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Jeder Dritte ist auch im Urlaub ständig erreichbar

Lübeck Jeder Dritte ist auch im Urlaub ständig erreichbar

Experten warnen vor gesundheitlichen Folgen – Einige Firmen reagieren bereits.

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Nur mal kurz eine berufliche Mail lesen und beantworten: Viele können während des Urlaubs nicht komplett abschalten.

Quelle: Patrick Seeger/dpa

Lübeck. Urlaubszeit im Norden: Doch viele Arbeitnehmer können auch in ihrer Freizeit nicht loslassen. Laut einer gestern veröffentlichten Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov hat jeder Dritte in seinem jüngsten Urlaub mindestens einmal in seine DienstMails geschaut. Nach Feierabend checkt demnach sogar fast jeder Zweite berufliche Mails.

„Für viele ist das eine Selbstverständlichkeit geworden.“ Rüdiger Schmidt, KDA

„Für viele ist das eine Selbstverständlichkeit geworden“, sagt Rüdiger Schmidt, Regionsleiter des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt für Lübeck/Lauenburg und Ostholstein. „Aber die Menschen unterschätzen die Gefahr dabei. Wir müssen uns mal überlegen, warum so viele wegen Überlastung krankgeschrieben und teilweise in therapeutischer Behandlung sind. Innerlich finden viele den Abstand zum Büro nicht mehr.“

Ständig für den Beruf auf Abruf zu stehen, kann auf die Gesundheit schlagen, ergab auch eine Untersuchung der Initiative Gesundheit und Arbeit. Etwa ein Fünftel der Befragten gab an, dadurch in Schlaf- und Erholungszeiten beeinträchtigt zu sein. Etwa ein Drittel fühlt sich im Familienleben und bei Freizeitaktivitäten während der Woche und am Wochenende gestört. Folgen können stressbedingte Gesundheitsbeschwerden wie Bluthochdruck und psychische Beschwerden wie Ängstlichkeit, Schlafstörungen, Burnout oder Depressionen sein. „Der Verzicht auf Urlaub und seine Verwendung zu Arbeitszwecken widersprechen dem im Bundesurlaubsgesetz und in vielen Tarifverträgen verankerten Erholungszielen“, sagt Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord. Der Arbeitgeber müsse dafür sorgen, dass die Beschäftigten ihren Urlaub auch wirklich ungestört nehmen können.

Einige Konzerne haben inzwischen reagiert und Schutzmechanismen für ihre Mitarbeiter eingeführt. Bei der Deutschen Telekom etwa sollen leitende Angestellte ihren Mitarbeitern nach Dienstschluss, am Wochenende und im Urlaub keine Mails mehr schicken. Auch im Norden untersagen erste Unternehmen ihren Angestellten, nach Feierabend zu Arbeitszwecken ans Handy zu gehen oder Mails zu verfassen, berichtet Can Özren, Sprecher der IHK zu Lübeck. Die Firma Grundfos in Wahlstedt hat sich bereits intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. „Wir haben im vergangenen Jahr Schulungen für alle Mitarbeiter gemacht und ihnen ein paar Spielregeln an die Hand gegeben“, sagt Geschäftsführer Stephan Göttsche. „Denn Feierabend ist Feierabend, das Wochenende muss erst recht frei sein, und im Urlaub ist es vollkommen verkehrt, sich mit der Arbeit zu beschäftigen.“

Deshalb wolle er auch nicht, dass seine Mitarbeiter E-Mails außerhalb ihrer Arbeitszeit lesen oder schreiben. „Das ist aber leichter gesagt als getan“, berichtet er. „Viele tun sich schwer damit. Ich denke daher, dass wir auf längere Sicht noch strengere Regeln brauchen.“ Er selbst schließe sein Handy im Urlaub im Safe ein, kontrolliere nur abends mal entgangene Anrufe. Mails lese er gar nicht.

„So mache ich das schon seit 2004“, berichtet Göttsche. „Seitdem hatte ich insgesamt vielleicht drei Notrufe aus der Firma, es funktioniert also.“

Janina Dietrich

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