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Gratis-Surfen am Bahnsteig

Lübeck Gratis-Surfen am Bahnsteig

An den Bahnhöfen in Lübeck und Kiel gibt es 30 Minuten freien Internetzugang pro Tag. Öffentliches WLan wird immer beliebter.

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Seit gestern kann Kim Larissa Lewin (14) am Lübecker Hauptbahnhof kostenlos mit ihrem iPad ins Netz. Der Zugangscode für den Internetzugang wird per SMS ans Handy geschickt.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Die Bahn bietet seit gestern auf 105 Bahnhöfen in Deutschland einen kostenlosen Internetzugang an. Darunter sind auch 13 Bahnhöfe im Norden. Besitzer von Smartphones, Tablet-PCs und Notebooks können sich zumindest für eine halbe Stunde ohne Gebühren ins Internet einwählen — danach werden Kosten fällig.

Man trage damit einem Trend Rechnung, sagte eine Bahn-Sprecherin in Berlin. In den vergangenen Jahren sei die Nutzung von öffentlichen „Hotspots“, wie die freien WLan-Zugänge auch genannt werden, um 20 Prozent gestiegen. „Wenn sich der Bedarf fortsetzt, werden wir auch noch weitere Bahnhöfe mit der Technik ausstatten“, sagte die Sprecherin den LN. Wann das sein wird und wie viele der bundesweit 5400 Bahnhöfe „online“ gehen sollen, sei aber noch nicht spruchreif.

In Schleswig-Holstein sind mit Lübeck und Kiel gestern lediglich zwei Bahnhöfe mit freiem Internet versorgt worden. Die anderen im Norden sind die Bahnhöfe Hamburg-Hauptbahnhof, Hamburg-Altona, Hamburg-Harburg, Bremen, Delmenhorst, Emden, Göttingen, Hannover-Hauptbahnhof, Hannover-Messe/Laatzen, Lüneburg und Wolfsburg.

„Bedarfstreiber“ für die Zunahme von öffentlichen Hotspots sind nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom vor allem die Tablet-Besitzer. Da die Geräte mit einem Mobilfunkmodul meist teurer sind und außerdem ein eigener Mobilfunkvertrag dafür fällig wird, wählen sich 65 Prozent der Nutzer ausschließlich über einen WLan- Zugang unterwegs ins Netz ein. Das ergab eine repräsentative Bitkom-Umfrage.

Nur 33 Prozent nutzen auch einen eigenen Netzzugang für ihr Tablet. Genaue Daten über die Zahl der freien Hotspots in Deutschland existieren zwar nicht. Nach Einschätzung von Bitkom-Sprecher Marc Thylmann sei die Hotspot-Verbreitung aber weiter deutlich ansteigend.

In Schleswig-Holstein gibt es noch viele weiße Flächen auf der Hotspot-Karte. In der Region Lübeck bieten aber inzwischen schon viele Cafés und Schnellrestaurants kostenfreie Internet-Zugänge für ihre Gäste an. Öffentliche Zugangspunkte, die unabhängig vom Gastronomiebesuch genutzt werden können, sind dagegen noch selten. Inzwischen stellen aber schon mehrere Ostseebäder, darunter Grömitz, Scharbeutz und Timmendorfer Strand, kostenlose Netzzugänge für den Strand zur Verfügung.

Nach Vorstellungen der Telekom soll aber bald die ganze Bundesrepublik mit einem dichten Teppich von WLan-Punkten überzogen sein. „WLan to go“ heißt das Projekt, das auf die Kooperation von privaten Internetnutzern setzt. Die erhalten von der Telekom ein Modem, das neben dem eigenen verschlüsselten Internetzugang noch einen freien Zugang bereitstellt, der dann von jedem in der Umgebung angewählt werden kann. Teilnehmer erwerben sich damit das Recht, alle anderen Telekom-Hotspots kostenfrei zu nutzen. 2,5 Millionen Anschlüsse will die Telekom auf diese Weise bis 2016 zur Verfügung stellen.

Laut Telekom haften die Anschlussinhaber zwar nicht dafür, wenn Fremdsurfer über ihren Zugang illegalen Aktivitäten nachgehen, da privater und öffentlicher Zugang strikt voneinander getrennt seien.

Für Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragten Thilo Weichert ist das Projekt dennoch nicht ganz unproblematisch. So könnten die Anschlussinhaber sehr wohl gegenüber Strafverfolgungsbehörden auskunftpflichtig sein, „wenn jemand über ihren Zugang zum Beispiel Raubkopien verbreitet“, sagt Weichert.

Oliver Vogt

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