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Keine Zinsen für Sparer — und jetzt?

Lübeck Keine Zinsen für Sparer — und jetzt?

Die Geldpolitik der EU macht wenig Hoffnung auf Änderung — Experten raten, Anlagen breit zu streuen.

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„Viele Kunden bekommen inzwischen Nullzinsen.“ Henning Oldenburg

Lübeck. Wer etwas Erspartes auf die hohe Kante legt, hat derzeit wenig Freude daran: Immer mehr Banken zahlen Nullzinsen auf ein Tagesgeld. Mittlerweile gehen Kunden bundesweit bereits bei 55 Kreditinstituten leer aus. Anfang des Jahres waren es noch 22 Banken gewesen. Das hat das Verbraucherportal Verivox ermittelt. Es könnte bald noch schlimmer kommen:

Angesichts der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) drohen den Sparern Minuszinsen. Für Geschäftskonten macht die Commerzbank davon bereits bei großen Guthaben Gebrauch. Der Negativzins wird unter der Bezeichnung „Guthaben-Gebühr“ getarnt. Einziger Hoffnungsschimmer: ein baldiges Ende des billigen Geldes. Experten zufolge aber lässt sich die EZB durch die jüngste Entscheidung der US-Notenbank, den Leitzins über die Nulllinie zu schieben, wenig beeindrucken.

Die regionalen Kreditinstitute wollen ihre Kunden grundsätzlich nicht verärgern, sehen sich aber dazu gezwungen, die Zinssätze immer weiter abzuschmelzen. Denn Banken müssen neuerdings 0,3 Prozent Strafzins zahlen, wenn sie Geld bei der EZB bunkern. Folge: Sparbücher oder Tagesgeldkonten lohnen sich für den Sparer kaum noch. In Deutschland war das in der Vergangenheit unvorstellbar.

Finanzportale im Internet gehen davon aus, dass Sparer aktuell nur noch einen Tagesgeldzins zwischen 0,3 und 0,4 Prozent erwarten dürfen.

Was also tun, wenn man das Geld nicht unter der Matratze verstecken will? Viel Hoffnung können heimische Kreditinstitute nicht machen. „Viele Kunden bekommen inzwischen Nullzinsen“, sagt Henning Oldenburg, Sprecher der Geschäftsführung der Deutschen Bank Lübeck. Es will nicht ausschließen, dass irgendwann auch der Beschluss für Minuszinsen kommt, „auch wenn wir uns das heute noch nicht vorstellen können.“

„Die Geldpolitik von EZB-Chef Mario Draghi wird kaum Potenzial für einen Zinsanstieg bieten“, macht auch Martin Wisnia, Leiter des Vermögens- und Auslandsmanagements der Volksbank Lübeck, Sparern wenig Hoffnung. Die wichtigste Empfehlung bleibe deshalb die breite Streuung der Geldanlagen. Sein Geld als Tagesgeld bei Banken anzulegen, lohne sich „weder heute noch in den nächsten zwei bis drei Jahren“, erklärt Wisnia.

Die Sparkasse zu Lübeck verzichte bewusst auf die Weitergabe von Negativzinsen an ihre Kunden, sagt Vorstandsmitglied Oliver Saggau. Was übrigbleibt, ist ein Zins auf Tagesgeld von aktuell 0,01 Prozent bei der Sparkasse. Dennoch: „Von der Option, sein Geld in den eigenen vier Wänden aufzubewahren, ist unbedingt abzuraten“, sagt Saggau. Zu groß seien die Gefahren wie Einbruch und Diebstahl.

Curd Tönnemann

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