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Wirtschaft im Norden Gewerkschaft: In Lübeck droht Altersarmut
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Gewerkschaft: In Lübeck droht Altersarmut
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13:24 03.12.2018
In Lübeck droht vielen Menschen Altersarmut, sagt die Gewerkschaft NGG voraus. Quelle: epd
Lübeck

Der Hansestadt Lübeck droht Altersarmut – in einem größeren Ausmaß als bislang angenommen. Das befürchtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Rund 46.000 Arbeitnehmer in Lübeck würden – so, wie sie jetzt arbeiten – nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen, sagt die NGG voraus. Und das, wenn sie nach immerhin 45 Berufsjahren in den Ruhestand gingen. Das seien 42 Prozent aller Beschäftigten in der Stadt.

Die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ liege in Lübeck bei aktuell 783 Euro im Monat. Dabei seien insbesondere die Kosten fürs Wohnen berücksichtigt. Dies gehe aus einer Renten-Analyse des Pestel-Instituts hervor. Die Wissenschaftler aus Hannover hätten dabei für die Gewerkschaft NGG amtliche Statistiken ausgewertet.

„Alarmierende Zahlen“

Demnach könnte die Zahl armutsgefährdeter Rentner in Lübeck künftig noch deutlich steigen – nämlich dann, wenn die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen sollte. Dann gäbe es mehr als 53.000 Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen, so das Pestel-Institut. Dirk Himmelmann, Geschäftsführer der NGG-Region Lübeck, spricht von „alarmierenden Zahlen“.

Wer ein Leben lang gearbeitet habe, müsse später auch von seiner Rente leben können. „Am Ende steht hier das Vertrauen in die staatliche Altersvorsorge und damit der gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel.“ Die Bundesregierung hat eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis lediglich 2025 vereinbart. „Das reicht nicht aus“, so Himmelmann. Die Große Koalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst anheben.

NGG: Arbeitgeber in der Pflicht

Zugleich sieht die NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. „Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden“, betont Himmelmann. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und Bäckerhandwerk müssten in Lübeck viele Beschäftigte im Alter aufstocken. „Dabei haben Hoteliers, Gastronomen und Bäckermeister bei der Bezahlung durchaus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen – und zwar bezahlt nach Tarif“, sagt der Gewerkschafter.

„Viele Beschäftigte haben zwar das Glück, dass der Partner mehr verdient und so die Haushaltskasse im Rentenalter aufbessert. Doch häufig ist das Geld selbst dann sehr knapp“, sagt Himmelmann. Gerade wer einen Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen „extrem mageren Rentenbescheid“ einstellen. Frauen seien davon besonders häufig betroffen. Sogar unter Vollzeitbeschäftigten hat nach Berechnungen des Pestel-Instituts aktuell jeder Dritte in Lübeck einen Rentenanspruch von weniger als 1000 Euro monatlich – nach 40 Arbeitsjahren.

„Staat muss gesetzliche Rente sichern“

Eine gute tarifliche Altersvorsorge könne zwar dabei helfen, dass im Alter etwas mehr übrig bliebe. „Aber Zusatzrenten sind nicht dafür da, ein immer geringeres Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen“, so Himmelmann. Sein Fazit: „Der Staat muss die gesetzliche Rente sichern. Alle Beschäftigten sind auf sie angewiesen. Und die Arbeitgeber müssen bei Löhnen, Arbeitszeiten und Zusatzvorsorge viel mehr tun, damit die Menschen ihren Lebensabend genießen können.“

cri

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