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Wirtschaft im Norden Haben Biohöfe Vorteile in der Dürrekrise?
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13:48 11.08.2018
„Es ist so, dass Biohöfe eine vielfältigere Fruchtfolge und mehr Humus haben“, sagt Michael Welling, Sprecher des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau. Quelle: Jens Büttner/dpa
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Lübeck

Christoph Möller vom Stadtgut Krummesse (die LN berichteten) ist trotz wochenlanger Dürre verhältnismäßig gut davongekommen. Denn statt die Felder wie sonst zur Erholung mit anderen Kulturen zu bestellen, hat er zusätzliches Futter für seine Milchkühe gesät – Futterengpässe kann er so vermeiden. Doch lässt sich sein Beispiel verallgemeinern?

„Es ist so, dass Biohöfe eine vielfältigere Fruchtfolge und mehr Humus haben“, sagt Michael Welling, Sprecher des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau. Dementsprechend seien sie gegen Extremwetter „besser gewappnet als die konventionellen Landwirte“ – und können kurzfristig reagieren. Wie Möller. Ein Pluspunkt also?

Gerald Wehde, Sprecher für Agrarpolitik von Bioland, dem führenden Verband für ökologischen Landbau in Deutschland, sieht einen Vergleich zwischen konventionellen und ökologischen Landwirtschaftsbetrieben kritisch: „Äpfel und Birnen zu vergleichen funktioniert nicht. Aber über die Jahre hinweg hat es sich tatsächlich so entwickelt, dass die ökologischen Betriebe den konventionellen Landwirten gegenüber, rein wirtschaftlich gesehen, im Vorteil sind.“ Dennoch: Insbesondere für die Milchviehbetriebe ist die Situation heikel: „Wenn schon der erste Grasschnitt nicht gut ausfällt und die Bauern zu wenig Futter für ihre Tiere ernten, wird es problematisch.“

Und zwar insbesondere für die ökologischen Landwirte – denn im Gegensatz zu den konventionellen Landwirtschaftsbetrieben seien die Biobauern weitaus strengeren Richtlinien hinsichtlich der Futtermittel und Tierhaltung unterworfen: „Was die Biobetriebe verfüttern dürfen, ist ganz streng durch die Behörde geregelt. Wenn den Biobauern das Futter ausgeht, wird jeder Fall einzeln geprüft und erst dann entschieden, ob Raufutter von konventionellen Höfen gefüttert werden darf“, erklärt Wehde. In die Existenznot solle aber keiner getrieben werden. Absolut tabu sei aber das Verfüttern von Genmais.

Laut Stephan Gersteuer, Generalsekretär vom Bauernverband Schleswig-Holstein, würden Biobauern gut vier Prozent des Marktanteils im Land ausmachen. „Wenn die dann wegen der Futternot auch noch den Tierbestand reduzieren müssen, wird der Markt noch kleiner. Wie sich das auf die Preise der Milchprodukte auswirkt, müssen wir noch sehen.“

Um Futterengpässe wie in diesem Sommer zu verhindern, fordert Agrarminister Robert Habeck (Grüne), dass die Betriebe nur so viele Tiere halten dürften, wie sie auch ernähren könnten.

joe

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