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Wirtschaft im Norden Gewinner und Verlierer der Mini-Inflation
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Gewinner und Verlierer der Mini-Inflation
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21:17 11.12.2015
Die Preise steigen nur gering — zur Freude der Kunden, die ihre Einkaufswagen füllen können. Quelle: Wolf/dpa

Frankfurt am Main Der Sinkflug der Ölpreise hält die Inflation in Deutschland extrem niedrig. Die Bundesbank erwartet für das laufende Jahr eine Teuerungsrate von 0,2 Prozent und 2016 dann 1,1 Prozent. Für wen ist die Mini-Inflation gut, wem schadet sie?

PRO

Verbraucher: Zu den großen Gewinnern des mageren Preisauftriebs gehören die Konsumenten. Denn Hauptauslöser der Entwicklung ist das Absacken der Ölpreise. So sparen Verbraucher beim Tanken und Heizen Geld. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erklärt: „Niedrigere Ölpreise verringern die Energiekosten der privaten Haushalte und der Unternehmen. Dadurch werden finanzielle Mittel frei, die anderweitig, zum Beispiel für Konsum- und Investitionszwecke oder zur Reduzierung des Schuldenüberhangs, eingesetzt werden können.“

Arbeitnehmer und Rentner: Wenn Einkommen wie Tarifgehälter, Renten oder Sozialleistungen schneller steigen als das Preisniveau, können sich die Menschen mehr für ihr Geld leisten. Auch wenn die Teuerung 2016 anziehen dürfte, rechnet Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erneut mit steigenden Realeinkommen. Renten dürften 2016 stärker steigen als Löhne.

Unternehmen: Auch die Unternehmen profitieren von der günstigen Energie. Das drückt die Produktionskosten. Zugleich steigt die Nachfrage nach Konsumgütern tendenziell, wenn eine niedrige Inflationsrate mit sehr niedrigen Sparzinsen zusammenfällt.

Konjunktur: Die Talfahrt der Ölpreise schiebt die deutsche Wirtschaft an. 2015 war der Konsum wichtigster Impulsgeber für den Aufschwung. Das dürfte 2016 nach Commerzbank-Einschätzung anhalten. Die Kauflust veranlasse zudem zu Einstellungen. Das lasse den Konsum steigen.

Kreditnehmer: Wegen der Mini-Inflation hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins fast auf null Prozent gesenkt. Das drückt die Zinsen, die Banken von Privatleuten und Unternehmen für Kredite verlangen. Baugeld ist derzeit extrem günstig.

KONTRA

Deflationsgefahr: Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent. Davon ist die Teuerung seit Monaten meilenweit entfernt.

Notenbanker warnen daher vor einer möglichen Deflation. Darunter verstehen Ökonomen einen Teufelskreis aus sinkenden Preisen, niedrigeren Gewinnen und schrumpfender Nachfrage, weil Verbraucher und Unternehmen Anschaffungen und Investitionen aufschieben. Denn es könnte ja bald noch billiger werden.

Sparer: Seit Herbst 2014 liegt der Leitzins im Euroraum bei 0,05 Prozent. Das wirkt sich auch auf Einlagenzinsen bei der Bank aus: Tagesgeld und Sparkonto werfen fast nichts mehr ab.

Schuldner: Inflation knabbert bestehende Schulden weg, weil der reale Wert der Schuld durch die Teuerung sinkt. Ohne Preisauftrieb wird der Schuldenabbau also schwerer, erklärt EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio. Das könnte die Gefahr von Pleiten erhöhen.

Monatliche Erhebung
600 Preiserheber der Statistischen Landesämter und des Bundesamtes schwärmen monatlich aus. Sie notieren bundesweit in Geschäften, was Obst und Gemüse, Bücher und Zeitschriften, Schuhe und Möbel kosten. Wie hoch ist der Listenpreis für ein Auto, was kostet eine Pauschalreise, was der Sprit an der Tankstelle? Mehr als 300 000 Einzelpreise von Waren und Dienstleistungen werden so erfasst. Der Warenkorb umfasst rund 600 Güterarten. Den größten Anteil hat Wohnen (Mieten, Strom, Gas) mit fast 32 Prozent. Zehn Prozent entfallen auf Lebensmittel. Ausgaben für Verkehr schlagen mit 13,5 Prozent zu Buche. Auf dieser Grundlage berechnet das Statistische Bundesamt die Verbraucherpreisentwicklung.

Harald Schmidt und Jörn Bender

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