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Wirtschaft im Norden Pflege: Ersetzt der Roboter die Menschen?
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Pflege: Ersetzt der Roboter die Menschen?
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18:49 10.09.2018
Die Zahl der Pflegebedürftigen wird laut einer Studie zunehmen. Quelle: dpa
Berlin/Kiel

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt und steigt. Bis zum Jahr 2035 seien voraussichtlich vier Millionen Menschen in Deutschland auf Pflege angewiesen, teilte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gestern in Berlin mit. In Schleswig-Holstein werden es weit über 100 000 Menschen sein. Die derzeitige Zahl der 244 000 Pflegefachkräfte müsse bundesweit um 44 Prozent steigen, konstatiert die Studie. Doch wie kommt man an hauptberufliche Pfleger?

Hauptberufliches Pflegepersonal zu finden und langfristig zu halten, sei schwierig. Der Job sei stressig, Schichtdienst sei häufig, sagt Christian Schultz vom Sozialverband Schleswig-Holstein. Dazu sei die Arbeit körperlich anstrengend. Erst in der vergangenen Woche hatten DGB und Verdi geklagt, Hunderttausende Pflegekräfte fühlten sich ausgezehrt. Insbesondere in der Altenpflege sei die Bezahlung schlecht. Der Sozialverband fordert, den Job endlich attraktiver zu machen, „etwa durch eine geringere Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich“. Altenpfleger verdienen laut IW mit 2621 Euro monatlich im Schnitt 19 Prozent weniger als Gesundheits- und Krankenpfleger – auch wenn die Löhne in den vergangenen Jahren gestiegen sind.

Der Kieler Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) sieht das genauso. Die Pflegeberufe müssten insgesamt attraktiver gemacht werden, „gerade im Bereich der Ausbildung“. Neben einer fairen Bezahlung brauche es auch einer höheren gesellschaftlichen Anerkennung. Angesichts der demografischen Entwicklung könne es nicht allein um Gewinnung neuer Pflegekräfte gehen. Verstärkt müsse man sich um Mitarbeiterbindung und Wiedereinstieg in den Job bemühen. Hierbei spiele die Frage nach innovativen Arbeitszeitmodellen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Rolle. Auch der Einsatz neuer Technologie könne künftig für Entlastung sorgen, sagt Garg.

Wie aus einer repräsentativen Umfrage für die Techniker Krankenkasse hervorgeht, stehen 58 Prozent der Bundesbürger dem Einsatz von Pflegerobotern positiv gegenüber. 26 Prozent rechnen damit, dass in zehn Jahren jeder Pflegebedürftige von einem Roboter unterstützt wird.

„Pflege-Roboter“, die Menschen ersetzen, seien eine „Horrorvorstellung“, heißt es beim Sozialverband Schleswig-Holstein. „Das darf es niemals so geben“, sagt Christian Schultz.

Aktuell sind 98 000 Schleswig-Holsteiner pflegebedürftig, bundesweit sind es rund drei Millionen Menschen. In Schleswig-Holstein arbeiten nach Angaben des Kieler Gesundheitsministeriums 14 300 Fachkräfte in der ambulanten und stationären Pflege.

Curd Tönnemann

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