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Wirtschaft im Norden Immer mehr Gäste – und jetzt?
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21:12 21.06.2016

Trotz rückläufiger Zahlen im April befindet sich der Tourismus in Schleswig-Holstein weiterhin auf Wachstumskurs. Die unerwartet hohe Zahl an Urlaubsgästen führt jetzt bereits zu der Diskussion, wie der Ansturm zu bewältigen ist, damit die Gäste zufrieden in ihre Heimat zurückfahren. „Wir müssen den Schalter im Kopf umlegen“, fordert Marc Euler, Sprecher der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash). Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) sieht den Norden dagegen für den Tourismusboom im Wesentlichen gut gerüstet. Im Übrigen sei es Ziel der Tourismusstrategie, die Übernachtungszahlen bis zum Jahr 2025 auf 30 Millionen zu steigern.

Erst gestern saßen Spitzenvertreter von Dehoga und Land mit der Wirtschaftsförderung (WTSH) zusammen, um über die Herausforderungen zu diskutieren. „Es ist gut, dass wir einige neue große Hotels im Land geschaffen haben“, sagt Kim Hartwig (WTSH). „Wir haben allerdings Probleme mit fehlenden Fachkräften .“ Insbesondere im Servicebereich und in der Küche fehle es vielen Gastronomen und Hoteliers an Personal. Der Dehoga hatte bereits in der Vergangenheit vor massiven Engpässen gewarnt. Stefan Scholtis, Hauptgeschäftsführer beim Dehoga-Landesverband, wollte gestern nicht klagen. Er streicht die positive Seite des Urlauberansturms heraus. „Mehr Gäste bedeuten mehr Umsatz. Somit werden bei unseren Mitgliedern Gelder für Investitionen frei.“

Die Tash, die den Norden national und international vermarktet, stellt Forderungen. „Mit dem steigenden Interesse von Gästen müssen die Kapazitäten an Quartieren weiter wachsen“, appelliert Euler an die Wirtschaft. Und: „Je mehr Urlauber kommen, desto besser müssen die Verkehrswege sein.“

Damit sich die Entwicklung fortsetzt, dürfe sich die Qualitätsentwicklung nicht nur auf die öffentliche Infrastruktur und Hotels beschränken, verlangt Minister Meyer. Gerade kleinere und mittlere Betriebe will Meyer ermuntern, in Qualität, Angebot und Digitalisierung zu investieren. Viele Gäste buchten online und nutzten Bewertungsportale. Hierauf müssten touristische Betriebe gut vorbereitet sein, sieht Meyer Nachholbedarf im Norden.

Nach dem Aufwärtstrend der Tourismuszahlen in den vergangenen Monaten bescherte die frühe Lage der Osterferien der April-Statistik eine Delle. Laut Statistikamt Nord zählten die gewerblichen Beherbergungsstätten und Campingplätze im April 490000 Gäste und 1,68 Millionen Übernachtungen, was einem Minus von 7,5 Prozent bei den Gästeankünften und minus 12,9 Prozent bei den Übernachtungen entspricht. Unterm Strich aber bleibt ein sattes Plus für den Saisonauftakt. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres konnte die Zahl der Gäste um 5,9 Prozent und die Zahl der Übernachtungen um 5,5 Prozent gesteigert werden. Damit liege Schleswig-Holstein deutlich über dem Bundesschnitt, sagt Minister Meyer erfreut. Das stärkste Wachstum verzeichneten die Ostseebäder.

Curd Tönnemann

LN

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