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Giftiger Honig: Ist das Risiko höher als gedacht?

Eutin Giftiger Honig: Ist das Risiko höher als gedacht?

Jakobskreuzkraut: Honig galt lange als eines der gesündesten Lebensmittel. Doch nun ist der süße Brotaufstrich in Verruf geraten. Experten behaupten: Vor allem für Kinder und leidenschaftliche Honigesser besteht ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. Sie empfehlen, die derzeit geltenden Richtwerte um mindestens die Hälfte zu senken.

Eutin. Die Giftstoffe in schleswig-holsteinischem Honig beschäftigen nun auch die Wissenschaft. Die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) hat die Ernte ostholsteinischer Imker zwei Jahre lang auf die krebserregenden Pyrrolizidinalkaloide (PA) untersucht, die unter anderem auch im Jakobskreuzkraut (JKK) vorkommen, das sich in den vergangenen Jahren im Norden stark ausgebreitet hat.

An 57 Standorten im Kreis Ostholstein wurden Honigproben genommen – im Sommer 2015, im Frühjahr 2016 sowie im vergangenen Sommer. 341 Proben sind im Rahmen einer Doktorarbeit von Mathias Zimmermann analysiert und ausgewertet worden – angeregt von der Interessengemeinschaft „Jakobskreuzkraut – Naturschutz ohne Verlierer“ aus Ostholstein. „Wir haben eine so gute Datenbasis bekommen, wie es weltweit noch nie der Fall war“, berichtete Prof. Manfred Gareis vom Lehrstuhl für Lebensmittelsicherheit der Uni München am Donnerstagabend im Kuhstall an der Opernscheune in Eutin.

Wir haben eine so gute Datenbasis bekommen, wie es weltweit noch nie der Fall war." Prof. Manfred Gareis

Wir haben eine so gute Datenbasis bekommen, wie es weltweit noch nie der Fall war." Prof. Manfred Gareis

Quelle:

Als problematisch stellte sich die Sommertracht heraus. Schließlich beginnt das Jakobskreuzkraut um den 25. Juli herum zu blühen. In diesem Sommer hatten sich die Bienen dort reichlich bedient.

Das hatten auch schon Untersuchungen der Stiftung Naturschutz ergeben. Wegen niedriger Temperaturen und viel Regen habe es weniger blühende Pflanzen als Nahrung für die Bienen gegeben. „Aber auch im Sommer 2015 war keine einzige Probe dabei, die nicht positiv gewesen wäre“, erläuterte Zimmermann erste Ergebnisse seiner Studie. Überraschend auch: Völker vom selben Standort hätten verschiedene Ergebnisse geliefert. „Da gab es erhebliche Schwankungen im PA-Gehalt“, sagte Zimmermann. Sein Fazit: „Das Jakobskreuzkraut kann stark zur Kontamination des Sommerhonigs beitragen.“

Doch welche PA-Belastung im Honig ist noch akzeptabel? Einen offiziell festgelegten Grenzwert gibt es bisher nicht. Der gängige Richtwert wird derzeit mit maximal 140 Mikrogramm pro Kilo Honig angegeben. Er geht auf die Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung zurück, täglich nicht mehr als 0,007 Mikrogramm je Kilo Körpergewicht zu sich zu nehmen und legt darüberhinaus den Tagesverzehr von drei Gramm Honig bei 60 Kilogramm Körpergewicht zugrunde. „Mit drei Gramm zu rechnen, ist ein Witz“, sagte Christoph Gottschalk von der Uni München. Er selbst esse seit Jahren täglich drei Honigbrote zum Frühstück. Das seien 40 Gramm Honig.

Damit aber verändere sich auch der Richtwert für den PA-Gehalt. Gottschalk empfiehlt für Kinder und erwachsene Vielverzehrer nicht mehr als zehn bis 15 Mikrogramm pro Kilo Honig. „Man muss auch bedenken, dass Honig nicht die alleinige Quelle für die PA-Aufnahme sein muss“, sagte Gottschalk. Auch in Kräutertees und Salaten könnten die giftigen Pflanzenstoffe vorkommen.

Aiko Huckauf vom JKK- Kompetenzzentrum der Stiftung Naturschutz zeigte sich skeptisch. „Von der Honigmenge, die gegessen wird, ist lediglich ein Viertel Sommertracht.“ Zudem wisse man über die Toxikologie der PA noch zu wenig. „Wir brauchen dringend eine neue toxikologische Bewertung“, fordert er. „Die Situation ist für uns sehr schwierig“, bilanzierte Imker Rainer Korten aus Zarnekau.

Ziel der Studie sei es, Basiswissen zu bekommen. „Nun müssen wir sehen, wie wir damit umgehen.“

Pyrrolizidinalkaloide kommen besonders häufig in den Pflanzenfamilien der Korbblütler, Raublattgewächse, Hülsenfrüchtler und Orchideen vor. Inzwischen wurden mehr als 660 Pyrrolizidine in mehr als 6000 Pflanzenspezies identifiziert. Etwa die Hälfte davon ist lebertoxisch.

Rund 30 verschiedene PA sind im Honig nachgewiesen und analysiert worden, bis zu zehn davon sind typisch für das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea), darunter Jacobin und Senecionin. Die grell gelb blühende Pflanze, auch Jakobsgreiskraut genannt, hat sich seit Mitte der 90er Jahre in Schleswig-Holstein immer mehr ausgebreitet.

 Julia Paulat

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