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Immer weniger Fahrer: Kunden müssen lange auf ihr Taxi warten

Kiel/Lübeck Immer weniger Fahrer: Kunden müssen lange auf ihr Taxi warten

Wer ein Taxi in Schleswig-Holstein bestellt, muss sich auf lange Wartezeiten einstellen. Wenn das Taxi überhaupt noch kommt. Gerade in ländlichen Regionen fahren Taxiunternehmen nach eigenen Angaben nachts oder sonntags gar nicht mehr – weil es sich kaum noch lohne.

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Kiel/Lübeck.  Der Landesverband für das Taxi- und Mietwagengewerbe berichtet, dass seine Mitglieder innerhalb dieses Jahres ein Viertel ihres Personals abgebaut haben. Als wesentlichen Grund nennt Verbandschef Thomas Krotz die Einführung des Mindestlohns zum 1. Januar 2015.

„Wir haben immer mehr Beschwerden von Anrufern: Wo bleibt mein Taxi?“, räumt Krotz ein. Kunden müssten Wartezeiten in Kauf nehmen, die sie früher nicht kannten. Grund: Viele der rund 600 Taxi- und Mietwagenunternehmer im Land hätten im großen Stil Personal abgebaut. Insbesondere Aushilfen hätten ihren Job verloren. Ob in Schleswig-Holstein auch weniger Taxen als die zuletzt gezählten 2600 auf den Straßen rollen, vermag Krotz nicht zu sagen. Gerade auf dem flachen Lande aber werde es immer schwieriger, ein Taxi zu bestellen, das sei Tatsache. 

Weiter an der Preisschraube zu drehen, sei beim Kunden – auch angesichts niedriger Dieselpreise – nicht durchsetzbar. Strukturell seien die Tarife zwar zu niedrig. „Es nutzt uns nichts, wenn der Preis richtig ist, der Kunde aber nicht zahlt.“ Kreise und kreisfreie Städte hatten die Taxitarife erst zu Jahresbeginn teils drastisch angehoben. In Lübeck kostet die Grundgebühr 3,20 Euro. Der erste gefahrene Kilometer schlägt mit zwei Euro zu Buche.

Andreas Wagner, Geschäftsführer der Lübecker Funktaxen, bestätigt, dass Fuhren in bestimmte Stadtteile immer mal wieder verspätet eintreffen. Dies sei aber in erster Linie auf die vielen Baustellen im Stadtgebiet zurückzuführen. Wagner sieht in Lübeck eine Tendenz zum selbstfahrenden Unternehmer. „Der sitzt auch für weniger als den Mindestlohn hinterm Steuer“, so Wagner.

„Das kommt davon, wenn gegen jede menschliche Vernunft politische Vorgaben durchgedrückt werden“, sagt Hans-Jörn Arp, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Seine Erfahrung: Selbst auf Vorbestellung sei im ländlichen Raum nachts und am Wochenende kaum mehr ein Taxi zu bekommen.

Das SPD-geführte Kieler Wirtschaftsministerium will von einer zugespitzten Lage nichts wissen. Die Zahl der in Schleswig-Holstein ausgegebenen Taxikonzessionen sei stabil. Lediglich in den Abendstunden von montags bis donnerstags habe es eine Ausdünnung von Fahrzeugen gegeben, räumt ein Sprecher ein.

An Hamburger Zahlen lässt sich der Niedergang des Taxigewerbes deutlich ablesen. Von 3700 Taxen, die noch vor zwei Jahren auf Hamburgs Straßen unterwegs waren, sind binnen zwei Jahren 500 verschwunden. Unterdessen laufen in vielen Bundesländern Schwerpunktaktionen der Zollbehörden, die überprüfen, ob den Taxifahrern wirklich Mindestlohn gezahlt wird – auch in Lübeck.

„Zu teuer“: Mehrheit verzichtet aufs Taxi

Die Mehrheit der Bundesbürger findet Taxifahren zu teuer und verzichtet darauf. Rund jeder Zweite (53 Prozent) fuhr in den vergangenen zwölf Monaten nicht mit einem Taxi. Das ergibt eine Umfrage des Instituts YouGov. Jeder Dritte nutzte es demnach seltener als ein Mal im Monat. 57 Prozent erklärten, die Preise seien zu hoch, lediglich 18 Prozent finden sie „gerade richtig“.
Der Fahrdienst-Vermittler Uber aus den USA hatte in Deutschland Privatleuten eine Plattform gegeben, um mit ihren Autos Fahrgäste günstiger zu befördern. Taxi-Branche und Behörden gingen rechtlich dagegen vor, der Dienst UberPop ist eingestellt worden.

Von Curd Tönnemann

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