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Wirtschaft im Norden Gütertransport: Der Wasserweg soll wieder wichtiger werden
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Gütertransport: Der Wasserweg soll wieder wichtiger werden
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23:14 23.06.2016

Auf dem Podium diskutierten Experten über „Innovationen in der Schifffahrt“ und „Häfen im Wandel“, nebenan hatten mehr als 30 Unternehmen ihre Info-Stände aufgebaut: Das Foyer der Lübecker Musik- und Kongresshalle (MuK) war gestern der Marktplatz der maritimen Wirtschaft in Norddeutschland. 360 Experten trafen sich zu den „ 2. Short Sea Shipping Days“, um über die Perspektiven des Kurzstreckenseeverkehrs auf Nord- und Ostsee zu diskutieren.

Die Organisatoren: SPC-Geschäftsführer Markus Nölke (l.) und Rüdiger Schacht (IHK). Quelle: W. Maxwitat

„Wir wollen ein Zeichen setzen, dass Schifffahrt eine gute Alternative zum Gütertransport auf der Straße sein kann“, sagt Markus Nölke, Geschäftsführer des ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Center (SPC), ein Netzwerk der maritimen Wirtschaft, zu dem das Bundeswirtschaftsministerium und mehrere Länderministerien gehören. Das SPC veranstaltete das Branchentreffen gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck. „Schiffs- und Schienenverkehr sind schon heute umweltfreundlicher, aber das lässt sich noch verbessern“, so Nölke. Zurzeit würden 70 Prozent der Güter auf Lastwagen transportiert, 17 Prozent auf der Schiene und nur acht bis neun Prozent auf Schiffen. „Unser Ziel ist es, den Anteil der Schiffe auf 15 Prozent auszubauen“, sagte Nölke.

Die seit 2015 geltenden verschärften Abgasregeln für Schiffsdiesel hätten den Reedereien viel Kopfzerbrechen bereitet, betonte Rüdiger Schacht, Leiter des Bereichs Verkehr und Logistik bei der IHK zu Lübeck. Die 1500 RoRo- Schiffe, die auf Ostsee, Nordsee und dem Mittelmeer fahren, seien im Schnitt 15 Jahre alt. Die Nutzungsdauer von Schiffen liege bei 25 Jahren. „ In den kommenden Jahren müssen Reeder die Entscheidung treffen, welchen Schiffsantrieb sie künftig nutzen wollen“, so Schacht. Das umweltfreundliche Flüssiggas (LNG) ist eine Option für Schiffsneubauten, eine Umrüstung älterer Schiffe ist zu kostspielig. Aber auch die Scrubber-Technologie zur Reinigung von Schiffsdiesel sei teuer. Eine dritte Alternative könnte der Einsatz von saubererem Treibstoff sein – doch davon wird bisher zu wenig produziert.

Die großen Überkapazitäten auf dem weltweiten Schiffsmarkt gingen auf Kosten der Feeder- Verkehre, sagte Uwe Beckmeyer, der maritime Koordinator der Bundesregierung, in Lübeck. „Wir wissen, dass die Schifffahrt Unterstützung braucht, denn sie ist zurzeit in schwerem Fahrwasser“, so Beckmeyer. Für Schleswig-Holstein sei die maritime Wirtschaft besonders wichtig, sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). Deshalb fördere die Landesregierung die Branche gezielt. Dazu gehöre der Ausbau der Häfen Kiel, Lübeck und Brunsbüttel. Meyer kritisierte die neue Schiffsbesetzungsverordnung, nach der die Anzahl der Schiffsoffiziere verringert werden soll. „Das verringert die Chancen der Absolventen und wird sich negativ auf die Berufsentscheidung junger Menschen auswirken.“

Dass der Elbe-Lübeck-Kanal jetzt im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans stehe, sei „wichtig für die Region“, so Meyer. „Jetzt ist die Wirtschaft gefordert zu zeigen, dass sie den Kanal nutzt!“ IHK-Experte Schacht hob dieses positive Statement für den Kanal besonders hervor. „Darüber freuen wir uns sehr.“ Sebastian Jürgens, Geschäftsführer der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG), sah das genauso.

Verkehrsmarkt Ostsee

Der Hafen Lübeck ist mit gut 712000 Einheiten der größte Fähr- und RoRo- Hafen im Ostseeraum (8,63 Prozent der Gesamtmenge). Das hat die IHK zu Lübeck in ihrer Analyse „Verkehrsmarkt Ostsee – Strukturdaten 2015“ ermittelt. Beim Gesamtumschlag der 20 größten Ostseehäfen liegt Lübeck nur auf Platz 15 mit 1,93 Prozent, die drei russischen Häfen Ust-Luga, Primorsk und Sankt Petersburg führen hier mit weitem Abstand. Auch beim Containerumschlag belegte Lübeck Platz 15 mit knapp 144000 Einheiten (TEU).

Christian Risch

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