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Wirtschaft im Norden Hier gibt’s Babynahrung für Fische
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18:21 08.07.2017
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Teterow

Wie andere Neugeborene auch können die Jungfische bestimmter Arten in den ersten Lebenswochen nicht die gleiche Nahrung wie ausgewachsene Tiere aufnehmen. „Die Fischlarven brauchen Futter, das sich bewegt, damit sie zustoßen und fressen“, erklärt Hanno Bährs, Geschäftsführer der Aquacopa GmbH in Teterow (Landkreis Rostock). Ältere Fische dagegen bekommen Trocken- oder Frostfutter.

Existenzgründer in Teterow stellen ein spezielles Lebendfutter für frisch geschlüpfte Zander in Aquakulturen her.

Das im März 2016 gegründete Unternehmen produziert seit vergangenem Herbst Copepoden, das sind Ruderfußkrebse von höchstens einem Millimeter Länge, sowie anderes Zooplankton wie Rädertierchen und Wasserflöhe. Die Tierchen werden lebendig an Zierfische in Meerwasseraquarien verfüttert. Dieser Markt ist jedoch sehr klein. Die beiden Existenzgründer – Bährs, ein promovierter Biologe, und sein Geschäftspartner Matthias Krey, ein Wirtschaftsingenieur – streben größere Maßstäbe an. Sie wollen massenhaft Lebendfutter für Speisefische produzieren, die in Aquakulturanlagen heranwachsen.

Derzeit laufen Fütterungsexperimente in der Zanderbrutanlage der Landesforschungsanstalt in Hohen Wangelin. Sie forscht an der Aufzucht von Zandern in Kreislaufanlagen. Außerdem gebe es Fütterungsexperimente mit Flussbarschen und Ostseeschnäpeln, an deren Aufzucht in Aquakulturanlagen ebenfalls geforscht wird, wie Bährs berichtet. Projektleiter Marcus Stüeken in Hohen Wangelin zufolge ist das Futter genau richtig. Er brauche Lebendfutter, das ganzjährig zur Verfügung steht, denn Zander in Aquakulturanlagen können sich bei Simulation der Jahreszeiten das ganze Jahr über fortpflanzen.

Ansonsten müsste das Zooplankton aus Seen geholt werden. „Das ist immens aufwendig und kostet viel Arbeitszeit“, sagt er. Außerdem bestehe die Gefahr, Krankheiten einzuschleppen. Und außerhalb der Reproduktionszeiten der Fische gebe es gar keins. Das Futter aus Teterow habe noch den Vorteil, dass es in Salzwasser heranwachse. „Potenzielle Krankheitserreger wie Bakterien sterben im Süßwasser ab“, sagt Stüeken. Die kleinen Krebse und noch kleineren Rädertierchen allerdings auch – doch noch schneller werden sie gefressen. Die durchsichtigen Zanderlarven messen nach dem Schlüpfen nur drei bis vier Millimeter. Wenn sie fünf bis sechs Millimeter lang sind, verspeisen sie schon Ruderfußkrebse von einem halben Millimeter Länge.

Für Aquacopa bleibt als zweites Standbein und als eine Art Nischenprodukt der Onlineshop für Meerwasseraquarianer. „Nur etwa zehn Prozent der privaten Aquarianer betreiben Meerwasseraquarien“, sagt Bährs. Diese seien aufwendiger als Süßwasseraquarien und erforderten viel Wissen über Fische und Korallen. Die Aquarianer wüssten jedoch auch den Wert von gutem Lebendfutter zu schätzen. Nicht nur die Produktion in 20 Becken in einer 80 Quadratmeter kleinen Industriehalle sei aufwendig, sondern auch die Verpackung in Fischtransportbeuteln und der Versand. Die Temperatur dürfe auch im Sommer 25 Grad nicht überschreiten.

Einfacher sei es dann schon, 30-Liter-Eimer mit Lebendfutter in das 25 Kilometer entfernte Hohen Wangelin zu liefern. „Im Lebendfutter für Speisefische sehen wir eine Perspektive“, sagt Bährs.

Angesichts der Überfischung der Weltmeere und der Bedingungen, unter denen in Asien zum Teil Fisch produziert werde, führt nach seiner Ansicht kein Weg an Kreislaufanlagen vorbei. „Wenn wir in den nächsten Jahren noch Speisefische essen wollen, müssen wir sie vor Ort vernünftig produzieren“, argumentiert er.

Das Agrarministerium von Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin unterstützt die Entwicklungsarbeit des jungen Unternehmens in Teterrow mit 67000 Euro. Der Fördermittelbescheid soll den Existenzgründern am morgigen Montag übergeben werden.

Birgit Sander

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