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Grüne Woche: Leckereien und Demos

Berlin Grüne Woche: Leckereien und Demos

Mehr als 20 Unternehmen aus dem Norden vertreten – Viele Landwirte nicht in Feierlaune.

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Zum Start der Grünen Woche gibt es Käse und Matjes aus Holland für Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD, 3. v. l.), Martijn van Dam, Minister für Landwirtschaft der Niederlande (Mitte) und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU).

Quelle: Fotos: Sven Darmer/davids, R. Zweigler

Berlin. Schwungvoll gießt Frank Goesch in Halle 22a unter dem Funkturm 56-prozentigen Friesengeist von der Waldemar Behn GmbH in die Gläser. Dann entzündet er das Getränk und spricht den Trinkspruch der Friesen „Wie Irrlicht im Moor. . .“. Nebenan zischt Flensburger Pils aus dem Zapfhahn. In der Schauküche inmitten der Halle tischt derweil Hans-Peter Hansen von der Dehoga Schleswig-Flensburg Fischfrikadellen auf. Und Kirsten Mölligaard von der Käsestraße, einem Zusammenschluss von rund 30 Käsemanufakturen, offeriert zum Beispiel Wackenkäse.

LN-Bild

Mehr als 20 Unternehmen aus dem Norden vertreten – Viele Landwirte nicht in Feierlaune.

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Mehr als 20 Unternehmen präsentieren in diesem Jahr den Norden auf der weltgrößten Agrarschau. Auch mehrere „Aktivregionen“ sind in Berlin vertreten. Doch so ganz unbeschwert ist die Grüne Woche nicht. Sie ist auch ein Spiegelbild der dramatischen Entwicklungen, die die Landwirtschaft derzeit erlebt. Auch wenn jetzt der Rohmilchpreis wieder auf rund 32 Cent je Liter gestiegen ist, reicht das noch nicht aus, um kostendeckend zu produzieren. Und weil nicht nur bei Milchbauern Zukunftsängste umgehen, wird Berlin am heutigen Sonnabend Schauplatz von Demonstrationen sein.

Landwirt und Platt-Schriftsteller Matthias Stührwoldt aus Stolpe (Kreis Plön) ist gestern Morgen mit seinem Trecker nach Berlin gefahren. Unter dem Motto „Wir haben es satt“ gehen heute Landwirte, Umwelt- und Tierschützer auf die Straße. Sie demonstrieren gegen industrielle Landwirtschaft und Massentierhaltung. Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) wird unter den Demonstranten sein.

Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, der ansonsten mit dem Grünen-Politiker sachlich zusammen arbeitet, runzelt über den Minister-Protest die Stirn: „Robert Habeck hat so Dinge im Kopf, ich denke in manchen Fragen anders.“

Zeitgleich mit den Umweltschützern gehen Bauern vor dem Berliner Hauptbahnhof unter dem Slogan: „Wir machen Euch satt!“ auf die Straße und werben für Verständnis für die sogenannte „konventionelle“

Landwirtschaft. Für Schwarz haben beide Zweige der Landwirtschaft ihre Berechtigung. Gestern trug er dem Minister etwa die Sorgen der Geflügelbetriebe vor, die eigentlich Eier aus Freilandhaltung produzieren. Doch wegen der Geflügelpest müssen sie ihre Tiere im Stall lassen und können die Eier nicht höherpreisig vermarkten.

Dirk Schlüter mit seiner Fleischerei in Wankendorf (Kreis Plön) setzt indes ganz auf Regionalität. Auf der Grünen Woche hat er Holsteiner Knochenschinken, Kartoffelmettwurst oder Wildsalami im Angebot. Bauern aus der nahen Umgebung liefern ihre Schweine zur Schlachtung an den Betrieb. Regional ist auch das Angebot von Jürgen Tietjen aus Börnsen (Herzogtum Lauenburg).

In seiner Schaubäckerei auf der Messe entstehen Quarkkeulchen mit Vanillefüllung. Und mittags wird Spanferkel mit Bratkartoffeln serviert.

400 000 Besucher erwartet

In den Hallen unter dem Berliner Funkturm präsentieren sich bis zum 29. Januar 1650 Aussteller aus 66 Ländern. Erwartet werden mehr als 400000 Besucher. Diesjähriges Partnerland der Messe ist Ungarn.

Wichtige politische Themen sind höhere Standards bei der Nutztier- Haltung, mehr Klarheit für die Kunden beim Lebensmittelkauf und Umweltschutz in der Landwirtschaft.

Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr, am 27. Januar bis 20 Uhr

Reinhard Zweigler

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