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„Höheres Risiko zahlt sich aus“

Lübeck „Höheres Risiko zahlt sich aus“

Wie sollte man sein Geld in Zeiten historisch niedriger Zinsen am besten anlegen? Sind Immobilien immer noch ratsam – trotz großer Preissteigerungen vor allem in den Städten? Frank Haberzettel, Commerzbank-Bereichsvorstand für Privatkunden in Norddeutschland, gibt Tipps im LN-Interview.

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Zwei Tiere mit Symbolcharakter für die Entwicklungen an der Börse: Der Bulle steht für steigende, der Bär für fallende Aktienkurse.

Quelle: Foto: Fotolia

Lübeck. Welche Anlagen haben sich im Jahr 2017 gelohnt, was waren Flops?

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Wie sollte man sein Geld in Zeiten historisch niedriger Zinsen am besten anlegen? Sind Immobilien immer noch ratsam – trotz großer Preissteigerungen vor allem in den Städten? Frank Haberzettel, Commerzbank-Bereichsvorstand für Privatkunden in Norddeutschland, gibt Tipps im LN-Interview.

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Frank Haberzettel: Die Anleger an den Aktienmärkten waren die großen Gewinner. Es war ein fulminantes Aktienjahr. Wir sind selbst etwas überrascht worden, dass der Dax um 15 Prozent gestiegen ist. Das hat unsere Erwartungen übertroffen. Davon haben unsere Anleger profitiert, die Aktien beigemischt haben. Die großen Verlierer sind diejenigen, die auf Anleihen, Sparprodukte, Fest- und Termingeld gesetzt haben. Da gab es teils sogar Verluste, wenn man den negativen Effekt der Inflation berücksichtigt. Eine höhere Risikobereitschaft hat sich sehr ausgezahlt.

Welche Einzelaktien oder Fonds haben sich besonders gelohnt?

Am besten sind Schwellenländer- Anlagen und europäische Aktienfonds gelaufen. Sie haben sehr stark profitiert. Aber auch mit der Entwicklung am deutschen Markt können wir sehr zufrieden sein. Wir raten weniger zu Einzelaktien, mehr zu Produkten mit aktivem Vermögensmanagement.

Also Aktien der Dax-Konzerne?

Ja, aber auch in der zweiten Reihe im M-Dax hat es sehr gute Entwicklungen gegeben. Doch gerade bei Nebenwerten ist eine gute Streuung unerlässlich. Deshalb empfehlen wir auch hier unseren Kunden, über aktiv gemanagte Fonds oder Indexfonds zu investieren.

Wer sein Geld auf dem Konto lässt, erlebt in der Niedrigzinsphase einen großen Wertverlust. Würden Sie also auch 2018 voll auf Aktien setzen?

Ja, wir gehen davon aus, dass auch 2018 ein gutes Börsenjahr wird. Denn die Konjunktur läuft weiter auf Hochtouren und beschert den Unternehmen weiter steigende Gewinne. Eines ist aber ganz klar:

Die Risiken werden größer. Die Erwartungen der Anleger und die Bewertungen an den Märkten sind relativ hoch. Aktives Management des Aktienbesitzes wird wichtiger, weil wir nicht davon ausgehen können, dass sich die Zuwächse wie 2017 wiederholen werden. Deswegen müssen wir genauer hingucken. Die Wertentwicklung muss härter erarbeitet werden als noch 2017.

Seit Jahren raten Bankexperten, Geld verstärkt in Aktien anzulegen. Sehen Sie Fortschritte?

Ja. Was wir merken ist, dass deutlich mehr Kunden in Anlagelösungen investieren. Sie akzeptieren jetzt höhere Aktienanteile. Auch mangels Alternativen. Wir gehen nicht davon aus, dass absehbar die Zinswende kommt. Auf lange Sicht kann die Bundesanleihe, deren Rendite zurzeit bei 0,3 Prozent liegt, auf ein Prozent steigen. Aber selbst dann wäre das ja keine Rendite, die wir unseren Anlegern ernsthaft empfehlen können. Bei einer Inflation von 1,5 Prozent.

Die Immobilienpreise in Großstädten sind für viele Menschen nicht mehr erschwinglich. Ist eine Geldanlage in Immobilien immer noch anzuraten? Was sollten Anleger beobachten?

Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten, zum einen die Direktinvestition, also der Kauf eines Hauses oder einer Wohnung, zum anderen Fondslösungen. Wir empfehlen unseren Kunden offene Immobilienfonds als defensive Komponente in ihren Anlagen. Auch im nächsten Jahr erwarten wir da Renditen von zwei bis drei Prozent, das ist schon sehr attraktiv.

Ist es sinnvoll, unter Renditeaspekten in Großstädten eine Immobilie zu kaufen?

Die Immobilie würde ich mir in jedem Einzelfall sehr genau ansehen, weil die Mietpreise mit den Preissteigerungen nicht mithalten. Aber in der Breite sehen wir in Deutschland keine Immobilienblase. Das Angebot übersteigt nicht die Nachfrage, wir haben keine undisziplinierte Kreditvergabe der Banken und wir haben weiterhin einen hohen Eigenkapitaleinsatz. Von daher sehen wir keine Risiken einer Blasenbildung.

Wie viele Filialen haben Sie zurzeit und wie viel im Jahr 2020? Planen Sie Schließungen?

In der Niederlassung Lübeck haben wir 18 Filialen, in ganz Schleswig-Holstein 39, und dabei bleibt es. An ausgewählten Standorten wie in Hamburg werden wir sogar neue Filialen eröffnen. Wir sind tief davon überzeugt, dass in der Kombination von persönlicher Beratung und digitalen Angeboten der Mehrwert für die Kunden liegt. Von daher sind die Filialen für uns unverzichtbar. Mit der Lübecker Niederlassung sind wir sehr zufrieden.

Wie entwickelt sich Ihr Geschäft mit Ratenkrediten und Privatgirokonten? Welche Ziele haben Sie?

Es kommen viele neue Kunden zu uns. In Lübeck haben wir in den 18 Filialen 6000 Kunden netto neu dazugewonnen auf jetzt 147000 Kunden. Das bedeutet, wir haben die Zahl der Neukunden in den ersten neun Monaten 2017 um 50 Prozent gesteigert. Mit unserem Top-Produkt, dem privaten kostenlosen Girokonto, gewinnen wir unsere meisten Kunden. Aber auch unsere Baufinanzierung und das Wertpapiergeschäft sind gute Argumente.

Andere Banken erheben wegen der Niedrigzinsphase Gebühren oder erhöhen sie. Was planen Sie?

Natürlich schauen wir uns die Kostensituation intensiv an. Was ich aber sicher ausschließen kann: Wir werden von unseren Kunden keine Gebühr für Abhebungen an unseren Geldautomaten nehmen. Und wir werden auch unser Top-Produkt, das kostenlose Girokonto, behalten. In Lübeck gab es vom Marktführer eine sehr spürbare Preiserhöhung. So etwas planen wir nicht.

Sehen Sie Konzentrationsprozesse bei Kreditinstituten?

Viele regionale und überregionale Banken probieren es mit Filialschließungen, das halten wir für falsch. Wir fühlen uns mit unserer Strategie „persönlich und digital“ sehr wohl. Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass andere Kreditinstitute an ihrem Kurs festhalten.

Ihre Konkurrenz kritisiert oft, dass die Commerzbank jahrelang dank staatlicher Hilfe einen Wettbewerbsvorteil hatte. Was entgegnen Sie?

Diese Kritik kommt immer wieder von Wettbewerbern, die zu hundert Prozent in öffentlich-rechtlichem Besitz sind. Wir waren vor einigen Jahren auf eine Eigenkapitalhilfe des Bundes angewiesen, das war für uns sehr wichtig und wir sind sehr dankbar, dass wir sie erhalten haben. Die haben wir mit Zinsen zurückgezahlt. Heute ist der Bund unser größter Aktionär. Ich kann aus dieser 15-prozentigen Beteiligung aber keinen Wettbewerbsvorteil erkennen.

Milliardenhilfe vom Staat in der Finanzkrise

Die Commerzbank AG ist die zweitgrößte deutsche Bank, hat ihren Hauptsitz in Frankfurt am Main und ist als Universalbank tätig. Das im Februar 1870 in Hamburg gegründete Kreditinstitut betreut heute weltweit fast elf Millionen Privat- sowie eine Million Geschäfts- und Firmenkunden.

Im Zuge der Finanzkrise musste die Commerzbank den staatlichen Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) in Anspruch nehmen. Insgesamt wurden der Bank zusammen mit der Kapitalerhöhung 18,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, die sie zurückzahlen musste.

Christian Risch

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