorkontrakte zu Festpreisen zu verkaufen.

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In breitem Strom fließt der Weizen vom Claas-Mähdrescher auf den Überladewagen. Mit der Qualität des Getreides ist Landwirt Hans-Heinrich Barg sehr zufrieden.

Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Klein Parin. Vor der Kulisse der sieben Türme von Lübeck ziehen die zwei Mähdrescher langsam und gleichmäßig ihre Runden über das riesige, 67 Hektar große Feld am Rande von Klein Parin (Kreis Ostholstein). Der Claas Lexion 460 und der New Holland CX 880 leisten ganze Arbeit. Ein Überladewagen transportiert das Getreide mittels einer Schnecke in die Lastwagen, die es vom Feld abtransportieren. Die Weizenernte ist hier in den letzten Zügen. „Wer Rüben oder Mais anbaut, dem ist es jetzt zu trocken, aber für uns Getreidebauern ist das Wetter in diesem Jahr optimal“, sagt Landwirt Hans- Heinrich Barg (52). Gemeinsam mit einem anderen Betrieb bewirtschaftet er 650 Hektar Land rund um Klein Parin, Pohnsdorf und Sarkwitz. Raps, Weizen und Wintergerste bauen sie an, davon auf etwa 330 Hektar Weizen. „Die Erträge sind in diesem Jahr besser, als ich vermutet habe“, sagt Barg, dessen Frau Annegret den Erntehelfern zur Stärkung auf den letzten Metern gerade Kaffee und belegte Brötchen aufs Feld bringt.

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Otto Makal von der Firma Schmahl fährt einen der Mähdrescher auf dem 67 Hektar großen Weizenfeld bei Klein Parin.

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Etwa 60 Prozent der Weizenernte hat Barg bereits um die Jahreswende in sogenannten Vorkontrakten zu einem Festpreis verkauft. „In der aktuellen Lage haben sich diese Vorkontrakte ausgezahlt. Sie bringen deutlich mehr als die aktuellen Preise auf dem Weltmarkt, die stark gefallen sind“, sagt Barg.

Bernd Irps, Marktexperte der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, bestätigt das. „Wer im vergangenen Jahr Vorkontrakte für einen Preis von 22 bis 24 Euro pro Doppelzentner Weizen abgeschlossen hat, ist jetzt gut dran, denn der aktuelle Marktpreis liegt bei nur noch 17,50 Euro“, sagt er. Manche Bauern, erklärt Irps, schließen schon nach der Aussaat die ersten Vorkontrakte, andere warten ab, „und manche pokern auch bis zur Ernte und hoffen auf mehr Erlös“. Vorkontrakte schließen die Landwirte in der Regel mit den Landhandelsgesellschaften ab.

Bei Raps, erklärt Bernd Irps, gibt es schon sehr viel mehr Vorverträge als bei Weizen. 50 bis 60 Prozent der Rapsernte werde bereits vorab zum Festpreis verkauft. „Da sind die Schwankungen aber auch nicht so groß.“ Der aktuelle Rapspreis liegt bei 34 Euro pro Doppelzentner, wer Vorkontrakte abgeschlossen hat, bekomme aber 44 bis 45 Euro — gut zehn Euro mehr.

Bei Weizen seien die Landwirte vorsichtiger. Brotweizen müsse mindestens 12 Prozent Protein haben. Werde dieser Wert nicht erreicht, müssten die Landwirte Abschläge auf den vereinbarten Preis in Kauf nehmen. „Wir empfehlen, gleich im Vorkontrakt festzulegen, was abgezogen wird, wenn die Prozentzahl nicht erreicht wird“, sagt der Kammerexperte. Grundsätzlich empfehle er den Landwirten aber immer, eine Teil der Ernte durch Vorkontrakte abzusichern. „Vor allem dann, wenn der angebotene Preis deutlich über den eigenen Kosten liegt, würden wir immer empfehlen, das mitzunehmen.“ Auf diese Weise habe man schon garantierte Einnahmen, mit denen man fest planen könne.

Mit der Qualität seines Weizens ist Hans-Heinrich Barg überaus zufrieden. „Das ist beste Ware, alles Brotweizen“, sagt er. Alles, was nicht bereits vorab verkauft ist, lagert der Landwirt ein, in Silos der LEV (Landwirtschaftlicher Ein- und Verkauf) oder der Firma Weidemann Landhandel in Pönitz und Ahrensbök (Kreis Ostholstein). Wenn er das Getreide eingelagert hat, kann er je nach Entwicklung der Preise noch abwarten oder weitere Kontrakte schließen. „Die Vermarktung wird immer wichtiger“, sagt Barg. „Wir müssen uns ständig über die aktuellen Presentwicklungen informieren“, sagt er. „Das ist wie bei der Geldanlage.“

Bilanz am 26. August
Gute, aber niedrigere Ernteerträge als im Vorjahr erwartet die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Präsident Claus Heller sprach im Juli von einem „schwierigen Anbaujahr, dennoch rechnen wir mit einer noch guten, insgesamt durchschnittlichen Getreide- und Rapsernte“. Der lange Winter habe den Vegetationsstart um bis zu drei Wochen verzögert. Die Getreideanbaufläche beläuft sich laut Statistikamt Nord auf 279 500 Hektar im Land, 16 Prozent weniger als 2012. Die Getreideerntemenge dürfte sich auf 2,3 Millionen Tonnen belaufen (minus 20 Prozent). Winterweizen habe einen Anteil von 61 Prozent. Am 26. August zieht die Kammer ihre Erntebilanz.

Christian Risch

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