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Giftstoffe im Honig: Einige Imker vernichten ihre Ernte

Lübeck Giftstoffe im Honig: Einige Imker vernichten ihre Ernte

Das Blütenangebot im Sommer war gering. Die Bienen im Norden flogen deshalb das problematische Jakobskreuzkraut an.

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Lübeck. Ist der kühle und nasse Sommer schuld? In diesem Jahr ist der Sommerhonig stärker mit Giftstoffen belastet als in den Vorjahren. Das belegen erste Ergebnisse der Stiftung Naturschutz. Einige Imker haben ihre Ernte bereits vernichtet. Das Umweltministerium weitet das Forschungsprojekt „Blüten für Bienen“ jetzt aus.

„Es sieht so aus, dass es in diesem Jahr zu einer deutlich höheren Belastung des Sommerhonigs mit Pyrrolizidin-Alkaloiden (PA) gekommen ist“, erklärt Aiko Huckauf, Diplom-Chemiker bei der Stiftung in Molfsee. Drei Viertel der Proben seien bereits untersucht worden. Als Ursache für die Giftstoffe sehen Experten das Sommerwetter. Das Angebot für die Bienen sei zur Hauptblütezeit geringer als in den Vorjahren gewesen, die Lindenblüte etwa habe die Nektarproduktion frühzeitig eingestellt, sagt Werner von der Ohe vom Institut für Bienenkunde in Celle. „Dadurch wurden später blühende Pflanzen wie das Jakobskreuzkraut für Bienen attraktiv.“ Die gelb blühende Pflanze, die sich stark ausgebreitet hat, enthält PA, die die Leber schädigen.

Der gängige Richtwert liegt bei maximal 140 Mikrogramm pro Kilo Honig. Im Sommerhonig von Harald Jazdzejewski aus Windeby (Kreis Rendsburg-Eckernförde) wurden aber Laborwerte von bis zu 420 Mikrogramm an PA gemessen. Der Berufsimker musste 650 Kilogramm Honig vernichten. „Davon gibt es hier mehrere Fälle“, berichtet er. Es soll Honig gegeben haben, der mit bis zu 1914 Mikrogramm PA belastet war.

Schon vor zwei Jahren waren bei Eutin und Oldenburg (Kreis Ostholstein) stark erhöhte PA-Werte nachgewiesen worden. „Wir haben eine Notsituation; nur wissen die meisten nichts davon“, sagt Jazdzejewski. Es müsse dringend eine Warnung ausgesprochen werden, meint er.

Der Imker fordert einen bindenden PA-Grenzwert. 140 Mikrogramm betrachtet er als viel zu hoch. Der Wert geht auf die Empfehlung des Instituts für Risikobewertung zurück, täglich nicht mehr als 0,007 Mikrogramm PA pro Kilogramm Körpergewicht zu sich zu nehmen und legt darüberhinaus den Tagesverzehr von drei Gramm Honig bei 60 Kilogramm Körpergewicht zugrunde. „Das ist ein theoretischer Wert“, sagt Jazdzejewski. Er selbst esse täglich zwei halbe Brötchen mit Honig, und das seien schon 45 Gramm. Ähnlich äußert sich Imker Rainer Korten aus dem ostholsteinischen Zarnekau. „Wir Imker essen deutlich mehr Honig. Wir sind eine Risikogruppe.“

Bei der Stiftung Naturschutz war das Forschungsprojekt bisher auf 200 Proben begrenzt. Jetzt wird die Untersuchung ausgeweitet. Noch bis zum 23. September können sich Imker melden und ihren Sommerhonig untersuchen lassen. „Damit wird zum einen die Datenbasis erhöht, zugleich aber auch die Qualitätssicherung verbessert“, erklärt Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Die Kosten in Höhe von 117 Euro übernimmt das Land. Nach Auskunft von Huckauf nehmen Imker, deren Honig PA-Anteile oberhalb des Richtwertes hat, das Produkt aus der Direktvermarktung. Es sei aber auch möglich, verschiedene Chargen zu mischen.

Beim Nordangler Imkerverein zeigt man sich verwundert über die Ausweitung des Projekts. „Die Honige sind möglicherweise bereits vermischt, aus verschiedenen Völkern, Standorten und Schleuderdaten“, meint dessen Vorsitzende Gabriele Wegner. „Das ist für ein wissenschaftliches Projekt ohne Aussage.“ Sie geht davon aus, dass die erst jetzt eingeschickten Honige wenig PA-Belastung aufweisen. Damit solle wohl die Statistik glattgebügelt werden, vermutet sie.

Der Landesverband der Imker in Schleswig-Holstein und Hamburg warnt indes vor Panikmache. 3000 Imker sind dort organisiert. „Da sind die genommenen Proben gar nichts“, sagt die Vorsitzende Anke Last.

Parallel dazu lassen viele Imker in Ostholstein ihren Honig im Rahmen einer Doktorarbeit der Universität München wissenschaftlich untersuchen. Die Ergebnisse sollen im November vorgestellt werden.

Gifte dienen zur Abwehr von Feinden

(PA) sind schätzungsweise in drei Prozent aller Blütenpflanzen enthalten und dienen diesen zum großen Teil zur Abwehr von Fraßfeinden. Besonders häufig kommen sie bei Korbblütlern, Raublattgewächsen, Hülsenfrüchtlern und auch Orchideen vor. Davon sind bei uns etwa das Jakobskreuzkraut, das Gemeine Greiskraut oder der Natternkopf heimisch. In hoher Dosierung können PA zu tödlichen Leberfunktionsstörungen führen. In Tierversuchen haben sich die Pflanzeninhaltsstoffe teilweise auch als krebserregend erwiesen. Bis heute gibt es bei Lebensmitteln weder Regelungen bezüglich der Höchstmenge noch Kontrollen. In Honigproben, aber auch in verschiedenen Kräutertees sind PA nachgewiesen worden.

 Julia Paulat

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