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Wirtschaft im Norden Karstadt gibt seine Edelfilialen ab
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Karstadt gibt seine Edelfilialen ab
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22:18 16.09.2013
Auch das Alsterhaus am Hamburger Jungfernstieg gehört zu den Luxusfilialen, die jetzt von der österreichischen Signa-Gruppe mehrheitlich übernommen werden. Quelle: Fotos: dpa

Die Luxus- und Sporthäuser gelten schon lange als „Perlen“ unter dem Dach des Essener Warenhauskonzerns Karstadt. Verkaufsgerüchte hatte Eigentümer Nicolas Berggruen bislang entschieden zurückgewiesen. Nun bekommt der österreichische Immobilienkonzern Signa die Mehrheit an den begehrten Einkaufstempeln wie zum Beispiel dem Hamburger Alsterhaus und den Karstadt- Sport-Häusern, von denen eines in Lübeck ist. Teil des Geschäfts ist eine Geldspritze von 300 Millionen Euro, von der alle 114 Karstadt-Häuser profitieren sollen. Und Berggruen bleibt alleiniger Herr im Haus bei den 83 verbleibenden Karstadt-Häusern.

Zuletzt war Berggruen immer wieder mit Forderungen nach Investitionen bedrängt worden. Lautstark hatten die Gewerkschaft Ver.di, aber auch Lieferanten wie der Hemdenhersteller Olymp, einen Investitionsstau in dem vor rund drei Jahren aus der Insolvenz übernommenen Warenhauskonzern beklagt. Nun sollen Millionen für die Modernisierung fließen. Nachdem die Beschäftigten nach Berechnungen von Ver.di über acht Jahre hinweg durch einen Verzicht auf Teile ihres Entgelts mehr als 650 Millionen Euro in das Unternehmen investiert haben sollen, sollte endlich auch Berggruen in die eigene Tasche greifen, hieß es. Heftig umstritten ist derzeit eine für die Beschäftigten geforderte Tarifpause, über die kommende Woche weiter verhandelt werden soll.

Auch drei Jahre nach dem gefeierten Einstieg des Investors Berggruen kämpft die aus der Insolvenz übernommene Warenhauskette weiter mit Problemen. Erst vor wenigen Tagen hatte der zum Jahresende ausscheidende Karstadt- Chef Andrew Jennings über „starken Gegenwind“ geklagt. Lediglich für den August sprach er von einer sich abzeichnenden Besserung. Die von Jennings vorangetriebene Modernisierung ist unterdessen bei Handelsexperten auf Kritik gestoßen. Aus Kunden-Sicht habe sich bei Karstadt „so gut wie nichts getan“, beklagte etwa Thomas Roeb von den Hochschule Bonn- Sieg vor einigen Wochen. Handelsexperte Gerd Hessert von der Universität Leipzig sieht nun in dem jetzt bekanntgewordenen Deal für alle Parteien Vorteile. „Die Karstadt-Filialen bekommen durch die Finanzspritze Zeit, bis die neuen Konzepte greifen, sagte der frühere Karstadt-Manager dem Berliner „Tagesspiegel“.

In „großer Sorge“ ist hingegen die Gewerkschaft Ver.di. Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger sagte: „Dieser Schritt bedeutet die Zerschlagung des Unternehmens Karstadt.“

Darüberhinaus bräuchten die Beschäftigen eine transparente Erläuterung, was die Beteiligung von Signa für sie bedeute. Das Immobilienunternehmen ist in Deutschland kein Unbekannter. Ebenso wie Berggruen hatte auch Signa Interesse an einer Übernahme des Karstadt-Konkurrenten Kaufhof bekundet.

Auf Luxus-Immobilien spezialisiert
Die österreichische Signa-Gruppe ist Spezialist für Luxus-Immobilien in Spitzenlagen und bietet Projektentwicklung und Immobilienfonds für Anleger. Sie sieht sich mit einem Immobilienvermögen von mehr als fünf Milliarden Euro selbst als eine der europaweit führenden Gesellschaften der Branche und ist etwa größter privater Immobilienbesitzer im Zentrum von Wien. Gründer war 1999/2000 der Tiroler Geschäftsmann René Benko, der nach Medienberichten zu den 50 reichsten Österreichern zählt und sich vor kurzem in den Beirat des Unternehmens zurückgezogen hat.

Ende 2012 hatte Signa bereits für rund 1,1 Milliarden Euro 17 Karstadt- Warenhäuser — darunter das Berliner Luxuskaufhaus KaDeWe — erworben, die langfristig an den Warenhauskonzern vermietet sind. Betreiber der Häuser blieb aber Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen.

LN

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