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Wirtschaft im Norden IHK-Präsidium: Neue Vorwürfe gegen Ex-Chef
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23:18 03.09.2013
Um seine Abberufung geht es: Ex-IHK-Hauptgeschäftsführer Matthias Schulz-Kleinfeldt (62).

Die Abberufung ihres Hauptgeschäftsführers lässt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lübeck nicht los. Gestern Abend beschäftigte sich die Vollversammlung der Kammer erneut mit der Personalie Matthias Schulz-Kleinfeldt (62). Das Präsidium legte dabei weitere Vorwürfe auf den Tisch. Demnach soll Schulz-Kleinfeldt eigenmächtig und unabgestimmt Gespräche über eine halbe Million Euro für eine Stiftungsuni geführt haben. Offenbar fordert die Uni das Geld inzwischen ein. Einen schriftlichen Beleg für Schulz-Kleinfeldts Handeln gibt es nach LN-Informationen anscheinend nicht.

Das Präsidium wollte sich zu den neuen Vorwürfen gegen Schulz- Kleinfeldt nicht äußern. Es gehe um den Schutz unbeteiligter Dritter, hieß es zur Begründung. Teilnehmer der Runde berichteten von einer „hitzigen Diskussion“. Einer sagte: „Das war keine Sternstunde heute.“ Präses Friederike C. Kühn teilte nach vierstündiger Sitzung auf Anfrage lediglich mit, die Vollversammlung habe dem Präsidium den Auftrag erteilt, „Schulz-Kleinfeldt ein neues Angebot zu machen“. Was das konkret bedeutet, wollte sie nicht sagen.

Vollversammlungsmitglieder hatten gefordert, in dieser Sache endlich für Ruhe zu sorgen und auf Biegen und Brechen zu einer Einigung zu kommen. Ein Knackpunkt dabei ist der Dienstwagen, den Schulz-Kleinfeldt behalten möchte. In dieser Sache will das Präsidium jedoch nicht nachgeben.

Schulz-Kleinfeldt war gestern Abend nicht zugegen. Dem Vernehmen nach hatte er die Vorwürfe vor Ort persönlich mithören wollen, um gegebenenfalls zu reagieren. Mit dem Hinweis, dass er kein Mitglieder der Kammer mehr sei, wurde ihm eine Teilnahme an der Vollversammlung angeblich verwehrt.

In den vergangenen Wochen war konkret im Dunkeln geblieben, welche Versäumnisse Schulz- Kleinfeldt vorgehalten werden. Von einem „gestörten Vertrauensverhältnis“ zur IHK-Spitze war lediglich die Rede. Der Hauptgeschäftsführer soll IHK-Präses Kühn nicht ausreichend mit angeforderten Informationen versorgt haben, etwa im Zusammenhang mit dem Hansebelt-Projekt. Auch wurde moniert, dass die Verlängerung seines Arbeitsvertrages durch Vorgänger-Präses Christoph Andreas Leicht nicht ordnungsgemäß gewesen sei. Einem Teil der Vollversammlungsmitglieder war diese Argumentation zu dünn gewesen. Die IHK-Spitze verwies darauf, dass man in der Öffentlichkeit keine Details preisgeben wolle.

Schulz-Kleinfeldt war Anfang Juni von der Vollversammlung nach emotionaler Debatte mit 31:18- Stimmen vom Amt des Hauptgeschäftsführers abberufen worden. Das IHK-Parlament folgte damit einem Antrag seines Präsidiums. Schulz-Kleinfeldts Vertrag hatte eine Restlaufzeit von drei Jahren.

Vor drei Wochen hatte Schulz- Kleinfeldt beim Landgericht Lübeck Klage gegen seinen Rausschmiss eingereicht. Damit war eine gütliche Einigung, die beide Seiten öffentlich bekundet anstrebten, zunächst vom Tisch.

Bei dem Rechtsstreit geht es für Schulz-Kleinfeldt um die Unwirksamkeit seiner Kündigung. Für den Ex-Chef stehen Bezüge im sechsstelligen Euro-Bereich und anteilige Boni-Zahlungen auf dem Spiel. Ob Schulz-Kleinfeldt seine Klage aufrecht erhält, war gestern Abend unklar. Für eine Stellungnahme war er nicht erreichbar.

Das Parlament der Wirtschaft im Raum Lübeck
Die 64-köpfige Vollversammlung ist das Parlament der IHK Lübeck. Gewählt wird alle sechs Jahre in neun verschiedenen Wahlgruppen unterschiedlicher Branchen und in fünf Wahlkreisen (Hansestadt Lübeck und die Kreise Ostholstein, Segeberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg).

Die Aufteilung in Wahlbezirke und branchenbezogene Wahlgruppen erfolgt, um dem IHK-Gesetz genüge zu tun: Die Vollversammlung soll die Wirtschaftsstruktur des gesamten IHK-Bezirks widerspiegeln. Deshalb wird vor jeder Vollversammlungswahl geprüft, ob die Gewichtung noch stimmt.

Curd Tönnemann

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