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Handwerker kämpfen um Nachwuchs

Lübeck Handwerker kämpfen um Nachwuchs

Lehrstellen bleiben unbesetzt, viele wollen nach dem Abschluss nicht bleiben – trotz Karrierechancen.

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Lehrling Jan Luckner (18) verkabelt einen Sicherungskasten, sein Meister Jürgen Timo Jahnke (42) sieht ihm dabei zu.

Quelle: Fotos: Roeßler, Malzahn

Lübeck. Warum wollte Jan Luckner (18) Elektriker werden? Der Azubi im zweiten Lehrjahr bei der Lübecker Firma Bode Sicherheitstechnik zuckt die Achseln. „Ich will zur Feuerwehr. Da muss man vorher einen technischen Beruf gelernt haben.“

Jan Luckner ist gerade dabei, geschickt einen Sicherungskasten zu verkabeln und prüft die Drähte. Neben ihm steht sein Meister Jürgen Timo Jahnke (42) und sieht anerkennend zu. „Wir wünschen uns natürlich, dass die jungen Leute bleiben“, sagt er. „Aber das ist schwierig. Manche wollen nach der Lehre studieren, andere gleich ihren Meister machen.“

Und überhaupt: Auszubildende zu finden, das werde von Jahr zu Jahr schwieriger, bestätigt Firmenchef Peter Bode (53), dem neben Bode Sicherheitstechnik auch die Firma Habotec Elektro- und Gebäudesystemtechnik GmbH mit 130 Mitarbeitern gehört. Von vier Lehrstellen für Elektroniker sind bei Bode Sicherheitstechnik zwei bislang unbesetzt. Habotec ist als Ausbildungsbetrieb einer der großen in der Region – über 40 Ausbildungsplätze gibt es dort in diesem Jahr.

Die Bewerber jedoch könne man sich heute nicht mehr groß aussuchen, stellt Bode fest. „Wir müssen bei den Auswahlkriterien Abstriche machen.“ Früher war Mittlere Reife für einen Elektriker Voraussetzung. „Heute nehmen wir auch wieder Hauptschul-Abgänger“, sagt der Firmenchef.

Gute Noten in Physik und Mathematik seien für den Job wichtig. Bode: „Mit einer Drei auf dem Zeugnis sind wir aber schon zufrieden.“ Entsprechend müssten er und seine Mitarbeiter die Lehrlinge begleiten und unterstützen. „Natürlich sind viele darunter, die trotz schlechter Schulnoten gute Elektriker werden. Aber wir müssen heute Leute einstellen, die wir früher nicht genommen hätten.“

Anderen Branchen geht es nicht besser. „Die Firmen gucken in Richtung schwächere Jugendliche“, weiß Ulrich Hoffmeister, Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung bei der IHK Lübeck. „Über 60 Prozent der Unternehmen bieten Nachhilfe an.“

Barbara Lentwojt (55), Personalleiterin der Lübecker Gebäudereinigungsfirma Bockholdt, kann ein Lied davon singen. Auch sie hat große Probleme, Nachwuchs zu finden. „In Lübeck hätten wir gerne fünf Azubis für die Gebäudereinigerausbildung gehabt.“ Nur eine der Stellen sei inzwischen besetzt. „Ich bin nach wie vor auf der Suche.“ Dabei habe gerade Bockholdt als große Firma auch Aufstiegsmöglichkeiten zu bieten. 6000 Mitarbeiter hat Bockholdt bundesweit, 3500 davon in Schleswig-Holstein, 1000 am Stammsitz Lübeck. „Viele unserer ehemaligen Lehrlinge sind heute in der Kundenbetreuung oder als Niederlassungsleiter tätig“, sagt die Personalchefin. Auch als Gebäudereiniger könne man im übrigen den Meister machen.

Viele Firmen hätten das Gehalt für Lehrlinge angehoben, um als Arbeitgeber attraktiver zu sein, berichtet IHK-Bereichsleiter Hoffmeister. Es spreche jedoch auch für den Betrieb, wenn er eine gute Ausbildung biete. „So etwas spricht sich herum.“ Und, last not least, sei das Betriebsklima wichtig, damit die Lehre nicht abgebrochen werde. „Das spielt für die Jugendlichen meist eine größere Rolle als die Bezahlung.“

Marcus Stöcklin

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