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Harte Zeiten für die Versorger

Berlin Harte Zeiten für die Versorger

Im kommenden Jahr wird die Krise von RWE und Co. weitergehen — Verbraucher werden kaum entlastet.

Berlin Deutschlands Stromversorger zittern sich 2016 durch ein weiteres Krisenjahr. Bei Eon und RWE sollen radikale Umbauten die Wende im chronisch schwachen Geschäft mit konventionellen Kraftwerken bringen. Doch die Unsicherheit um die Folgen der Energiewende bleibt.

Das Grundproblem — Kohle und Gas bringen immer weniger ein: Der Absturz der Strom-Großhandelspreise macht die Erzeugung selbst in modernsten Gas- und Kohlekraftwerken zum Verlustgeschäft. Immer mehr Ökostrom aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse fließt ins Netz — eine klaffende Lücke zwischen Börsenstrompreisen und Einspeisevergütungen für die Erneuerbaren ist die Folge. Doch die Fossilen sind nötig, um die Versorgung angesichts der schwankenden Öko-Träger und mangelnden Speicherkapazitäten zu sichern. Bei Eon stand 2014 unterm Strich ein Rekordminus von 3,2 Milliarden Euro. RWE lag 1,7 Milliarden Euro im Plus — aber vor allem, weil man 2013 Abschreibungen vorgezogen hatte. Unrentable Kraftwerke drückten auch EnBW und Vattenfall in die roten Zahlen.

RWE-Kraftwerkchef, Matthias Hartung, warnte im Juli: „Unabhängig von Länder- und Spartengrenzen: Es geht ums Überleben.“

Die Reaktion — radikaler Umbau: Die Großen suchen ihr Heil in weitreichenden Strukturreformen, sie wollen die zukunftsträchtigen erneuerbaren von den herkömmlichen Energien trennen. Zunächst kündigte Eon eine Radikalkur an: die Abspaltung fossiler Kraftwerke in die neue Gesellschaft Uniper — die erst auch die Nuklearsparte samt Akw- Rückbau bekommen sollte — und den Verbleib von Ökostrom, Netzen, Vertrieb und Atom im Hauptkonzern. Umgekehrt macht es RWE: Erneuerbare auslagern, Konventionelle in der „alten“ RWE behalten. „Wir zerschlagen den gordischen Knoten“, sagte Konzernchef Peter Terium. Auch große Stadtwerke richten sich neu aus.

Stromkunden werden kaum entlastet: Die Stromkunden merken von den Börsen-Tiefstpreisen wenig, die Tarife für Verbraucher gaben bei vielen Anbietern 2015 nur leicht nach. Und 2016 müssen sie oft tiefer in die Tasche greifen. Nur wenige Versorger wollen die Preise senken, mehrere stellten dagegen Erhöhungen um im Schnitt drei Prozent in Aussicht. Immerhin: Eon-Finanzchef Michael Sen kündigte an, den Strompreis über den Jahreswechsel hinaus stabil zu halten. Auch RWE deutete an, die Kosten in der Grundversorgung vorerst nicht anzuheben.

Innovationen dringend gesucht: Weg von der reinen Erzeugung, hin zu Dienstleistungen — das haben sich alle Versorger auf die Fahnen geschrieben. Einige hunderttausend „Smart Home“-Anlagen zur Steuerung von Licht und Heizung im Eigenheim hat RWE verkauft. „Smart Metering“ — die bedarfsgenaue Abrechnung anstelle normaler Abschläge — ist ebenfalls ein Thema. Der Konzern versucht zudem, als Marktführer beim Ausbau des E-Auto-Ladenetzes zu punkten. Bei Eon haben sich die Marketing-Strategen skurril anmutende Angebote wie die Kopplung von Stromvertrag mit Schlüssel-Notdienst, PC-Datenrettung oder Schädlingsbekämpfung einfallen lassen.

„Unabhängig von Länder- und Spartengrenzen: Es geht ums Überleben.“
Matthias Hartung, RWE-Kraftwerkchef

LN

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