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Wirtschaft im Norden Das große Zählen in den Läden
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17:15 05.01.2019
Andreas Groth trägt in die Inventurliste ein, wie viele Füller er hat. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

„Schuhlöffel: vier Stück.“ Sauber trägt Katja Paustian von der Drogerie Grabner in Lübeck Artikelbezeichnung und Zahl in ihre Inventurliste ein. Und weiter geht’s: „Afro-Hornkamm, zwei Stück. Antikwachs, zwei Dosen...“

Um die Jahreswende beginnt in den Geschäften das große Zählen, die Bestandsaufnahme aller Waren. Manche schließen dafür, manche machen es am Wochenende oder nach Feierabend. Was sein muss, muss sein, meint Andreas Groth, Inhaber des Lübecker Papierhauses Groth. Auch er ist gerade dabei, die exakte Zahl der Gegenstände zu ermitteln, die er auf Lager hat. „Die Inventur brauchen wir jährlich für das Finanzamt.“ Groth beschäftigt damit eigens beauftragte Teilzeit-Mitarbeiter. „Die machen das während des laufenden Betriebes. Wir wollen deshalb nicht extra zumachen.“ Das Verfahren sei das Gleiche wie seit 100 Jahren: Mit dem Zeigefinger wird gezählt, das Ergebnis in einem Inventurblock mit eigens vorgedruckten Feldern eingetragen. „Das geben wir dann dem Steuerberater und der gibt es an das Finanzamt.“

Lübecker Geschäftsleuten bei der Inventur über die Schulter geschaut

Ein Verfahren, das Zeit koste und Personal binde, verdeutlicht Sebastian Schulze, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Nord. Alternativen aber gebe es kaum. Die exakte Ermittlung der Vermögensgegenstände und Schulden, meist zum Jahresende, gehöre zu einer ordnungsgemäßen Buchführung und Bilanzierung. „Jeder Geschäftsmann muss schließlich wissen, was er im Bestand hat und was abhanden gekommen ist.“ Verluste könnten beispielsweise durch Bruch oder Diebstahl entstehen, aber auch falsche Etikettierung könnte die Bestandszahlen verfälschen. Ob das „Soll“ mit dem „Ist“ übereinstimme, müsse regelmäßig geprüft werden.

Wo es möglich ist, werden Scanner eingesetzt

Moderne Hilfsmittel würden dort eingesetzt, wo es möglich sei, weiß Olivia Kempke, Vorsitzende und Geschäftsführerin des Lübeck Managements. „Wo es geht, wird die Ware gescannt und die Liste über den Computer erstellt.“ Ein Verfahren, das sich vor allem für Massenware anbiete, sagt Schulze.

Während bei Groth Stifte und Schreibfedern gezählt werden und der Kundenverkehr normal weitergeht, macht Katja Paustian für die Inventur Überstunden. „Die Inventur dauert bei uns im Schnitt drei Tage. Dann kommen meine Kollegin und ich eine Stunde früher und bleiben eine Stunde länger, um alles aufzuschreiben. Und zu Hause tippen wir es dann noch einmal sauber ab.“

Auch Baumärkte müssen zählen

Selbst in Baumärkten führe am Zählen von Hand kein Weg vorbei, bestätigt Philip Gundel von Hagebaumarkt Richter. Das Unternehmen betreibt in Lübeck zwei Filialen. Es werde ermittelt, wie viele Säcke Zement und wie viel Baumaterial da sei. Jede Schraube müsse gezählt werden. „Die losen Schrauben werden durchgezählt. Wenn die Schrauben paketweise verpackt sind, wird die Zahl der enthaltenen Schrauben addiert.“ Zwar dauere die Inventur nur einen Tag, dann sei der Baumarkt geschlossen, alle Mitarbeiter seien gefordert. „Das geht dann von 6.30 Uhr bis 19 Uhr.“ Die Vorbereitung aber beginne schon zwei bis drei Wochen vorher. Was gezählt sei, werde etikettiert und könne dann gescannt werden, erklärt Gundel. Unangenehm sei so eine Inventur eigentlich nicht, findet er. „Aber manchmal ist man doch froh, wenn man es hinter sich hat.“

Pflicht für Kaufleute

Die Inventurist gesetzlich vorgeschrieben. Gemäß § 240 Handelsgesetzbuch (HGB) sind Kaufleute zur Inventur verpflichtet, da sie ein Teil der ordnungsgemäßen Buchführung ist. Sie dient zur Ermittlung der Unternehmensbilanz. Es geht darum, lückenlos die Zahl und den Wert aller Vermögensgegenstände und Schulden eines Unternehmens aufzuzeichnen. Dazu wird eine Inventurliste erstellt.

Bei der sogenannten körperlichen Inventur geht es darum, die Vermögensgegenstände zu zählen, zu messen oder gegebenenfalls zu schätzen. Bei der Buchinventur wird auf Daten im EDV-System zurückgegriffen. So können die materiellen und die immateriellen Werte verglichen werden.

Marcus Stöcklin

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