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In Lübeck gebaut, in Lübeck getauft

Lübeck In Lübeck gebaut, in Lübeck getauft

Schiffsfreunde blicken mit Vorfreude auf die Taufe von "Mein Schiff 5" am Freitag. Früher gab es drei- oder viermal im Jahr in Lübeck große Schiffstaufen. Das war zu Zeiten, als die Stadt noch große Werften hatte. Vor allem die Flender Werft baute bis 2002 Container- und Passagierschiffe.

Flender-Direktor Schnoor übergibt 1973 Taufpatin und Bankiersgattin Elfriede Plett den Sekt zur Taufe des Panmax-Bulkcarriers „Propontis“.

Quelle: LN-Archiv

Lübeck. Mindestens drei- oder viermal im Jahr gab es früher in Lübeck Schiffstaufen. Das war zu Zeiten, als die Stadt noch große Werften hatte. Vor allem die Flender Werft baute bis 2002 Container- und Passagierschiffe.

LN-Bild

Hansestadt blickt auf lange Tradition zurück – Große Werften geschlossen – Morgen Zeremonie für „Mein Schiff 5“.

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Dieter Schumacher (75) erinnert sich noch gut daran. 45 Jahre arbeitete er bei Flender, von seiner Lehre als Schiffbauer 1958 bis zum bitteren Ende. Er war Meister, Betriebsratsvorsitzender und Aufsichtsratsmitglied.

„Anfangs war ich bei fast allen Taufen und Stapelläufen dabei“, sagt Schumacher. Später habe die Neugier dann nachgelassen. „Die Taufen waren meist in der Mittagspause, damit nicht so viel Arbeitszeit verloren ging.“ Das Interesse in der Belegschaft sei groß gewesen. „Wir hatten das Schiff doch mitgebaut.“

Ein spannender Augenblick war es, wenn das Schiff zu Wasser gelassen wurde. „Wir hatten drei Helgen“, erzählt Schumacher. So nannte man den Platz, an dem das Schiff entstand. „Das Schiff stand dort auf einer Schräge, auf sogenannten Pallhölzern.“ Vor dem Stapellauf wurden die Pallhölzer weggeschlagen. Das Schiff glitt auf der eingefetteten Ablaufbahn in die Trave. Das Wegschlagen der Hölzer war nicht ungefährlich. Schumacher: „Da durfte nicht jeder kloppen, wie er wollte. Nur auf Pfiff vom Vormann, damit das Schiff gleichmäßig absackte.“

Wenn das Heck ins Wasser gerutscht war und der Bug noch auflag, war das die größte Beanspruchung für das Material. „Da konnte schon mal eine Schweißnaht reißen“, sagt der Schiffbauer. „Zur Sicherheit mussten nach dem Stapellauf Leute in den Doppelboden des Rumpfes. Der hatte extra Mannlöcher dafür.“ In dem nur gut einen Meter hohen Hohlraum prüften die Männer mit Lampen, ob Wasser eingedrungen war.

Auf Deck standen beim Stapellauf Arbeiter an der Reling, deren Aufgabe es war, die Taue durchzuhauen, die die Ankerketten hielten. Einmal gab es dabei einen Todesfall, das hat Schumacher nicht vergessen. „Nachdem die Taue durchschlagen waren, mussten die Leute sich hinter die Reling ducken. Einer war neugierig – er wurde vom zurückschwingenden Hanfseil erschlagen.“

Es kam auch vor, dass eine Ankerkette riss – der Schiffsneubau driftete damals ab und saß dann in Schlutup im Schlick fest. „Da mussten große Schlepper ran, um den wieder flott zumachen.“

Da die Taufen öffentlich waren, gab es immer viel Publikum, oft waren Prominente und Politiker anwesend. „Eine der Helgen lag in Längsrichtung zur Trave“, sagt Schumacher und schmunzelt. „Jedes Mal standen da auf der anderen Seite Zuschauer. Und wenn das Schiff mit der Breitseite in die Trave rauschte, gab das eine Riesenwelle. Die sind dann alle nass geworden.“ Die Taufe selbst erfolgte schon vor dem Stapellauf. „Eine Frau hat dann eine Flasche Sekt am Rumpf zerschlagen.“ Immer eine Frau, so gehöre sich das wohl, glaubt der Flender-Mann. Nicht immer aber ging die Flasche kaputt. „Die hing dann am Tampen und wurde noch einmal geworfen.“

Besonders gut ist Dieter Schumacher die Taufe der „Regina Maris“ in Erinnerung, dem ersten nach 1939 in Deutschland gebauten Kreuzfahrtschiff. Sie wurde 1966 in Dienst gestellt und fuhr später für die Reederei Deilmann aus Neustadt in Holstein.

Ebenso bekannt wie Flender war die Lübecker Maschinenbau Gesellschaft (LMG), die bis in die 90er-Jahre rund 800 Schiffe lieferte, die Hälfte davon Schwimmbagger. Die Schlichting-Werft Travemünde baute bis 1986 Tanker, Fracht-, Forschungs- und Hotelschiffe. Bei der Hatra-Werft in Travemünde entstanden nach dem Krieg bis 1961 Hochseefrachter und Binnenschiffe.

Heute gibt es in Lübeck nur noch selten eine Taufe. So 2012 die der Finnlines-Fähre „Finnsun“ in Travemünde. Gebaut wurde sie in China. Oder dieses Jahr im März die Fähre „Priwall VI“, gebaut an der Elbe in Sachsen-Anhalt.

Lena tauft „Mein Schiff 5“

Tausende Besucher werden morgen Abend bei der Taufe der „Mein Schiff 5“ in Travemünde erwartet. Prominente Taufpatin ist die Sängerin Lena Meyer-Landrut. Das fünfte Kreuzfahrtschiff von Tui Cruises wird gegen 21 Uhr in die Lübecker Bucht einlaufen. Etwa um 22.30 Uhr wird die 25-jährige Taufpatin in der Travemündung zwischen Nordermole und Lotsenstation ihres Amtes walten. Zwischen Lübeck und Travemünde werden zusätzliche Zugwaggons eingesetzt. Zurück nach Lübeck geht es um 0.34 Uhr.

 Marcus Stöcklin

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