Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 11 ° Sprühregen

Navigation:
Hühnerbeine für Afrika

Hannover Hühnerbeine für Afrika

Deutsche Geflügelfleisch-Überschüsse landen in Entwicklungsländern. Hilfsorganisationen schlagen Alarm.

Voriger Artikel
Azubi gestorben: Chefs verurteilt
Nächster Artikel
Industrie- und Handelskammern wollen den Schulterschluss

445 000 Tonnen Geflügelfleisch wurden im Jahr 2012 ins Ausland exportiert.

Quelle: Foto: dpa

Hannover. Sensationelle Zuwachsraten von 120 Prozent — und das in Afrika? Die deutsche Geflügelindustrie macht‘s möglich. Insgesamt 47 000 Tonnen Geflügelfleisch exportierte sie im vorigen Jahr nach Branchenangaben auf einen Kontinent, der in Europa noch immer allzu häufig mit Hunger, Krieg und Katastrophen in Verbindung gebracht wird. „Vorher gab es so gut wie keine Exporte dorthin“, sagt Anika Folgart vom Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft.

Hilfsorganisationen wie Brot für die Welt beobachten den Trend wegen der Auswirkungen der Billigimporte auf die Preise afrikanischer Produzenten zunehmend skeptisch. Afrika sei für Geflügelfleischreste aus Deutschland und dem Rest der EU zum wichtigsten Exportmarkt geworden, erklärt Francisco Marí, Agrarhandelsexperte bei Brot für die Welt. „Überall dort, wo wir uns bemühen, eine von Importen unabhängige Lebensmittel-Produktion aufzubauen, wird das zum Problem“, klagt er. Deutschland reihe sich dabei ein in ähnliche Exportströme aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden.

Was hat den Boom ausgelöst? „Deutsche Geflügelexporte nach Afrika sind noch relativ neu, sie zogen erst in den letzten Jahren an“, sagt Margit Beck vom Branchendienst Marktinfo Eier und Geflügel (MEG) in Bonn, der sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes stützt.

2012 führten deutsche Geflügelhersteller demnach 445 000 Tonnen Fleisch ins Ausland aus, 322 000 Tonnen davon in die EU-Länder. Mehr als die Hälfte kam aus Niedersachsen — Deutschlands Hühnerstall Nummer eins, wenn es um industrielle Mästung geht. 47 000 Tonnen des Fleisches — rund ein Zehntel der Exporte — landeten in Afrika.

„Länder wie Ghana und Benin gehören zu den Absatzmärkten dort, spielen aber eine untergeordnete Rolle“, sagt Beck. Die Masse deutscher Geflügelexporte geht nach Südafrika. Nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ermöglicht ein bilaterales Abkommen den Marktzugang. Innerhalb von nur zwei Jahren hat sich der Kap-Staat so unter den Nicht-EU-Ländern nach der Ukraine zum zweitgrößten Abnehmer deutschen Geflügelfleisches entwickelt.

Der Export gefrorener Hühnerhälften oder -schenkel dorthin zog 2012 auf 21 245 Tonnen an (Vorjahr: 1969 Tonnen). „Seit Ende 2010 gibt es ein abgestimmtes Veterinärzertifikat zwischen Südafrika und Deutschland“, erläutert Folgart. Zu den Billigprodukten zählen in Europa kaum nachgefragte Geflügelteile wie etwa Flügel. „Das sind Reste der Reste, die hier keiner haben will“, sagt Marí. Das Gefrierfleisch, das aus Deutschland nach Afrika verschifft wird, kann nach seinen Erkenntnissen Afrikas Bauern vom Markt drängen. Gegen billige Importware hätten sie kaum eine Chance. „Es ist ja auch aus ökologischer Sicht ein Wahnsinn, den Abfall mit viel Aufwand dorthin zu transportieren“, meint Simone Pott von der Welthungerhilfe.

Fettarm und immer beliebter
20 Prozent des in der Europäischen Union verzehrten Fleisches ist Geflügelfleisch. In Deutschland wurden im Jahr 2011 pro Kopf 18,9 Kilogramm verzehrt, bei einem Gesamtfleischverbrauch von 89,2 Kilogramm pro Kopf. Damit ist Geflügel die zweitbeliebteste Fleischsorte nach Schweinefleisch und liegt noch vor Rindfleisch. Geflügel ist vor allem deshalb begehrt, weil es weniger Fett und Kalorien enthält als andere Fleischsorten. Pro Tag werden laut „Frankfurter Rundschau“ bundesweit 1,7 Millionen Hühnchen geschlachtet. Die überschüssigen Erzeugnisse werden ins Ausland exportiert. 99,9 Prozent des Geflügelfleisches stammen aus industrieller Massentierhaltung.

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft im Norden
DAX
Chart
DAX 12.634,50 +0,58%
TecDAX 2.403,00 +0,17%
EUR/USD 1,1902 -0,77%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

RWE ST 20,88 +3,87%
THYSSENKRUPP 26,05 +3,05%
E.ON 9,46 +2,97%
FRESENIUS... 68,95 -1,05%
INFINEON 20,66 -0,85%
LUFTHANSA 22,77 -0,49%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 141,47%
Allianz Global Inv AF 111,20%
Commodity Capital AF 108,68%
Crocodile Capital MF 99,99%
Apus Capital Reval AF 87,41%

mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.