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Wirtschaft im Norden Jeder fünfte Lkw fällt durch die Tüv-Prüfung
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Jeder fünfte Lkw fällt durch die Tüv-Prüfung
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20:40 10.10.2017
Immer mehr Lkws mit Mängeln sind unterwegs. Quelle: dpa/Archiv
Berlin/Lübeck

Defekte Scheinwerfer, Ölverlust am Motor und Probleme mit den Bremsen wurden bei ihnen am häufigsten beanstandet. Schwere Lastwagen und Zugmaschinen schnitten dagegen besser ab, heißt es im Tüv-Report.

Der ADAC und Spediteure im Norden setzen die Mängel bei Tüv-Prüfungen allerdings in Verhältnis zu einem anderen, größeren Problem. „Das ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Ulf Evert, Sprecher des ADAC Schleswig-Holstein. Die vielen ausländischen Lastwagen auf unseren Autobahnen würden von den Tüv-Kontrollen ja gar nicht erfasst, es gebe also eine hohe Dunkelziffer. „Unfälle mit Lkw sind ja meist schwere Unfälle. Wir fordern seit Jahren, dass die Lkw-Kontrollen deutlich verstärkt werden, aber es gibt zu wenig Personal dafür“, sagt Evert.

Ähnlich sieht es Thomas Rackow vom Unternehmensverband Logistik Schleswig-Holstein. „Die Tüv-Liste ist nur ein kleiner Ausschnitt. Mit Lastwagen aus Osteuropa und dem Baltikum gibt es viel größere Probleme. Viele haben erheblichere Mängel, die nicht gemeldet werden“, sagt Rackow. „Wir fordern, dass die Assistenzsysteme zur Bremsverstärkung und zum Spurhalten serienmäßig in die Lkw eingebaut werden und auch nicht ausgeschaltet werden dürfen.“ Erst 70 Prozent der Lkw hätten solche Hilfen. „Täglich fahren auf der Strecke von Lübeck nach Hamburg etwa 17 000 Lastwagen. Rein rechnerisch sind also 5000 dabei, die diese Systeme nicht haben“, erklärt Rackow.

Deutsche Speditionen stünden in einem harten Wettbewerb mit osteuropäischen Unternehmen, Marktchancen seien deshalb aufwendige Transporte etwa für Gefahrgüter oder für den Baubereich. Rackow: „Da sind nicht nur Top-Ausrüstungen wichtig, sondern auch sehr gut ausgebildete Fahrer.“ Deshalb biete sein Verband zahlreiche Schulungen an.

Zahlen des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) in Bonn bestätigen den Trend, dass immer mehr Lastwagen mit Mängeln unterwegs sind. „Wir führen seit dem Jahr 2004 sogenannte technische Unterwegskontrollen durch. Dadurch soll die Sicherheit auf den Straßen erhöht werden“, sagt BAG-Sprecher Horst Roitsch. Jährlich überprüften 240 Kontrolleure bundesweit etwa 60 000 Lastwagen. In den vergangenen Jahren sei die Beanstandungsquote von 14 Prozent im Jahr 2013 auf 17 Prozent (2015) gestiegen.

Auf deutschen Autobahnen seien allein 2015 etwa 40 Prozent der mautpflichtigen Kilometer von ausländischen Lkw zurückgelegt worden, über deren technischen Zustand nichts bekannt ist, heißt es im Tüv-Report. „Wir empfehlen hier, die Unterwegskontrollen zu stärken“, sagt Richard Goebelt, Leiter des Bereiches Mobilität. Besonders für Lkw bedeute der Einsatz digitaler Systeme eine große Chance für mehr Sicherheit auf den Straßen.

Von Christian Risch

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