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Wirtschaft im Norden Grüne fordern Meldesystem für verlorene Netze im Meer
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22:18 08.06.2016
Geisternetze können Tieren in der Ostsee gefährlich werden: Hier befreit ein Taucher einen Seeskorpion. Quelle: Fotos: Wichmann/dpa, Kappler/dpa, Pedersen/dpa
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Berlin

Umweltschützer schlagen Alarm: Etwa 30 Prozent der Tiere in den deutschen Küsten- und Meeresgebieten sind nach Angaben der Bundesregierung von sogenannten Geisternetzen bedroht. Dabei handelt es sich um herrenlose Stell-, aber vor allem Schleppnetze aus Kunststoff, die sich losgerissen haben und teilweise seit Jahren in Nord- und Ostsee treiben oder sich an Schiffswracks verheddert haben. Diese Geisternetze sind eine Gefahr für Meerestiere. Sie werden zur Todesfalle für Fische, Schweinswale, Robben und andere Meeresbewohner, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, die den LN vorliegt.

„Die Bundesregierung legt einfach die Hände in den Schoß.“Steffi Lemke, Grünen-Bundestagsfraktion

Experten schätzen, dass ein Zehntel des gesamten Mülls in den Weltmeeren aus solchen herrenlosen Netzen und anderem Fischereigerät besteht: rund 700 000 Tonnen. In Europa sollen jährlich rund 25 000 Netze mit circa 1250 Kilometer Länge verloren gehen, besagt eine Studie der Welternährungsorganisation (FAO). Seit rund 40 Jahren wird das Fanggerät aus robustem Kunststoff gefertigt, der sich extrem langsam, in etwa 600 Jahren, zersetzt. In den Mägen der Pottwale, die Anfang des Jahres an der deutschen Nordseeküste strandeten, fand man Teile von Fischernetzen. Fast alle Nester der Kolonie von Basstölpeln auf Helgoland enthielten Netzreste. Vor der Ostseeküste verhedderten sich jedes Jahr tausende abhanden gekommene Netze am Grund, warnte die Umweltorganisation Greenpeace.

Die naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Steffi Lemke, kritisierte die Bundesregierung. Obwohl Geisternetze nachweislich zur Todesfalle für zahlreiche Arten würden, „legt die Bundesregierung die Hände in den Schoß". Notwendig sei jedoch die wirkliche Umsetzung der entsprechenden EU-Verordnung (MARPOL), die das Einbringen von Schadstoffen ins Meer untersagt, sowie der EU-Fischereikontroll-Verordnung, die seit 2009 die Bergung und Entsorgung verlorener Netze regelt. Lemke forderte vermehrte Kontrollen auf Schiffen, die konsequente Kennzeichnung von Netzen sowie ein Meldesystem für Geisternetze. „Es existiert keine staatliche Erfassung verlorener Netze – geschweige denn ein funktionierendes Bergungssystem“, monierte der Greenpeace-Ozeanexperte Thilo Maack.

Dagegen verwies Peter Breckling, Generalsekretär des Deutschen Fischerei-Verbandes, auf die Gesetzeslage. Demnach müssen Netze gekennzeichnet werden. Das werde auch überprüft und bei Verstößen geahndet. Zudem bestehe die Pflicht, verlorene Netze zu bergen beziehungsweise zu melden. Nach Ansicht von Breckling handelt es sich „um ein bekanntes Problem mit rückläufiger Bedeutung“. Es gehe vor allem um verlorene Netze aus der Vergangenheit. „Ich kenne keinen Fischer, der so dämlich ist, sein teures Netz wegzuwerfen“, sagte er. Das Kieler Umweltministerium verwies darauf, dass Schleppnetze mit einem Auftriebskörper versehen sind. Bei Verlust könnten sie aufgenommen werden. Kiel fördert zudem Forschungen zum Ersatz von Plastikfäden (Dolly ropes), die als Scheuerschutz für Netze am Meeresgrund verwendet werden. „Plastikfrei wird Trend“ heißt das Projekt.

Reinhard Zweigler

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