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Hoher Kostendruck: Höfesterben im Norden nimmt kein Ende

Rendsburg Hoher Kostendruck: Höfesterben im Norden nimmt kein Ende

Das Höfesterben in Schleswig-Holstein ist nicht aufzuhalten. Das sagt Stephan Gersteuer, Geschäftsführer des Bauernverbandes Schleswig-Holstein. Trotz derzeit guter Milch- und zuletzt zufriedenstellender Schweinepreise verschwinden Jahr für Jahr Hunderte Betriebe von der Bildfläche.

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Ein Mähdrescher bei der Ernte von Gerste: Große landwirtschaftliche Flächen sind Voraussetzung, heute rentabel arbeiten zu können.

Quelle: Foto: Runge/dpa

Rendsburg. Rund 12000 landwirtschaftliche Betriebe gibt es im Norden noch. Doch die Zahl nimmt mit jedem Jahr um rund zwei Prozent ab. Und ein Ende dieser Entwicklung sei nicht abzusehen, sagen Experten.

„Wer im Ackerbau noch Geld verdienen will, braucht mindestens 300, besser 500 Hektar. Oder er muss mit anderen Landwirten kooperieren“, sagt Gersteuer. Viele kleine Betriebe sterben, die landwirtschaftlichen Einheiten werden immer größer. Stimmen die wirtschaftlichen Voraussetzungen auf einem Hof nicht mehr, sei die nächste Generation nicht bereit, einen Betrieb vom Vater zu übernehmen. Auch weil studierte Agrarwirte in der Wirtschaft gefragte Leute seien und dort gutes Geld verdienen. Also fehlt es an Nachwuchs.

„Aber auch die Bürokratie belastet uns zunehmend“, sagt Gersteuer zu den Ursachen. „Dabei sind wir doch Landwirte geworden, um nicht am Schreibtisch zu sitzen.“ Weil das mittlerweile so ist, bietet der Bauernverband seinen Mitgliedern ab Dezember zur Erleichterung eine App an, die Landwirte an ihre Fristen und Pflichten erinnert. „Mehr als 300 Punkte mussten aufgenommen werden.“

Schließlich führe das schlechte Image des Berufsstandes in der Öffentlichkeit dazu, dass Landwirte das Handtuch warfen. Stichwort: Herbizide. Derzeit läuft eine erbitterte Diskussion um den weiteren Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat angesichts der anstehenden EU-Entscheidung auf Hochtouren.

Die Landwirtschaftskammer bietet gezielt Beratung an. „Zum einen für Betriebe in finanzieller Not, zum anderen aber auch für Betriebe, die sich neu aufstellen wollen oder große Veränderungen vor sich haben“, sagt Kammersprecherin Daniela Rixen. Nach Einschätzung der Kammer werden in zehn Jahren nur Höfe überlebt haben, „die sich frühzeitig mit ihrer Zukunft beschäftigten, mit Landwirten, die bereit waren, sich weiterzubilden“. Wichtig sei es, einen Blick über den Tellerrand zu wagen. Gefordert seien heute vor allem Management-Qualitäten.

Die Landwirtschaft sei über die Jahrzehnte immer effizienter geworden, sagt Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zu den Gründen für den Strukturwandel. „Das hat die Gesellschaft reich gemacht: Je effizienter und günstiger die Landwirte produzierten, desto günstiger wurden Lebensmittel. Desto mehr Geld blieb für andere Ausgaben.“ Für kleinere Betriebe aber sei es deutlich schwerer, in neue Techniken zu investieren, die mehr Effizienz erlauben. Inzwischen kehre sich dieser Weg zunehmend gegen die Landwirtschaft selbst, sagt Habeck. „Landwirte arbeiten unter enormem Kostendruck.

Teils decken die Gewinne nicht mehr die Kosten. Der Druck, am Markt mitzuhalten allein aufgrund von billigen Preisen, ist enorm.“

Habeck verlangt deshalb Alternativen, die den Landwirten abseits von „immer billiger und immer mehr“ wirtschaftliche Perspektiven erlauben. Dazu zählt der Grünen-Politiker Direktvermarktung, Ökolandwirtschaft und Betriebe, die Tierwohl und Umweltschutz in ihre Produktion integrieren. „Wenn wir nicht umsteuern“, sagt der Minister, „haben wir eines Tages einen ländlichen Raum ohne Bauern.“

Curd Tönnemann

LN

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