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Wirtschaft im Norden IHK Lübeck: Zwei Gütetermine geplatzt
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden IHK Lübeck: Zwei Gütetermine geplatzt
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22:28 18.10.2013
Matthias Schulz-Kleinfeldt, abberufener Hauptgeschäftsführer.
Lübeck

Im Streit um die Abberufung des Lübecker IHK-Hauptgeschäftsführers und bei der Suche nach einem Nachfolger ist auch Monate nach der Trennung von Matthias Schulz-Kleinfeldt (63) keine Lösung abzusehen. Zwei anberaumte Gütetermine am Lübecker Landgericht, die beide Seiten mit Unterstützung eines Streitschlichters auf einen Nenner bringen sollten, sind abgesagt.

Auch die Suche nach einem neuen Hauptgeschäftsführer kommt offenbar nicht in Gang. „Es besteht keine Eile“, erklärte IHK-Präses Friederike C. Kühn auf Nachfrage. Die Kammer sei durch den amtierenden Hauptgeschäftsführer in vollem Umfang handlungsfähig.

Dem Vernehmen nach hatte es für den Posten des Lübecker IHK-Chefs bereits vor Monaten mindestens ein Gespräch mit dem ehemaligen CDU-Landesvorsitzenden und Ex-Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) gegeben. Als die Personalie frühzeitig öffentlich wurde, war der Plan offenbar zerstört. Inzwischen fragen sich die ersten der 64 Vollversammlungsmitglieder, Vertreter von 70 000 Unternehmern aus dem Großraum Lübeck, was an der Spitze ihrer Interessenvertretung los ist. Präses Kühn versucht zu beruhigen. „Lars Schöning genießt das volle Vertrauen von Präses und Präsidium und führt die Geschäfte bis zur endgültigen Entscheidung für einen neuen Hauptgeschäftsführer.“ Kammersprecher Can Özren verweist darauf, dass man sich bereits bei früheren Wachablösungen teilweise reichlich Zeit genommen habe. Nach LN-Informationen liegen bei der IHK einige Initiativbewerbungen auf dem Tisch. Über Namen schweigt man sich aus.

Schulz-Kleinfeldt war im Juni von der Vollversammlung der Kammer das Vertrauen entzogen worden. Eine ordentliche Kündigung des Präsidiums wurde in eine fristlose Kündigung gewandelt, der inzwischen eine zweite fristlose Kündigung nachgeschoben wurde. Das IHK-Präsidium versucht, die Trennung damit rechtssicherer zu machen. Damit scheinen die Fronten vor einem Gütetermin bei Gericht, der nach zwei geplatzten Anläufen Anfang November stattfinden soll, verhärteter denn je.

Das IHK-Präsidium hatte die erste fristlose Kündigung ausgesprochen, weil Schulz-Kleinfeldt gegenüber der Universität Lübeck unabgestimmt eine Zuwendungszusage über eine halbe Million Euro aus dem IHK-Budget gemacht haben soll. Mit Verweis auf diese Summe stellte die Uni einen Förderantrag beim Bund. Es geht dabei um eine Stiftungsprofessur. Inzwischen haben Notbeschlüsse der IHK dafür gesorgt, dass das Projekt nicht kippte. Seitens der Kammer fließen nun in drei Partien jeweils 50 000 Euro. Ergänzend springt die Possehl-Stiftung mit 100 000 Euro ein.

Die zweite fristlose Kündigung erfolgte nach LN-Recherchen, weil über das Umfeld von Schulz-Kleinfeldt interne Protokolle in die Vollversammlung gelangt sind, ohne dafür bestimmt zu sein. Das Präsidium geht davon aus, dass nur Schulz-Kleinfeldt sie weitergegeben haben kann. Mutmaßliches Ziel: Präsidiumsmitglieder, allen voran Ex-Präses Bernd Jorkisch, bloßzustellen. In den Augen der IHK-Spitze beging Schulz-Kleinfeldt mit Weitergabe dieser Interna eine weitere Dienstrechtsverletzung.

Schulz-Kleinfeldt behauptet, sämtliche Vorwürfe gegen ihn seien an den Haaren herbeigezogen und würden vom IHK-Präsidium hochgepuscht. Es sei einzig darum gegangen, ihn loszuwerden. Aktuell will sich Schulz-Kleinfeldt nicht zu den jüngsten Vorgängen äußern. Der abberufene Hauptgeschäftsführer kämpft um die Auszahlung seiner Bezüge bis zum eigentlichen Vertragsende 2016, außerdem um die Hälfte seiner letzten Bonizahlungen. Sein jährliches Grundsalär lag bei 115 000 Euro.

„Lars Schöning führt die Geschäfte bis zur endgültigen Entscheidung.“
Präses Friederike C. Kühn

Curd Tönnemann

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