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Wirtschaft im Norden Joint Venture mit Rewe: Coop hofft auf das Bundeskartellamt
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Joint Venture mit Rewe: Coop hofft auf das Bundeskartellamt
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09:33 30.06.2016
„Wenn wir keinen starken Kooperationspartner haben, bekommen wir ein existenzielles Problem.“Thorsten Tygges, Coop-Vorstandssprecher

Der 19. September wird für die Handelsgenossenschaft Coop, die über 200 Sky-Märkte im Norden betreibt, ein enorm wichtiges Datum: Bis zu diesem Tag wird das Bundeskartellamt entscheiden, ob es dem geplanten Joint Venture zwischen dem Kölner Rewe-Konzern und der Coop zustimmt oder Auflagen erteilt. „Wir sind sehr, sehr optimistisch“, sagte gestern Coop-Vorstandssprecher Thorsten Tygges in Kiel. Die Coop brauche einen großen Partner an ihrer Seite, um bestehen zu können, sagte er. „Wenn wir keinen starken Kooperationspartner haben, bekommen wir ein existenzielles Problem“, sagte Tygges. „Wir müssen uns dem strengen Wettbewerb stellen“, erklärte sein Vorstandskollege Rüdiger Kasch.

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Die Genossenschaft hat auch 2015 wieder Verlust gemacht und steht unter Druck.

Bereits seit 2007 arbeiten Rewe und Coop zusammen. Jetzt planen sie, eine neue Betreibergesellschaft zu gründen, in der vor allem die Sky-Märkte und die beiden zentralen Verwaltungsstandorte in Kiel-Wellingdorf und Güstrow aufgehen. Sitz der Gesellschaft sei Kiel. Rewe bekäme dann 55 Prozent der Anteile, Coop 45 Prozent. Im Gegenzug wäre die Coop „komplett schuldenfrei“, so Tygges. Rewe dagegen würde durch das Joint Venture seinen Marktanteil im Norden vergrößern, erklärte Kasch.

Die Vertreterversammlung habe diese Pläne vor wenigen Tagen einstimmig angenommen. Alle Mitarbeiter würden demnach mit all ihren bisherigen Rechten in die neue Gesellschaft übergehen. „Der soziale Aspekt wird gewahrt, das gibt den Mitarbeitern Sicherheit“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Andreas Gottschalk, nachdem es in den vergangenen Wochen Unruhe in der Belegschaft gegeben habe.

Die Coop eg steht unter Druck. Die Verträge mit den Banken, die Mitte März ausgelaufen waren, seien bis Ende Oktober prolongiert worden. „Bis dahin erwarten wir eine Beteiligung. In der Konzernfinanzierung von Rewe haben wir dann deutlich günstigere Konditionen“, erklärte Tygges.

In den vergangenen zehn Jahren habe die Coop kein positives Ergebnis erzielt. Im Geschäftsjahr 2015 habe sie mit ihren Plaza- und Sky-Märkten knapp 1,26 Milliarden Euro Umsatz gemacht, 17,1 Millionen (1,3 Prozent) weniger als im Vorjahr. Der operative Verlust lag bei 7,6 Millionen Euro. Darin enthalten sind Zinskosten in Höhe von 2,2 Millionen Euro. Wichtige Investitionen in neue und erneuerte Verkaufsflächen hätten das Ergebnis belastet.

Die Zahl der Mitarbeiter stieg im vergangenen Jahr von 9295 auf 9837, davon sind 581 Auszubildende. Die Zahl der Genossenschaftsmitglieder wuchs um 10000 auf fast 69 000.

In Zukunft will Coop seinen Kunden noch mehr regionale und lokale Produkte anbieten. Die Eigenmarke „Unser Norden“ biete nur noch Produkte aus der Region an, deshalb sei etwa der Kaffee der Marke aus den Regalen genommen worden. Auch der Werbeauftritt sei erneuert worden. Neben Schleswig-Holstein ist Coop auch in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern sowie in Teilen Niedersachsens und Brandenburgs aktiv. 2015 wurden Märkte in Ahrensbök, Barsbüttel, Neumünster und Wathlingen eröffnet, in diesem Jahr kommen unter anderem Märkte in Haffkrug und Malente hinzu.

 Christian Risch

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