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Wirtschaft im Norden Händler wappnen sich gegen Ladendiebe
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Händler wappnen sich gegen Ladendiebe
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09:17 28.06.2017
Ein Mann schiebt eine Speicherkarte in seine Jackentasche: Meist sind es kleine und teure Artikel, die Ladendiebe mitgehen lassen. Quelle: Foto: Felix Kästle/dpa
Lübeck

Häufig komme es mittlerweile zu Konflikten mit Personal oder Sicherheitskräften, dabei sei auch Gewalt im Spiel, berichtet der Branchenexperte Frank Horst. Etwa 378000 Ladendiebstähle wurden 2016 nach neuen Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) angezeigt, doch das sei nur „die Spitze des Eisbergs“, sagen die Autoren der Studie.

„Leider können wir diesen Trend in Schleswig- Holstein bestätigen“, sagt Mareike Petersen, Geschäftsführerin des Handelsverbandes Nord in Kiel. Es gebe mehr Überfälle mit Waffengewalt. „Für die Mitarbeiter sind solche Taten eine starke psychische Belastung“, so Petersen. Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik sind in Schleswig-Holstein die Fallzahlen bei Ladendiebstahl „unter erschwerenden Umständen“ 2016 im Vergleich zum Vorjahr stark um 47,6 Prozent gestiegen. „Waren es 2015 noch 719 bekannt gewordene Fälle, stieg die Zahl im Jahr 2016 um 342 Fälle auf insgesamt 1061 Fälle an“, erklärt eine Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA). „Erschwerende Umstände“ liegen vor, wenn zum Beispiel bei einem Ladendiebstahl die Ware besonders gesichert war, eine Waffe benutzt oder Gewalt angewendet wurde. Für den „einfachen“ Ladendiebstahl lasse sich 2016 ein Anstieg der Fälle um 2,2 Prozent auf 12128 Fälle verzeichnen (2015: 11863 Fälle), so das LKA. Nach Angaben des BKA hat sich die Zahl der schweren Delikte in den vergangenen neun Jahren verdreifacht.

„Als Faustregel gilt: Klein und teuer ist bei Ladendieben besonders beliebt“, sagt Mareike Petersen, „alles, was man in der Hosentasche verschwinden lassen kann“. Auch im Norden beobachte man ein verstärktes Auftreten organisierter Banden. „Ein typisches Muster ist, dass Täter in Gruppen in einen Laden gehen. Einer lenkt die Verkäuferin ab, andere greifen in der Zwischenzeit zu.“ Die Schulung der Mitarbeiter, wie sie sich bei Überfällen verhalten sollen, sei deshalb besonders wichtig, betont Mareike Petersen.

Insbesondere Baumärkte und Lebensmittelhändler stecken nun Geld in neue Sicherungstechnik, während das im Elektronikhandel und in Modeläden schon seit Jahren gang und gäbe sei. Ein aktueller Trend der Händler sei, die früher eher versteckte Sicherheitstechnik jetzt offen zu zeigen, um die Ladendiebe abzuschrecken. „Es wird mehr in Alarmsysteme, Videoüberwachung und Warensicherung investiert“, sagt die Geschäftsführerin des Handelsverbandes Nord. „Ladendiebstahl ist kein Kavaliersdelikt, sondern muss strafrechtlich verfolgt werden“, erklärt Petersen.

Als vermeintliche Kunden auftretende Diebe verursachten den größten Teil der Schadenssumme: rund 2,26 Milliarden Euro. In den Taschen der eigenen Mitarbeiter landeten Waren im Wert von etwa 820 Millionen Euro. Servicekräfte ließen Produkte im Wert von schätzungsweise 300 Millionen Euro mitgehen. 26 Millionen Ladendiebstähle mit einem durchschnittlichen Warenwert von je 83 Euro blieben wohl unentdeckt.

Nach Beobachtungen des Sicherheitsdienstleisters Checkpoint arbeiten ganze Banden von Profi-Dieben nach einem festen System. Ausgerüstet mit folienbeschichteten Taschen oder derart gefütterten Mänteln versuchten Diebe, den drohenden Alarm durch die Sicherungsetiketten zu umgehen. Daher rüsteten nun immer mehr Händler auf, erklärt der Warensicherungsexperte des US-Unternehmens, Hans-Jürgen Nausch. Laut EHI investiert der deutsche Einzelhandel derzeit bereits 1,3 Milliarden Euro in die Diebstahlsicherung. Das entspricht 0,3 Prozent des Einzelhandelsumsatzes im vergangenen Jahr von 410 Milliarden Euro.

Detaillierte Daten aus vielen Branchen

97 Unternehmen mit insgesamt 23511 Verkaufsstellen haben sich an der aktuellen Untersuchung des Handelsforschungsinstitutes EHI beteiligt. Aus den Daten konnten die Forscher für die Branchen Lebensmittelhandel, Drogeriemärkte, Baumärkte, Textilhandel inklusive Warenhäusern und Möbelhäuser branchenspezifische Auswertungen vornehmen, die teils sehr detaillierte Aussagen nach Vertriebstypen zulassen.

Die Verkaufsfläche der beteiligten Betriebe beträgt im Durchschnitt 985 Quadratmeter. Etwa 73 Prozent der Teilnehmer sind filialisierte Unternehmen, die bis zu 2980 Geschäfte betreiben. Bei den übrigen Unternehmen handelt es sich überwiegend um inhabergeführte Fachgeschäfte. Auch vier Unternehmen aus Österreich und der Schweiz sind dabei.

 Christian Risch

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