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Wirtschaft im Norden Tierliebe über den Tod hinaus
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12:17 06.01.2019
Annett Mory (53), Mitarbeiterin bei der Tierbestattung Engelsreisen in Ahrensbök verschließt eine Urne. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Ahrensbök

Sie erinnern sich an jedes Tier. „Die kleine Marie“, eine Wüstenspringmaus, die Bartagame „Bambam“, den Leguan „Topas“ und das Hängebauchschwein „Freddy“ – alles Tiere, die von dem Unternehmen „Engelsreisen“ in Ahrensbök (Kreis Ostholstein) bestattet wurden. Meist aber sind es Hunde und Katzen, die von Sabrina Schack und ihren Mitarbeitern zur letzten Ruhe begleitet werden. Die Nachfrage nach Tierbestattungen steigt.

Trauerbegleitung ist wichtig

„Ein großer Teil unserer Arbeit ist die Trauerbegleitung“, erklärt Sabrina Schack, Inhaberin der Tierbestattung Engelsreisen, die seit vier Jahren am Markt ist. Tierbesitzer seien oft überfordert, wenn ihr Haustier stirbt. „Für viele war es ein Familienmitglied.“ Manche würden den Tieren ihr Spielzeug, ihre Lieblingsdecke, aber auch lange Briefe mitgeben, erzählt Mitarbeiterin Annett Mory (53), die einem verstorbenen Hund auch schon mal einen seitenlangen Brief vorliest, wenn die Besitzer das wünschen. „Wir haben alle schon Tiere verloren und wissen, wie das ist“, sagt sie. „Unsere Tiere enttäuschen uns nicht. Sie kommen jeden Tag mit bedingungsloser Liebe auf uns zu.“

Eine Tierkörperverwertungsanstalt sei für viele keine Option. Und nicht jeder habe die Möglichkeit, seinen besten Freund im Garten zu begraben. Manche würden das auch gar nicht wollen. „Die Leute wollen ihre Tiere festhalten“, so Schack. Und so holt sie die Katze oder auch den geliebten Hund bei den Besitzern ab und bringt das Tier ins Kleintier-Krematorium nach Uelzen in der Nordheide. Etwa eine Woche später bringt sie den Tierbesitzern die Asche in einer Urne persönlich zurück ins Haus. „Das ist eine sehr dankbare Aufgabe“, meint Sabrina Schack, die selbst fünf Hunde und drei Katzen hat. Auch Seebestattungen mit speziellen umweltfreundlichen Urnen seien möglich. Manche Familien würden die Asche auch im Garten verstreuen. Zudem gebe es die Möglichkeit, etwas Asche in einem Schmuckstück unterzubringen, so dass man das Tier immer bei sich haben könne. Eine Auswahl an Urnen, auch mit Airbrush-Bild des Tieres, ist im Ausstellungsraum in Ahrensbök zu sehen.

365 Tage im Jahr erreichbar

Wie kommt man auf die Idee, Tierbestattungen anzubieten? „Unser Hund ,Robbi’ war der Verursacher“, erzählt Sabrina Schack. Als der geliebte Malteser-Rüde vor Jahren starb, haben sie und ihr Mann Reimer ein Tierbestattungsinstitut beauftragt. „Das war perfekt organisiert. Doch uns hat etwas gefehlt – das Warmherzige, das Aufgefangenwerden.“ Das versuchen die beiden jetzt in ihrem eigenen Unternehmen besser zu machen. 365 Tage im Jahr sind sie erreichbar und im Einsatz. Und so fuhr Reimer Schack auch an Heiligabend zum Krematorium, damit die Tierbesitzer ihre Lieblinge noch im alten Jahr wieder zu Hause haben können – egal ob Vogel, Ratte, Chinchilla oder Schildkröte. Dabei muss es sich aber um Haustiere handeln, Nutztiere dürfen nicht eingeäschert werden.

Die Kunden kommen aus ganz Schleswig-Holstein. „Sogar in Dänemark waren wir schon“, sagt Reimer Schack. Vieles laufe über Mund-zu-Mund-Propaganda. „50 Prozent sind Empfehlungen.“ Pro Monat begleiten die Schacks und ihre zwei Mitarbeiterinnen rund 70 Tiere auf ihrem letzten Weg. Und betreuen deren Besitzer. müsse sehr einfühlsam sein, ergänzt Kollegin Katharina Fricke (31). Die gelernte Tierpflegerin hatte zuvor jahrelang im Hundehotel gearbeitet, bevor sie im vergangenen Sommer zu Engelsreisen wechselte. Die Arbeit gefällt ihr. „Man weiß morgens nie, was einen erwartet.“ Denn so unterschiedlich wie die Tiere seien auch die Menschen, denen sie begegne.

Nach Angaben des Bundesverbandes der Tierbestatter ist die Zahl der Krematorien zuletzt auf bundesweit 32 gestiegen. Die Zahl der Tierbestatter liegt bei etwa 160. Viele Tierbesitzer wünschten sich die Bestattung ihres Tieres in einer Urne, hieß es. Der jährliche Umsatz wird vom Verband auf 16 bis 20 Millionen Euro geschätzt.

Was tun im Sterbefall?

Nach Einschätzung des Bundesverbandes der Tierbestatter sterben pro Jahre etwa 1,3 Millionen Hunde und Katzen. 50 Prozent werden auf Privatgrundstücken beerdigt. Ein Großteil der verbleibenden Tiere wird in Krematorien verbrannt. Rund 10 000 werden auf einem Tierfriedhof beigesetzt.

Für ein 60 mal 100 Zentimeter großes Grab fallen im Schnitt 125 Euro für die Beisetzung an, dazu kommen jährlich 75 Euro Pflegekosten. Für eine sogenannte Einzelkremierung sind Preise zwischen 150 und 400 Euro zu zahlen – je nach Größe beziehungsweise Gewicht des Tieres. Hinzu kommt die Urne, deren Preis abhängig von Material und Machart ist. Im Gegensatz zum Humanbereich darf die Asche eines Tieres zu Hause aufbewahrt werden. Auch die Bestattung auf dem eigenen Grundstück ist möglich, wenn das Grundstück nicht in einem Trinkwasserschutzgebiet liegt oder die Ortssatzung dagegen spricht.

In Deutschland legten zuerst Tierheime kleine Friedhöfe an. Vor knapp 40 Jahren wurde in München das erste deutsche Tierkrematorium eröffnet. Inzwischen gibt es mehr als 30 Krematorien und rund 120 Tierfriedhöfe. Die gesetzliche Regelung sieht allerdings eine Entsorgung des Tierkörpers in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt vor.

Weitere Informationen im Internet unter www.tierbestatter-bundesverband.de

Julia Paulat

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