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Initiative will Rückgang der Mehrwegflasche stoppen

Lübeck/Berlin Initiative will Rückgang der Mehrwegflasche stoppen

Trotz Pfandpflicht wird immer mehr Einweg verkauft, vor allem bei Wasser.

Simone Witte am Pfandautomaten.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck/Berlin. Vor den beiden Pfandautomaten im Edeka-Getränkemarkt an der Ziegelstraße in Lübeck hat sich eine kleine Schlange gebildet. Mehrere Männer und Frauen stehen dort mit Tüten voll Leergut. Die Flaschen werden einzeln in die Öffnung gesteckt, gescannt und über ein Fließband eingezogen. Kurz danach ist meistens ein Schreddergeräusch zu hören – denn viele Kunden bringen Einwegflaschen zurück, die sofort im Supermarkt zerkleinert werden.

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Trotz Pfandpflicht wird immer mehr Einweg verkauft, vor allem bei Wasser.

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Seit 2004 das Pflichtpfand für Einwegflaschen und Dosen eingeführt wurde, ging der Anteil der Mehrweg-Getränkeflaschen von 71,1 auf rund 42 Prozent zurück. Bei Mineralwasser sackte die Quote von 2004 bis 2015 sogar von 63 auf 30,6 Prozent ab. Nur bei Bier ging es nicht ganz so stark bergab – dort sind noch rund 83 Prozent Mehrwegflaschen (früher: 87,8 Prozent).

Um den Abwärtstrend zu stoppen, hat gestern unter dem Motto „Mehrweg ist Klimaschutz“ eine Allianz aus mehr als 5000 Getränkehändlern, privaten Brauereien, Mineralbrunnen, Umwelt-, Verbraucher- und Wirtschaftsverbänden sowie der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) eine Kampagne für Mehrweg gegen Plastik- und Dosenmüll gestartet. Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch, verlangte dabei eine „Lenkungsabgabe“ für Einwegverpackungen von jeweils 20 Cent.

Kritisiert wurden Discounter wie Lidl und Aldi sowie der Getränkeproduzent Coca Cola, die aus dem Mehrwegsystem ausgestiegen seien. Würde man alle alkoholfreien Getränke in Mehrweg- statt in Einwegflaschen abfüllen, ließen sich damit pro Jahr 1,25 Millionen Tonnen CO2 einsparen, sagte Resch. Das entspreche etwa dem Ausstoß von 575000 Mittelklasseautos.

Einweg werde immer mehr, bestätigt auch Edeka-Mitarbeiter Sebastian Teschner. „Inzwischen sind sogar einige Bierflaschen Einweg und werden geschreddert.“ Alle zwei, drei Wochen komme allein bei seinem Markt ein großer Container mit Plastikmüll zusammen.

Vielen Kunden ist aber offenbar gar nicht bewusst, welche Unterschiede es im Getränkeregal gibt. „Ich kaufe doch Mehrweg, oder nicht?“, fragt zum Beispiel Simone Witte und wirft ihre Wasserflaschen in den Automaten. Dann stutzt sie. „Ach stimmt ja, die werden auch geschreddert“, sagt die 34-Jährige nachdenklich. „Es wäre toll, wenn das besser gekennzeichnet wäre.“

Eigentlich soll das gerade erst im März vom Bundestag beschlossene Verpackungsgesetz in dem Fall weiterhelfen und das Mehrwegsystem wieder nach vorne bringen. Die Parlamentarier schrieben eine Zielmarke von 70 Prozent bis zum Jahr 2021 ins Gesetz. Statt an jeder Flasche klar und eindeutig zu kennzeichnen, ob es sich um Mehrweg oder Einweg handele, verlange das Gesetz aber die Kennzeichnung an den Regalen, kritisiert Getränkegroßhändler Waldemar Behn aus Eckernförde. Discounter, die keine Mehrwegflaschen führten, seien da fein raus. Behn macht vor allem deren Preiskampf bei Mineralwasser und Erfrischungsgetränken für den Vormarsch des Einwegsystems verantwortlich. In seinen Märkten bietet er zu 95 Prozent Mehrwegflaschen an. „Das deutsche Mehrwegsystem ist ein schützenswertes Gut, denn es schont die Ressourcen.“

Die Lübeckerin Bärbel Lange sieht das ähnlich. Sie selbst schaut beim Einkaufen immer ganz genau hin, um Einweg möglichst zu vermeiden. „Manchmal ist es schon schwierig zu erkennen, was denn nun was ist“, sagt die 56-Jährige. Auch Frank Dinter greift „aus wirklicher Überzeugung“ zu Mehrwegflaschen. „Früher habe ich aus Bequemlichkeit Plastikflaschen gekauft, aber seit einem Jahr nehme ich nur noch Glas“, sagt der 45-Jährige. „Das ist besser für die Umwelt und außerdem gelangen dabei keine Weichmacher ins Wasser.“

Die Flensburger Brauerei setzt ohnehin „auf 100 Prozent Mehrweg“, auch wenn es derzeit eine Renaissance der Dose zu geben scheine, sagt Unternehmenssprecherin Sara Sausmikat-Theilen. Die Flasche mit dem Bügelverschluss wird im Schnitt drei Mal pro Jahr befüllt – und hält etwa zehn Jahre.

 Reinhard Zweigler und Janina Dietrich

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