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Wirtschaft im Norden Klopapier, Känguru, Kompass: Was kommt neu als Emoji?
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20:14 27.12.2017
Beim Schreiben von WhatsApp-Nachrichten verzichtet kaum jemand auf die bunten Symbole. Quelle: Fotos: Christiane Oelrich/dpa
Zürich

Ein Bild von einem lachenden Smiley ersetzt viele Worte, ein Flugzeug-Symbol ist kürzer als das Wort selbst. Die ersten Emojis entstanden etwa 1999 in Japan und wurden sofort zum Hit in der digitalen Kommunikation. Das japanische „Emoji“ bedeutet etwa: Bild und Zeichen. Als Google 2006 seinen E-Mail-Dienst GMail in Japan anbieten wollte, war klar: Ohne Emojis geht es nicht, und um sie darstellen zu können, waren Standards nötig. „Wir dachten erst, es sei eine Modeerscheinung“, sagt Software-Ingenieur Mark Davis. Doch es begann der Siegeszug von Smartphones und sozialen Medien mit dem Druck, sich kurz zu halten.

Mark Davis ist so etwas wie der Herr der Smileys und Emojis. Er entscheidet, mit welchen neuen Gesichtsausdrücken, Figuren und Gegenständen Menschen weltweit demnächst ihre Texte auf Handy und Computer bildlich anreichern können. Im März soll die Liste mit den Neuen fertig sein.

Davis, ein Amerikaner mit weißem Bart, der Schweizerdeutsch versteht und spricht, zeigt in seinem Büro in Zürich auf dem Computer die neuen Kandidaten. Klopapier, Känguru und ein schwitzender Smiley sind dabei, ebenso ein Kompass, ein Moskito und ein Teddybär. Und ein „deutsches“ Puzzle-Teil. Mit seinem Team im Emoji-Ausschuss des Unicode-Konsortiums wird Davis bald etwa 70 Neuheiten freigeben.

Davis ist Mitgründer und Präsident von Unicode. Diese gemeinnützige Organisation standardisiert die digitale Kommunikation. Ehrenamtlich – seine Brötchen verdient Davis bei Google Schweiz in Zürich.

Emojis sind nur ein kleiner Teil der Unicode-Arbeit. Jedes Schriftzeichen aus allen Sprachen der Welt bekommt von Unicode einen einzigartigen digitalen Code, damit es weltweit in gleicher Weise abgebildet werden kann. Zu den Zeichen gehören seit ein paar Jahren auch die Emojis. Millionen Menschen verwenden sie heute, um Texte zu verkürzen, um mit einem Klick Emotionen anzuzeigen. Eine Sektflasche signalisiert „Feiern“, das Wort Deutschland wird durch die Fahne dargestellt, „ich lach mich tot“ durch einen Smiley mit herunterlaufenden Tränen.

Es gibt klare Regeln bei der Auswahl. „Besteht die Aussicht, dass das vorgeschlagene Symbol viel verwendet wird?“, sagt Davis. Das muss der Antragsteller belegen, zum Beispiel mit Auswertungen, wie oft der Ausdruck auf YouTube oder anderen Anwendungen vorkommt. Dann ist wichtig, dass es unter den schon existierenden Emojis nicht schon etwas Ähnliches gibt. Seit drei Jahren kann jeder bei Unicode Vorschläge für neue Emojis einreichen.

Wie Marius Spix (24), ein Software-Entwickler aus Köln. „Bei Textnachrichten ist es oft schwierig, die Gefühle des anderen herauszufinden“, sagt er. „Emojis ermöglichen es, Gefühle auch in Schriftform auszudrücken.“ Spix weiß, wovon er spricht. „Für mich als Asperger-Autist ist es oft eine Herausforderung, Ironie zu erkennen. Hier ist ein Zwinker-Emoji Gold wert.“ Spix hat zwei neue Symbole vorgeschlagen, die Unicode aufnehmen will: einen Koffer und das schon erwähnte Puzzle-Teil. „Das Puzzle-Teil hat für mich mehrere Bedeutungen“, sagt er. „Auf der einen Seite steht es für den Zusammenhalt, also einen Teil eines Ganzen. Auf der anderen Seite steht es auch für etwas Kniffliges, Kompliziertes.“

Heute sind mehr als 2300 Symbole in Gebrauch. Auf der Webseite emojitracker.com werden die beliebtesten abgebildet. Der Smiley, der vor Tränen lacht, ist ganz oben. Auch das rote Herz spielt in der ersten Liga. Angst, dass Emojis eines Tages Text verdrängen werden, hat Davis nicht: „Man nehme den ersten Satz eines Romans und versuche, ihn in Emojis darzustellen: Da sieht man sofort die Grenzen.“

Von Christiane Oelrich

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