Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Im Gigaliner unterwegs

Neumünster Im Gigaliner unterwegs

Ingo Meyer von der Spedition Voigt in Neumünster fährt einen der ersten Lang-Brummis im Land.

Voriger Artikel
Rekordjahr für die Mach AG
Nächster Artikel
Flüchtlinge werden Handwerker

Auf der Bundesstraße 205: Mit Tempo 60 ist der Gigaliner der Spedition Voigt unterwegs Richtung Neumünster.

Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Neumünster. Ingo Meyer hat den längsten. Nicht, dass er die Botschaft, wie manche Kollegen, auf das Heck seines Lasters kleben würde. Aber der Gigaliner, den er täglich von Neumünster nach Hamburg steuert, ist 25 Meter lang. „Sieben Meter länger als ein normaler Lkw“, versichert der Kraftfahrer.

LN-Bild

Ingo Meyer von der Spedition Voigt in Neumünster fährt einen der ersten Lang-Brummis im Land.

Zur Bildergalerie

Vormittags um zehn Uhr auf dem Hof der Spedition „Voigt“ in Neumünster: Der gelbe Lastzug mit dem Maxi-Anhänger ist an der Laderampe vorgefahren. Meyer schiebt leere Handwagen hinein, die zurück zum Lebensmittel-Großhändler „Lekkerland“ in Braak (Kreis Stormarn) sollen. „Ich hole dort Getränke, Süßigkeiten und Zigaretten“, sagt Meyer. Er steigt in das Führerhaus der Mercedes-Zugmaschine. 420 PS vibrieren kraftvoll unter seinem Sitz. Der Lastzug hat acht Achsen. „Drei mehr als ein Lkw üblicherweise hat“, erklärt er. „Das ist gut, denn über mehr Achsen kann der Lastzug besser gebremst werden.“

Trotzdem darf Meyer das Gewerbegebiet in Neumünster nur auf bestimmten Straßen verlassen. Er muss sich auf dem vorgeschriebenen Weg über die Bundesstraße 205 und die Autobahnen 21 und 1 zum Zielort begeben. Immerhin bis zu 40 Tonnen bringt sein Gespann auf die Straße. Da ist der Gesetzgeber vorsichtig. „Wir haben schon lange eine Sondergenehmigung für den Einsatz des Gigaliners“, sagt Meyer. „Ich mach das jetzt seit 2011.“

Der Vorteil liegt für Jörg Braatz, den Geschäftsführer der Spedition, auf der Hand. „Es gibt in Deutschland insgesamt zu wenig Fahrer, die Autobahnen sind voll, die Lkw-Parkplätze an den Raststätten meist besetzt.“ Da sei es ein großer Vorteil, mit einem Fahrer mehr Ladefläche auf die Straße bringen zu können. „Knapp sieben Meter mehr, das bedeutet, dass wir 18 Euro-Paletten zusätzlich laden können.“

Drei Gigaliner hat die Spedition Voigt, die 400 Mitarbeiter beschäftigt und über 100 Lkw verfügt. Damit ist sie eine der größten landesweit.

„In Schleswig-Holstein gibt es bisher sechs Gigaliner, die drei verschiedenen Speditionen gehören“, sagt Thomas Rackow vom Unternehmensverband Logistik Schleswig-Holstein in Neumünster.

Die Zahl der überlangen Straßen-Giganten könnte bald ansteigen, denn seit Jahresbeginn dürfen Gigaliner auf den freigegebenen Straßen ohne besondere Genehmigung betrieben werden. „Das macht es für uns deutlich leichter“, so Braatz. Um eine Genehmigung für eine Gigaliner-Verbindung nach Hannover zu bekommen, sei zuvor ein Jahr der Klärung mit den Behörden nötig gewesen.

Ingo Meyer ist unterdessen auf der Autobahn mit Tempo 80 unterwegs. Andere Lkw überholen darf er nicht, dafür ziehen die Kollegen an ihm vorbei. „Lekkerland“ in Braak ist auf den langen Lkw vorbereitet, die Laderampe liegt direkt gegenüber der Einfahrt. „Rückwärts an die Rampe, das ist schon ein bisschen kribbelig“, gibt Meyer zu. Obwohl: „Der Kollege fährt die Tour nach Rostock sogar mit zwei Anhängern.“

Wie immer geht alles reibungslos. Nur auf dem Rückweg bildet sich auf der Bundesstraße einige Kilometer vor Neumünster eine Schlange hinter Meyers Brummi. Kein Wunder: Schneller als Tempo 60 darf er hier nicht. Meyer zuckt die Achseln. „Was soll ich machen? Mal bin ich hinten in der Schlange, mal sind es andere.“ Nerven muss man schon haben in dem Job.

Im Logistik-Zentrum der Firma in Neumünster lädt Meyer gegen 14 Uhr die Lebensmittel ab. „Der Anhänger bleibt hier stehen.“ Als „normale“ Zugmaschine fährt der Lkw weiter auf den Hof, der Fahrer macht 45 Minuten Pause. Feierabend hat er noch lange nicht. „Sind noch ein paar Touren“, sagt er. Meyer ist daran gewöhnt. Den Job macht er seit 25 Jahren. Gelernt hat er mal Bergmann. „Aber ich will gar nichts anderes mehr machen als Laster fahren.“

Fahrer brauchen fünf Jahre Berufserfahrung

Seit Jahresbeginn dürfen in Deutschland überlange Lastwagen auf bestimmten Straßen fahren. Das Straßennetz, auf dem die Riesen-Laster unterwegs sind, ist derzeit fast 11 600 Kilometer lang.

Gigaliner können bis zu 25,25 Meter lang sein, das sind 6,5 Meter mehr als die bisher erlaubte Lkw-Länge. Sie dürfen bis zu 44 Tonnen schwer sein. Zuvor hatte es eine fünf Jahre lange Testphase gegeben. Drei von fünf Gigaliner-Typen sind freigegeben, für die beiden anderen wird die Testphase verlängert.

Die Fahrer müssen nicht extra geschult sein, müssen aber fünf Jahre ihren Führerschein haben, zudem fünf Jahre Erfahrung.

Marcus Stöcklin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft im Norden
DAX
Chart
DAX 13.142,50 +0,13%
TecDAX 2.545,00 +0,35%
EUR/USD 1,1776 -0,42%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

SAP 96,96 +1,52%
BMW ST 86,46 +1,24%
DAIMLER 71,28 +0,95%
RWE ST 17,35 -5,53%
FRESENIUS... 64,70 -2,03%
E.ON 9,18 -1,22%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 281,44%
Commodity Capital AF 224,11%
FPM Funds Stockpic AF 100,53%
BlackRock Global F AF 98,00%
Apus Capital Reval AF 95,76%

mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.