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Handwerk baut auf Nachwuchs aus den eigenen Reihen

Lübeck Handwerk baut auf Nachwuchs aus den eigenen Reihen

Seit Jahren beklagen die Handwerksbetriebe, dass sich immer weniger junge Menschen für eine Lehre bei ihnen entscheiden. Nun deutet sich erstmals eine Trendwende an: Bundesweit ist die Zahl der bislang für 2016 abgeschlossenen Ausbildungsverträge um fünf Prozent gestiegen, im Bereich der Handwerkskammer Lübeck ist das Plus sogar noch größer.

Mit einem Schieferhammer schlägt Sabri Kopan (vorne) auf einen Nagel, um einen Biberziegel an einem Dach zu befestigen. Der 31-Jährige absolviert eine Lehre zum Dachdecker, im Ausbildungspark Blankensee bekommen sein Kollege Jan Ole Kühl (r.) und er praktischen Unterricht von Henning Jannsen. Bundesweit steigt die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge fürs Handwerk.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck. 2198 Verträge wurden dort bereits registriert und damit zwölf Prozent mehr als zum Vorjahreszeitpunkt.

LN-Bild

Kammer meldet deutlich mehr Lehrverträge – Trotzdem sind viele Stellen noch unbesetzt.

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„Das Handwerk befindet sich in einer sehr guten konjunkturellen Situation“, sagt Kammersprecher Ulf Grünke. „Die Betriebe brauchen daher mehr qualifizierte Mitarbeiter. Da Fachkräfte knapp sind, setzen sie auf Nachwuchs aus den eigenen Reihen.“ Das bestätigt auch Gregor Kalus, Geschäftsleiter von Flemming Dental in Lübeck. Bisher hat das Unternehmen jedes Jahr zwei neue Lehrlinge eingestellt, dieses Mal wurde eine dritte Stelle geschaffen. „Der Bedarf ist da, weil unser Geschäft so gut läuft“, sagt Kalus. „Und die besten Mitarbeiter sind die, die man selbst ausbildet.“

Allerdings werde es schwieriger, geeignete Bewerber zu finden. Vor zehn Jahren hätten sich 100 bis 120 junge Menschen bei ihnen für eine Ausbildung zum Zahntechniker beworben, jetzt seien es nur noch 15 bis 20 pro Jahr.

Milo Mittelstädt war einer von ihnen. Er hat seine dreieinhalbjährige Lehre gerade beendet und wurde übernommen. Bereut hat er seine Entscheidung fürs Handwerk nie. „Ich finde es toll, Menschen dabei zu helfen, dass sie wieder richtig kauen und sprechen können“, sagt der 24-Jährige. Auf seinem Schulweg ist der Pönitzer früher immer an einem kleinen Zahnlabor vorbeigekommen. „Ich habe jedes Mal reingeschaut und mir gedacht, dass ich das mal machen möchte. Der Beruf ist sehr vielseitig und hat viel mit Ästhetik zu tun.“

Der Travemünder Alexander Piven hat sich für eine Ausbildung zum Elektroniker entschieden. „Mir gefällt, dass ich bei dem Beruf viel nachdenken muss“, sagt der 20-Jährige. „Gleichzeitig mache ich aber auch etwas Produktives und sehe am Tagesende, was ich geschafft habe.“ Vor seiner Ausbildung bei Habotec hat er in dem Betrieb sechs Monate lang ein Praktikum gemacht. Das Unternehmen aus Kücknitz stellt jedes Jahr viele neue Auszubildende ein. Für dieses Jahr wurden bereits Lehrverträge mit acht angehenden Elektronikern, zwei Anlagenmechanikern und zwei technischen Systemplanern abgeschlossen. Die hohe Anzahl sei nötig, damit am Ende überhaupt welche übrig blieben, die nach der Lehre im Unternehmen als Fachkräfte weiterarbeiten könnten, sagt Geschäftsführer Peter Bode. Denn ein Teil breche die Ausbildung ab, ein weiterer schaffe die Prüfungen nicht und viele gingen auch nach der Lehre in den öffentlichen Dienst, weil es dort mehr Geld zu verdienen gebe. „Wenn wir 25 bis 30 Prozent halten können, ist das schon gut“, sagt Bode.

Trotz der hohen Zahl an abgeschlossenen Ausbildungsverträgen gebe es immer noch viele unbesetzte Lehrstellen, berichtet Ulf Grünke. Bei der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Lübeck seien mehr als 600 eingetragen. „In fast allen Branchen gibt es noch Möglichkeiten“, sagt er. Besonders gut seien die Chancen im Nahrungsmittelhandwerk und bei den dazugehörigen Fachverkäufern wie Fleischer oder Bäcker.

 Janina Dietrich

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