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Jobs für Flüchtlinge: Tut das Land genug?

Kiel Jobs für Flüchtlinge: Tut das Land genug?

3004 von 40000 Zuwanderern haben Arbeit gefunden – Der FDP ist das zu wenig – Minister: Wir brauchen Zeit.

Kiel. Seit Anfang 2015 haben 3004 Flüchtlinge in Schleswig-Holstein einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz gefunden. Ist das angesichts von rund 40000 Flüchtlingen schon viel oder noch viel zu wenig? Im Landeshaus in Kiel gehen die Meinungen darüber auseinander. Bei der Wirtschaft in der Region Lübeck ist man aber nach wie vor zuversichtlich, mit der Integrationsaufgabe fertig zu werden.

„2016 muss das Jahr der Integration werden“, hatte SPD-Innenminister Stefan Studt im Dezember erklärt. Jetzt hakte die FDP-Fraktion mit einer Anfrage nach. Ergebnis: 2015 wurden im Norden 1791 anerkannte Asylbewerber und Flüchtlinge in Arbeit vermittelt, davon 1594 in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Bis Ende Juli 2016 waren es in diesem Jahr bereits 1213 beziehungsweise 1046 Flüchtlinge. 239 Personen aus diesem Kreis nahmen 2015 eine Ausbildung auf, in diesem Jahr waren es bis Ende Juli 162. Rund 5200 Flüchtlinge haben zudem in diesem Jahr bereits mit Qualifizierungsmaßnahmen begonnen. Insgesamt waren im August 2016 noch 13217 Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Iran, aus Eritrea, Somalia, Pakistan, Nigeria und Afghanistan arbeitssuchend gemeldet.

Der FDP-Landtagsabgeordnete Christopher Vogt übt Kritik: „Wenn die Landesregierung das ,Jahr der Integration’ ausruft, aber bei der Arbeitsmarktintegration immer noch kaum Erkenntnisse über den Ausbildungsstand der Flüchtlinge und keine praktikablen Lösungen für den Einstieg in die Erwerbstätigkeit hat, ist das abenteuerlich.“ Reden und Handeln würden bei SPD, Grünen und SSW nicht zusammenpassen. Die Landesregierung sei in der Pflicht, deutlich mehr Anstrengungen zu unternehmen. Er vermisse Initiativen für die Öffnung der Zeitarbeit für Flüchtlinge und für Ausnahmen vom Mindestlohn.

Im Haus von SPD-Wirtschafts- und Arbeitsminister Reinhard Meyer wirbt man dafür, der Sache mehr Zeit zu geben. „Das braucht alles einen erheblichen Vorlauf“, sagt Meyer. Die meisten Flüchtlinge müssten erst mal in einem neunmonatigen Integrationskurs Deutsch lernen. Sie müssten dann oft auch erst mit der deutschen Arbeitskultur vertraut gemacht werden, mit festen Arbeitszeiten zum Beispiel.

Dann erst könne die Qualifizierung für den Job erfolgen, einschließlich von Kursen in berufsbezogenem Deutsch. Bei den Integrationskursen des Bundes habe es leider im letzten Jahr Engpässe gegeben.

Dennoch hätten schon 4400 Flüchtlinge im Norden dieses Nadelöhr passiert.

In der Region Lübeck seien bereits rund 30 Ausbildungsverträge zwischen Firmen und jungen Flüchtlingen zustande gekommen, berichtet Ulrich Hoffmeister von der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck.

Die Bereitschaft der Firmen, Flüchtlinge auszubilden und zu beschäftigen, sei weiterhin sehr hoch. „Die rufen zum Teil schon an und fragen, wann es endlich losgeht.“ Mit stark steigenden Zahlen von Ausbildungs- und Arbeitsverträgen rechnet Hoffmeister Anfang kommenden Jahres. „Dann sind die Flüchtlinge, die im letzten Jahr kamen, so weit und haben erst einmal ausreichend Deutsch gelernt.“ Bei den jetzt in Arbeit vermittelten Personen handle es sich zumeist um Flüchtlinge, die schon vorher in Deutschland angekommen seien. Ein eigener „Willkommenslotse“ der IHK vermittle bereits zwischen Firmen und Flüchtlingen. Auch Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur, mahnt zur Geduld. „Die Zahlen überraschen nicht.“ Die Migrationsforschung zeige, dass nur etwa acht Prozent den Sprung in den Arbeitsmarkt im ersten Jahr schaffen. Hauptursache: fehlende Sprachkenntnisse sowie fehlende Abschlüsse, die deutschen Standards entsprechen. Viele Flüchtlinge seien aber in Sprachkursen.

Neue Studien-Initiative

Mit einem neuen Förderprogramm unterstützt der Stiftungsfonds Deutsche Bank im Stifterverband die Hochschulbildung von Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund. Die Initiative „Angekommen, Integriert, Qualifiziert“ soll den Hochschulen dabei helfen, die jungen Leute zur Aufnahme und zum Abschluss eines Studiums zu motivieren und ihnen den Einstieg in den Arbeitsmarkt ebnen. Das Programm ist mit insgesamt 350000 Euro dotiert. Förderfähig sind Konzepte und Initiativen von bis zu sieben Hochschulen.

Wolfram Hammer

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